Sprungnavigation Tastaturkurzbefehle

Suche und Service

Episode 6 – Lotsen der Inklusion: Wie Einheitliche Ansprechstellen für Arbeitgeber helfen

In der sechsten Episode von „Teilhabe & Inklusion“ geht es um die Unterstützung von Unternehmen bei der Ausbildung, Einstellung oder Beschäftigung von schwerbehinderten Menschen. Seit 2022 sind dafür die Einheitlichen Ansprechstellen für Arbeitgeber (EAA) bundesweit im Einsatz.

Sabine Gnielka, Fachberaterin für Inklusion bei der Handwerkskammer zu Köln, gibt Einblicke in ihre tägliche Arbeit. Sie berichtet davon, wie die EAA Unternehmen bei der Schaffung inklusiver Arbeitsumgebungen unterstützten können und schildert ihre eigenen Erfahrungen in der Zusammenarbeit mit schwerbehinderten Menschen im Handwerk.

REHADAT-Podcast

Transkription

Intro:
Gemeinsam Barrieren abbauen. Hallo und willkommen zur neuen Ausgabe von “Teilhabe und Inklusion – der REHADAT-Podcast”. Mein Name ist Rufus Witt und ich spreche mit Betroffenen, Beratungsstellen und Arbeitgebenden über die Barrieren des täglichen Lebens.

Rufus Witt:
Hallo und Willkommen zu einer neuen Folge von “Teilhabe und Inklusion – der REHADAT-Podcast”. Heute sprechen wir über die Einheitlichen Ansprechstellen für Arbeitgeber, kurz EAA. Sie unterstützen und beraten Unternehmen bei der Ausbildung, Einstellung oder Beschäftigung von schwerbehinderten Menschen oder ihnen gleichgestellten. Die EAA fungieren als dauerhafte und trägerunabhängige Lotsen, stellen durch ihr Netzwerk hilfreiche Kontakte her und helfen bei der Beantragung von Förderleistungen.

Die EAA gibt es seit 2022 bundesweit. Wo genau sie angesiedelt sind, ist von Bundesland zu Bundesland unterschiedlich. In NRW wurden die Ansprechstellen beispielsweise bei Integrationsfachdiensten oder auch bei den Kammern eingerichtet. Heute erhalten wir Einblick in die Arbeit einer Ansprechstelle im Rheinland, genauer gesagt für Handwerksbetriebe im Raum Köln. Diese EAA ist beispielsweise im Auftrag des Landschaftsverbandes Rheinland tätig, wohingegen in Westfalen Lippe die Ansprechstellen im Auftrag des Landschaftsverbandes Westfalen Lippe arbeiten.

Unsere heutige Expertin ist selbst Technikerin und Tischler-Meisterin und hat in ihrer Rolle als Fachberaterin für Inklusion bereits vielen Unternehmen geholfen, Barrieren zu überwinden und eine inklusivere Arbeitsumgebung zu schaffen. Viel Spaß bei dem folgenden Gespräch zwischen meiner Kollegin Wiebke Modler und Sabine Gnielka.

Wiebke Modler:
Ich spreche heute mit Sabine Gnielka. Sie ist Fachberaterin für Inklusion bei der Handwerkskammer zu Köln. Seit Anfang 2022 gehört sie aber auch zur Einheitlichen Ansprechstelle für Arbeitgeber im Rheinland.

[Von beiden Seiten Hallo]

Wiebke Modler:
Ja, was macht denn eine Fachberaterin für Inklusion eigentlich?

Sabine Gnielka:
Ich unterstütze die Handwerksunternehmen bei der Einstellung von Menschen mit Schwerbehinderung oder Menschen, die denen gleichgestellt sind und gehe bei Bedarf auf die Unternehmen zu oder gehe auch in die Unternehmen rein, um dort ein bisschen unterstützend tätig zu sein. Bei der Antragstellung, bei Abbruch von Förderleistungen. Erst mal zu gucken, was ist überhaupt gegeben im Unternehmen? Wie sieht der Arbeitsplatz aus? Was braucht es überhaupt? Es ist eigentlich kein Fall wie der andere und auch kein Fall so intensiv wie der andere, sodass man das so übergreifend gar nicht sagen kann, was ich alles mache. Aber im Grunde bin ich ein bisschen Lotsin im System, um zu schauen, was braucht es, damit Menschen mit Schwerbehinderung beschäftigt werden können.

