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Jobcoaching

Jobcoaching am Arbeitsplatz (auch: „Betriebliches Arbeitstraining“) ist die Bezeichnung für ein betriebsintegriertes Arbeitstraining, das von externen Fachkräften („Jobcoaches“) durchgeführt wird und speziell auf eine Person und ihren Arbeitsplatz zugeschnitten ist.

Die Maßnahme richtet sich an auf dem Allgemeinen Arbeitsmarkt beschäftigte Menschen mit Behinderungen oder gesundheitlichen Beeinträchtigungen mit besonderem Unterstützungsbedarf am Arbeitsplatz (auch an Auszubildende und beruflich Selbstständige!) und ihre Arbeitgebenden, die daran interessiert sind, ein Arbeitsverhältnis entweder zu beginnen oder zu erhalten.

Für wen und wann kommt ein Jobcoaching infrage?

Mögliche (arbeitsplatzbezogene) Anlässe für ein Jobcoaching:

  • Die Leistungsfähigkeit lässt nach.
  • Die Arbeitsweise ist verlangsamt.
  • Betriebsabläufe oder die Zusammenarbeit werden gestört.
  • Es fällt schwer, Aufgaben zu strukturieren, zu priorisieren und/oder zu Ende zu führen.
  • Es gibt Schwierigkeiten in der Kommunikation.

Jobcoaching eignet sich bei

*Unterstützte Beschäftigung: Im Rahmen der Unterstützten Beschäftigung ist das Jobcoaching in der Phase der Berufsbegleitung junger Menschen mit Behinderungen dadurch gekennzeichnet, dass es zur Ausführung der arbeitsvertraglich festgelegten Inhalte anleitet und diese trainiert, bis am Ende eine erfolgreiche, möglichst eigenständige Über­nah­me (neuer) betrieblicher Aufgaben und eine ausreichende Arbeitsleistung si­cher­ge­stellt werden können.

**Übergang auf den Allgemeinen Arbeitsmarkt: Bei Übergängen von der Schule oder der Werkstatt für behinderte Menschen (WfbM) auf den Allgemeinen Arbeitsmarkt findet die Unterstützung von werkstattberechtigten Menschen an einem Praktikumsplatz in Betrieben des Allgemeinen Arbeitsmarktes statt. Ziel ist hier die Vorbereitung auf ein sozialversicherungspflichtiges Arbeitsverhältnis.

Merkmale und Ziele von Jobcoaching

Jobcoaching ist ein Leistungsangebot zur nachhaltigen Teilhabe am Arbeitsleben von Menschen mit Behinderungen in einem Betrieb oder einer Dienststelle des Allgemeinen Arbeitsmarkts.

Jobcoaching ...

  • wird nach bundesweit einheitlichen Qualitätsstandards umgesetzt (siehe unten: Quelle);
  • findet im Betrieb der Menschen mit Behinderungen an ihrem Arbeitsplatz statt;
  • wird von Jobcoaches durchgeführt, die sich in den Arbeitsalltag der betreuten Person einbinden;
  • ist als bedarfsabhängiger, zeitlich begrenzter und zielorientierter Prozess gedacht, der in der Regel mehrere Monate dauert;
  • kann in Kombination mit anderen Unterstützungsangeboten oder auch als einzelne Maßnahme durchgeführt werden.

Jobcoaching dient ...

  • dem Training und der Vermittlung neuer Arbeitsfähigkeiten und Arbeitstechniken;
  • dem Erwerb von Schlüsselqualifikationen;
  • der Entwicklung und dem Einsatz spezieller Hilfsmittel;
  • der Anpassung von Anforderungen und Arbeitsabläufen;
  • der Organisation zusätzlicher Hilfen (bei Bedarf);
  • der Unterstützung des betrieblichen Umfeldes;
  • der Verbesserung der Kommunikation im Betrieb.

Die Rolle des Integrationsfachdienstes und der Jobcoaches

Handelt es sich bei den Antragstellenden um schwerbehinderte oder ihnen gleichgestellte Menschen oder um ihre Arbeitgebenden, klären die Fachdienste der Integrationsämter beziehungsweise Inklusionsämter, ob ein Jobcoaching im jeweiligen Einzelfall sinnvoll und umsetzbar ist. Kann die Leistung über das Integrationsamt/Inklusionsamt finanziert werden, beauftragt der Fachdienst einen geeigneten, ausgebildeten Jobcoach.

Dem Integrationsfachdienst kommt beim Jobcoaching häufig eine Schlüsselrolle zu: Er informiert und klärt im Betrieb über die Leistung „Jobcoaching am Arbeitsplatz“ auf und kennt die Fördermöglichkeiten und Grenzen eines Jobcoachings.

Mit dem Jobcoaching werden geschulte Trainerinnen oder Trainer („Jobcoaches“) beauftragt, die über eine geeignete berufliche Qualifikation verfügen: eine abgeschlossene Berufsausbildung oder ein abgeschlossenes Studium mit einem sozialen, pädagogischen oder therapeutischen Schwerpunkt – oder aber mit mehrjähriger Berufserfahrung und einer pädagogischen Qualifikation (mindestens mit Ausbildereignung) – in Verbindung mit einer Jobcoaching-Weiterbildung.

