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Teilzeitberufsausbildung

In aller Regel findet eine Berufsausbildung in Vollzeit statt. Die Teilzeitberufsausbildung ist eine vollwertige Berufsausbildung mit geringerer täglicher oder wöchentlicher Ausbildungszeit im Betrieb als normalerweise. Die Ausbildungsdauer verlängert sich entsprechend.

Manchmal lässt es die persönliche Situation nicht zu, eine Berufsausbildung in Vollzeit zu absolvieren. Dann kommt eine in Teilzeit in Betracht, zum Beispiel für

  • Frauen, die ein Kind erwarten,
  • Eltern von kleineren Kindern,
  • Menschen mit gesundheitlichen Beeinträchtigungen oder Behinderungen,
  • Menschen, die Angehörige pflegen,
  • Menschen, die zusätzlichen Förderunterricht oder einen Deutschkurs benötigen,
  • Auszubildende, die nebenbei erwerbstätig sein wollen oder müssen.

Eine Ausbildung in Teilzeit muss vorab mit dem auszubildenden Betrieb abgestimmt werden. Im Gespräch wird geklärt, unter welchen Rahmenbedingungen das Teilzeit-Modell für beide Seiten möglich wäre. Ausbildungsbetrieb und Ausbildungsinteressierte stellen zum Beispiel gemeinsam fest, welche tägliche oder wöchentliche Ausbildungszeit für beide machbar ist.

Die tägliche oder wöchentliche Arbeitszeit kann grundsätzlich bis auf die Hälfte verkürzt werden. Man geht davon aus, dass sich in dieser Zeit Auszubildende mit den wesentlichen Betriebsabläufen noch in vertretbarer Zeit vertraut machen können. Am Ende sollten sich Auszubildende und Betrieb einig sein, wie viele Arbeitsstunden täglich oder in der Woche geleistet werden müssen.

Wird pro Tag oder Woche weniger gearbeitet, verlängert sich die Ausbildungsdauer entsprechend. Insgesamt kann sie aber höchstens das Eineinhalbfache der regulären Ausbildungsdauer betragen.

Beispiel: Bei einer 3-jährigen Berufsausbildung wird vereinbart, die Ausbildungszeit auf 75 Prozent zu reduzieren. Das Ende der Ausbildung verschiebt sich folglich um ein Jahr. Die Ausbildung in Teilzeit dauert in diesem Fall vier Jahre.

Manche Auszubildende erreichen das Ausbildungsziel trotz Teilzeit in der regulären Dauer – in diesem Fall ist eine Verkürzung der Ausbildungsdauer möglich.

Für Menschen mit Behinde­rungen, bei denen aufgrund ihrer Behinderung eine duale Ausbildung in Vollzeit nicht möglich ist, kann eine Teil­zeit­berufs­ausbildung anstelle von Ausbildungs­regelungen der Weg zu einem anerkannten Berufs­abschluss sein. Für Menschen mit Lern­beeinträch­tigung kann eine Teilzeit­berufs­ausbildung den Einstieg und Übergang in eine Vollzeit­berufs­ausbildung ermög­lichen.

Ausbildungs­betriebe können schwerbehinderte Menschen in Teilzeit­berufs­ausbildung (seit dem Anzeige­jahr 2020) nun auch auf die Schwer­behinderten­quote anrechnen lassen.

Die Ausbildungszeiten in der Berufsschule können in der Regel nicht verkürzt werden. Das heißt, der Berufsschulunterricht findet in Vollzeit statt. Eventuell besteht die Möglichkeit, eine Ausnahmeregelung zu treffen. Betroffene sollten das Gespräch mit der Berufsschule suchen, um diese Möglichkeit abzuklären.

Der Ausbildungsbetrieb muss den Ausbildungsplan für die Zeiten im Betrieb und in der Berufsschule an das mit dem Auszubildenden vereinbarte Teilzeit-Modell anpassen. Anschließend beantragen Auszubildende und Ausbildungsbetrieb gemeinsam die Teilzeitberufsausbildung. Das Berufsbildungsgesetz (BBiG) gibt vor, welche Stelle dafür zuständig ist, zum Beispiel die Handwerkskammer (HWK).

Teilzeit-Auszubildende haben Anspruch auf eine angemessene Ausbildungsvergütung. Die Vergütung richtet sich nach den reduzierten Ausbildungszeiten im Betrieb und kann daher entsprechend geringer ausfallen als bei Vollzeit üblich. In der Praxis wird jedoch oft eine ungekürzte Ausbildungsvergütung vereinbart. Für den Fall, dass die Ausbildungsvergütung nicht für den Lebensunterhalt reicht, können Auszubildende Berufsausbildungsbeihilfe (BAB) beantragen.

(ml) 2022