Wiebke Modler:
Und das machst du für Handwerksbetriebe. Wie sieht es denn branchenübergreifend aus?

Sabine Gnielka:
Genau. Ich bin bei der Handwerkskammer zu Köln angestellt. Ich komme selber aus dem Handwerk, habe mit Menschen mit Schwerbehinderung gearbeitet und kann das jetzt ein bisschen in dieser Tätigkeit einbringen. Tatsächlich ist es so, dass wir in jeder Region, in die unser Gebiet aufgeteilt ist im Rheinland, immer mehrere Einheitliche Ansprechstellen für Arbeitgeber haben, sprich wir haben die Industrie und Handelskammern im Boot, die Handwerkskammern, die Landwirtschaftskammer und eben auch die sonstigen und freien Berufe, sodass wir immer zu viert und in Köln tatsächlich zu fünft in kleinen Teams die Region bearbeiten können.

Wiebke Modler:
Das heißt, ihr seid auch immer im Austausch miteinander?

Sabine Gnielka:
Wir sind regelmäßig im Austausch, wir sehen uns wöchentlich in Videokonferenzen, wir telefonieren, wir schreiben Emails, wir unterstützen uns gegenseitig.

Wiebke Modler:
Was habt ihr für einen Ausbildungs-Hintergrund? Zum Beispiel ist es ja beim Technischen Beratungsdienst so, dass das eher Ingenieure sind. Aber was ist euer Hintergrund?

Sabine Gnielka:
Das ist ganz unterschiedlich jetzt. Wir haben uns ja im letzten Jahr als Team quasi verdoppelt. Also waren vorher acht oder neun Leute in der Fachberatung für Inklusion, wie es ursprünglich hieß, und hatten alle einen technischen Hintergrund. Und jetzt hat sich das verändert, sodass die Leute aus unterschiedlichen Bereichen kommen. Aus der Wirtschaft, aus medizinischen Bereichen. Wir sind mit der technischen Seite immer noch dabei und so wird es ein buntes Team.

Wiebke Modler:
Wie kommen die Unternehmen auf euch zu? Wie erfahren die von euch?

Sabine Gnielka:
Das ist ganz unterschiedlich. Tatsächlich bin ich im Haus gut vernetzt. Also wenn es über die Ausbildungsberatung oder über die Ausbildungsvermittlungen Fälle gibt, wo klar ist, da ist ein junger Mensch mit Schwerbehinderung, dann werde ich von den Kollegen kontaktiert. Es gibt Unternehmer und Unternehmerinnen, die mich anrufen, weil sie irgendwie schon mal von dieser Stelle gehört haben und wissen, dass es uns gibt. Die Kooperation mit dem LVR funktioniert seit über 20 Jahren sehr gut, sodass wir uns da in Köln tatsächlich nicht beschweren können und gut zu tun haben, muss ich sagen.

Wiebke Modler:
Wer kommt genau auf euch zu? Sind das die Personaler oder die Geschäftsführung?

Sabine Gnielka:
Also in der Regel ist es bei den kleinen und mittelständischen Unternehmen die Geschäftsführung, die auf uns zukommt. Wo man dann einfach mal gucken muss, was ist denn überhaupt gegeben, was braucht es, wie muss derjenige oder diejenige unterstützt werden. Es kommt auch schon mal vor, dass ein Mensch mit Schwerbehinderung anfragt und sagt ich habe da das und das Problem. Das ist jetzt nicht der Schwerpunkt, den Menschen zu beraten, dafür gibt es dann andere Kollegen oder andere Stellen, die die Menschen mit Schwerbehinderung beraten. Aber darüber führt natürlich auch der Weg zu den Unternehmen und zu den Betrieben.