Der Jobcoach kommt in der Regel zwei- bis dreimal wöchentlich für ein bis vier Stunden in den Betrieb (anfangs häufiger und dann allmählich immer seltener, bis er gar nicht mehr kommen muss), berät und betreut die beschäftigte Person in einem interaktiven und personenzentrierten Prozess.

Grober Ablauf eines Jobcoachings:

  • Erste Phase: Der Jobcoach und die betreute Person lernen sich kennen. Dabei werden der Arbeitsplatz und die Strukturen des Betirebs genau unter die Lupe genommen und erste Ideen entworfen, wie das gewünschte Ziel erreicht werden kann.
  • Zweite Phase: Mögliche Strategien zur Lösung der Probleme werden besprochen. Das können beispielsweise Prioritätenlisten oder Ablaufpläne sein, die helfen, die Arbeit besser zu strukturieren. Sind alle Beteiligten mit dem weiteren Vorgehen einverstanden, folgt eine Art Testphase, in der die neuen Lösungswege von der unterstützten Person oder auch von den Kolleginnen und Kollegen im Betrieb ausprobiert und eingeübt werden können.
  • Dritte Phase: Die verbesserten Arbeitsabläufe werden weiter gefestigt, damit sie langfristig gut funktionieren.

Rechtsgrundlagen der Förderung von Jobcoaching

Mit dem am 13. Juni 2023 verkündeten Gesetz zur Förderung eines inklusiven Arbeitsmarkts wurde das Jobcoaching in den Leistungskatalog der Leistungen zur Teilhabe am Arbeitsleben aufgenommen (in Kraft getreten am 1. Januar 2024).

Im Absatz zur Begleitenden Hilfe im Arbeitsleben ist Jobcoaching als Instrument zur Sicherung von bestehenden Arbeitsverhältnissen nicht explizit aufgeführt. Die Leistung ist aber möglich, wenn die allgemeinen Leistungsvoraussetzungen vorliegen (insbesondere mindestens eine Teilzeitbeschäftigung im Umfang von mindestens 15 Stunden pro Woche beziehungsweise in Inklusionsbetrieben von 12 Stunden pro Woche) (§ 185 Absatz 2 Satz 3 SGB IX und § 18 SchwbAV).

Eine finanzielle Förderung der Leistung für Menschen mit anerkannter Schwerbehinderung oder Gleichstellung und einem besonderen Unterstützungsbedarf ist möglich

  • als Ermessensleistung auf Grundlage von § 185 Absatz 3 Nummer 1e SGB IX in Verbindung mit § 24 SchwbAV oder § 185 Absatz 3 Nummer 1f in Verbindung mit § 25 SchwbAV oder
  • im Anschluss an eine individuelle betriebliche Qualifizierung (auch: Unterstützte Beschäftigung) zur Sicherung eines dadurch erreichten Arbeitsverhältnisses (§ 55 Absatz 3 SGB IX).

Eine finanzielle Förderung der Arbeitgebenden kann als Ermessensleistung auch

  • auf Grundlage von § 185 Absatz 3 Nummer 2e SGB IX in Verbindung mit 27 SchwbAV oder § 185 Absatz 3 Nummer 2a SGB IX in Verbindung mit § 26 Absatz 1 Satz 1 Nummer 4 SchwbAV erfolgen.

Hinweis:

  • Junge Menschen mit Behinderungen können Jobcoaching für den Berufseinstieg beantragen. Jobcoaching findet dann in der Regel innerhalb des Konzeptes der Individuellen betrieblichen Qualifizierung im Rahmen der Unterstützten Beschäftigung statt.
  • Auch beruflich Selbstständige können einen Antrag auf Jobcoaching stellen.

Tipp: Die Links zu sämtlichen oben angeführten Gesetzen finden Sie weiter unten unter „Rechtsgrundlagen“. Lassen Sie sich von den Einheitlichen Ansprechstellen für Arbeitgeber, vom Integrationsamt/Inklusionsamt bzw. vom Integrationsfachdienst (IFD) oder den Jobcoaching-Anbietern zum Thema „Jobcoaching“ beraten! (Links unter „Mehr zum Thema“.) 

Quellen: BIH-Empfehlung „Förderung eines JobcoachingAP“; Definition des Qualitätsnetzwerks JobcoachingAP; Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL). --- Der Zusatz „AP“ (Arbeitsplatz) dient der Abgrenzung zu anderen Jobcoaching-Angeboten. Konzept und bundesweite Standards des JobcoachingsAP sind von den Integrationsämtern im Rahmen des Modellprojektes „JADE – Jobcoaching zur Arbeitsplatzsicherung Definieren und Evaluieren“ der HAWK Hildesheim zusammen mit dem Qualitätsnetzwerk JobcoachingAP unter Moderation der BAG UB entwickelt worden (mehr dazu: siehe Link unten).

Rechtsgrundlagen

Mehr zum Thema

Verwandte Lexikon-Einträge

Externe Links

(ml) 2024 (02/2024)