Lexikon zur beruflichen Teilhabe

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Angaben zum Praxisbeispiel

Berufliche Integration einer schwerhörigen Sozialpädagogin bei einer Wohneinrichtung für gehörlose Menschen

Das Praxisbeispiel ist eine Zusammenfassung eines Interviews, das im Rahmen des Projektes GINKO geführt wurde. Zum Interview gelangen Sie hier.

Arbeitgeber:

Der Arbeitgeber betreibt u. a. eine Wohneinrichtung (Betreutes Wohnen) für gehörlose Menschen.

Behinderung und Funktionseinschränkung der Mitarbeiterin:

Die Frau ist hochgradig schwerhörig. Sie ist nur mit Hilfe von Hörgeräten fähig akustische Informationen, z. B. Lautsprache und Signale, eingeschränkt wahrzunehmen. Dies ist aber nur möglich, wenn die Personen deutlich sowie langsam sprechen, es ruhig ist bzw. keine Nebengeräusche stören und sie das Mundbild sehen kann. Alternativ ist mit ihr auch eine Kommunikation über die Gebärdensprache möglich.

Übergang Schule - Beruf:

Die Frau erwarb an einer Regelschule den Realschulabschluss. Zunächst fing sie auf Empfehlung der Arbeitsagentur eine handwerkliche Ausbildung zur Konditorin an, die sie aber bedingt durch Kommunikationsprobleme abbrach. Ihren Neigungen und Möglichkeiten entsprechend absolvierte sie danach eine zweijährige Ausbildung zur Kinderpflegerin an einer berufsbildenden Schule für hörgeschädigte Menschen bzw. Berufsfachschule. Nach der Ausbildung besuchte sie an der berufsbildenden Schule die Fachoberschule, die sie mit der Fachhochschulreife verlies. Anschließend machte sie ein Freiwilliges Soziales Jahr (FSJ) bei einer Sozialstation der Caritas. Während des FSJ fasste sie den Entschluss Sozialpädagogik (Soziale Arbeit) zu studieren. Im Grundstudium nutze sie hauptsächlich eine Mikroportanlage. Zudem konnte sie zur Kommunikation bzw. Übersetzung der Vorlesungsinhalte eine Studienassistenz (Schreibkraft oder einen Gebärdensprachdolmetscher) einbeziehen. Während ihres Studiums absolvierte sie ein Praxissemester bei ihrem jetzigen Arbeitgeber und bewarb sich im Anschluss dort als studentische Hilfskraft zur Betreuung der Bewohner bzw. als Alltagsbegleiterin. Nach dem Studium erhielt sie vom Arbeiter ein Beschäftigungsangebot und wurde fest als Alltagsbegleiterin eingestellt.

Arbeitsplatz und Arbeitsaufgabe:

Die Alltagsbegleiterin übersetzt für, unterstützt und berät gehörlose und teilweise psychisch kranke oder geistig behinderte Menschen des Wohnheims. Diese können teilweise nicht richtig lesen oder schreiben und bekommen beispielsweise ihre Post in Gebärdensprache übersetzt, Hilfe bei Anträgen (z. B. Betreutes Wohnen, Sozialamt oder Rentenversicherung) oder Begleitung beim Besuch von Ärzten und Ämtern. Dafür muss sie unter anderem Hilfepläne im Büro am Laptop schreiben und an Hilfeplankonferenzen teilnehmen. Einige der Bewohner arbeiten in Werkstätten für behinderte Menschen (WfbM), wo sie zwischen ihnen und den Gruppenleitern übersetzt und somit zur besseren Kommunikation und Beseitigung von Missverständnissen beiträgt.

Arbeitsorganisation:

Für Telefonate nutzt die Alltagsbegleiterin den Dienstleister Tess, der mit seinen Angeboten (Schrift- oder Videodolmetschen) und Dolmetschern barrierefreies Telefonieren zwischen hörenden und gehörlosen Menschen ermöglicht. Die Mitarbeiterin bevorzugt die Telekommunikation über Schriftsprache und nimmt deshalb schriftlich über ihr Laptop und das Internet Kontakt zu einem Dolmetscher von Tess auf. Dieser ruft den hörenden Gesprächspartner an und übersetzt die von der Alltagsbegleiterin verfassten Text in Lautsprache. Die vom hörenden Gesprächspartner in Lautsprache formulierten Inhalte werden umgekehrt vom Dolmetscher in Schrift bzw. Texte übersetzt und an die Alltagsbegleiterin übermittelt. Für Teambesprechungen, wie z. B. Hilfeplankonferenzen, nutzt sie einen Gebärdendolmetscher vor Ort. Sie benötigt für direkte Gespräche mit nur einer Person keinen Dolmetscher.
In REHADAT finden Sie auch die Dienstleister Tess sowie telesign, die eine Kommunikation über das Telefon zwischen hörenden und gehörlosen Menschen ermöglichen. Außerdem noch die Kontaktdaten von Gebärdensprachdolmetschern, die für Sie beispielsweise vor Ort übersetzen.

Eigendarstellung der Mitarbeiterin zur beruflichen Integration:

Mit der beruflichen Kommunikation ist die Alltagsbegleiterin zufrieden. Der berufliche Alltag wird nach ihrer Meinung zeigen, ob sie weitere Hilfsmittel (z. B. zur Rufzeichenanzeige) benötigt. In Bezug auf die kommunikative Unterstützung durch Gebärdensprach- und Schriftdolmetscher, wünscht sie sich mehr Personen mit einer solchen Ausbildung. Da es nur wenige gibt und diese bereits lange Zeit im Voraus ausgebucht sind.

Förderung:

Das Integrationsamt förderte das Laptop und übernimmt die Kosten für die Dolmetscher (vor Ort und am Telefon). Die Kosten für die Studienassistenz wurden vom Sozialhilfeträger übernommen.
In REHADAT finden Sie auch die Adressen und Tel.- Nummern der Integrationsämter.



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  • IMBA - Gestik/Mimik /
  • IMBA - Hören /
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Referenznummer:

Pb/110821



Informationsstand: 21.06.2013