Wiebke Modler:
Da sagst du ganz oft schon mal: Sprechen Sie Ihren Chef an und schicken Sie den zu mir.

Sabine Gnielka:
Ganz genau. Ja, so funktioniert es.

Wiebke Modler:
Zu welchem Zeitpunkt kontaktieren die Unternehmen dich dann? Also vor der Einstellung oder während es schon eine Beschäftigung gibt?

Sabine Gnielka:
Beides tatsächlich. Es gibt manchmal Unternehmen, die wissen nicht, dass sie jemanden mit einer Schwerbehinderung beschäftigt haben und dann ploppt das irgendwann in einem Gespräch mal auf und dann ist immer so ein bisschen die Sorge auch da, was muss ich jetzt tun, was muss ich jetzt machen. Da gilt es dann, Ängste zu nehmen oder auch zu gucken, muss der Arbeitsplatz vielleicht technisch, organisatorisch oder finanziell angepasst werden. Es gibt aber auch Unternehmen, die jemanden einstellen wollen oder in eine Ausbildung nehmen wollen und mich dann im Vorfeld schon kontaktieren.

Wiebke Modler:
Wie sieht dann deine Beratung tagtäglich aus? Also fährst du hin oder erst mal Schreibtischarbeit und dann gucken?

Sabine Gnielka:
Von bis. Also manchmal ist es so, dass es tatsächlich auch nur ein Telefonanruf ist und damit ist das Anliegen erledigt, sage ich jetzt mal oder bearbeitet. In der Regel ist es aber so, dass ich da schon tiefer in die Materie reingehe. Ich gucke mir immer ganz gerne die Betriebe auch vor Ort an und schaue mir die Arbeitsplätze an und die Gegebenheiten, weil man da immer noch mal so ein bisschen mehr Gespür bekommt, wie der einzelne, wie das Unternehmen tickt, wie die Arbeit sich gestaltet und was die Problematik ist. Also in der Regel fahre ich schon raus.

Wiebke Modler:
Aus der Erfahrung heraus: Was ist denn die am häufigsten benötigte Unterstützungsmaßnahme? Sind es eher technische Sachen oder mehr Assistenzen?

Sabine Gnielka:
Ich glaube tatsächlich einfach das Gefühl für den Unternehmer oder die Unternehmerinnen, dass da jemand ist, der sich kümmert und der unterstützt und der Ansprechpartner ist für alle Fragen. Und wenn derjenige es nicht weiß, was tatsächlich manchmal auch so ist, dass ich mich selber erst mal ein bisschen reinarbeiten muss, dass da Arbeit abgenommen wird und Unsicherheiten genommen werden. Ich glaube, das ist so das Allerwichtigste.

Wiebke Modler:
Also gibt es nicht konkret den Beschäftigungszuschuss oder das Hilfsmittel, was der Dauerbrenner wäre?

Sabine Gnielka:
Nein. Würde ich jetzt nicht...

Wiebke Modler:
Das ist von Fall zu Fall ganz unterschiedlich.

Sabine Gnielka:
Das ist ganz unterschiedlich. Also was wir in der Regel machen, ist eine Einstellungs- oder Ausbildungsprämie zu beantragen. Das ist wirklich so ein Standard, würde ich sagen. Und dann gucken wir halt auch immer, was braucht es an Arbeitsplatzausstattung, ob das jetzt behinderungsbedingt oder nicht-behinderungbedingt ist und ob dann noch diese Zusatzleistungen wie Beschäftigungssicherungszuschuss, personelle Unterstützung oder im Vorfeld vielleicht auch ein Eingliederungszuschuss schon notwendig werden. Das kann man gar nicht so allgemein sagen. Das kommt dann wirklich auf den Einzelfall an.

Wiebke Modler:
Das heißt Unterstützung ist gewünscht und die könnt ihr auf jeden Fall leisten. Was könnt ihr denn nicht leisten? Bei was könnt ihr den Unternehmen nicht helfen?

Sabine Gnielka:
Also wir machen keine Vermittlung in dem Sinne. Das ist der Bundesagentur für Arbeit vorbehalten. Bei Ausbildung sieht es bei uns im Haus der Handwerkskammer etwas anders aus. Da haben wir die Ausbildungsberatung bzw. die Ausbildungsvermittlung, die da zuständig ist und Unternehmen und potenzielle Auszubildende zusammenbringt. Und mit denen arbeite ich eng zusammen.

Wiebke Modler:
Und da könnte es ja auch mal sein, dass jemand mit Schwerbehinderung dabei ist.

Sabine Gnielka:
Ganz genau. Dann gebe ich immer den Hinweis, das dem Chef oder dem zukünftigen Chef zu sagen, dass der noch mal Kontakt aufnimmt oder auch andersherum, dass ich mir die Kontaktdaten geben lasse, wenn das in Ordnung ist, und dann den Chef kontaktiere oder die Chefin, um da unterstützend tätig zu sein.

Wiebke Modler:
Du hast eben gesagt, du hast noch Kontakt zu anderen Stellen. Welche sind das genau?

Sabine Gnielka:
Also wir arbeiten sehr viel mit dem Landschaftsverband Rheinland zusammen, dann auch mit der Agentur für Arbeit, mit dem Integrationsfachdienst, Rentenversicherungsträgern und anderen Reha-Trägern. Da gibt es einige, die kann man gar nicht alle aufzählen, aber wir sind ganz viel in Netzwerken unterwegs, um die Einstellung von Menschen mit Schwerbehinderung voranzubringen.

Wiebke Modler:
Die anderen Institutionen machen das aus einer anderen Perspektive. Das heißt, die unterstützen dabei dann eher die Menschen mit Schwerbehinderung, wohingegen ihr die Unternehmen unterstützt.

Sabine Gnielka:
Genau. Manchmal überschneidet es sich ein bisschen. Mein Fokus liegt wirklich auf der Unternehmensberatung. Also ich bin in der Handwerkskammer in der Technischen Unternehmensberatung tätig. Somit ist auch der Fokus da auf die Unternehmen, die bei uns Mitglied sind. Das sind in der Regel kleine und mittelständische Unternehmen, die nicht wie die Großen wissen, wo es was zu beantragen gilt oder wie die Prozesse sind. Und dafür bin ich unterstützend da.

Wiebke Modler:
Du hattest eben mal angesprochen, dass du selbst schon mit Menschen mit Schwerbehinderung im Handwerk gearbeitet hast. Gab's da noch irgendwelche Erfahrungen, von denen du berichten könntest, dass etwas gut geklappt hat oder wo doch auch vielleicht Schwierigkeiten sein könnten?

Sabine Gnielka:
Also der Klassiker sage ich mal, in einer Tischlerei ist irgendwie ein Mensch mit Höhrschädigung, der da tatsächlich arbeitet und da merkt man eigentlich wenig an Einschränkungen, so was die Technik angeht, wie die arbeiten. Man muss natürlich so ein paar Sachen beachten, also die hören laufende Maschinen nicht, da muss man dann mit Lichtsignalen vielleicht so ein bisschen verstärkend tätig werden oder die Leute auch eben anders ansprechen und noch mal ein bisschen, ein bisschen mehr aufmerksam machen. Das funktioniert aber in der Regel ganz gut.

Wiebke Modler:
Das ist ein schönes Stichwort, um jetzt hier den Cut zu machen. Ich bedanke mich für das Gespräch. Vielen Dank, dass du dabei warst.

Sabine Gnielka:
Gerne.

Rufus Witt:
Hoffentlich konnten wir vor allem Arbeitgeberinnen und Arbeitgebern, die uns zuhören, eine weitere Möglichkeit aufzeigen, um sich dem Thema Inklusion im Arbeitsleben zu nähern. Wir packen die Internetseite mit der bundesweiten Suche nach allen Ansprechstellen natürlich in die Shownotes, damit Sie Ihre Ansprechstelle für alle Fragen rund um die Beschäftigung von Menschen mit Schwerbehinderung finden können. Danke fürs Zuhören und bis zum nächsten Mal!

← Zur Podcast-Übersicht

Weitere Informationen