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Lexikon zur beruflichen Teilhabe

Erläuterungen und Definitionen zu mehr als 450 Begriffen. Von A wie Ausgleichsabgabe bis Z wie Zuschüsse.

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Bibliographische Angaben zur Publikation

Teilhabe 2.0 - Reha neu denken?

22. Rehabilitationswissenschaftliches Kolloquium vom 4. bis 6. März 2013 in Mainz



Sammelwerk / Reihe:

DRV-Schriften: Rehabilitationswissenschaftliches Kolloquium, Band 101


Autor/in:

Angerer, Peter; Arling, Viktoria; Bartel, Susanne [u. a.]


Herausgeber/in:

Deutsche Rentenversicherung Bund (DRV Bund)


Quelle:

Berlin: Eigenverlag, 2013, Sonderausgabe der Zeitschrift 'Deutsche Rentenversicherung', 546 Seiten, ISBN: 978-3-00-041214-1


Jahr:

2013



Link(s):


Link zu dem Tagungsband (PDF | 4 MB)


Abstract:


Die auch für Deutschland gültige UN-Behindertenrechtskonvention formuliert für Menschen mit Behinderungen einen umfassenden Anspruch auf Teilhabe und Beteiligung an allen Aspekten des Lebens. Neue Möglichkeiten der Mitsprache und Beteiligung verspricht das Web 2.0. Gerade für Menschen mit Behinderungen kann das Web die selbst bestimmte Teilnahme am sozialen, kulturellen und beruflichen Leben erleichtern. Unter dem Kongressmotto 'Teilhabe 2.0 - Reha neu denken' diskutierten rund 1.500 Wissenschaftler, Ärzte, Psychologen, Therapeuten und weitere Fachleute vom 4. bis zum 6. März beim 22. Rehabilitationswissenschaftlichen Kolloquium in Mainz. Der überregionale Reha-Kongress wurde von der Deutschen Rentenversicherung Bund, der Deutschen Rentenversicherung Rheinland-Pfalz und der Deutschen Gesellschaft für Rehabilitationswissenschaften veranstaltet.

Dr. Reimann betonte bei der Eröffnung des 22. Reha-Kolloquiums, dass die Zahl der bewilligten Reha-Leistungen der Deutschen Rentenversicherung von 2005 bis 2012 um rund 25 % gestiegen sei. Diese Entwicklung beruhe auf verschiedenen Faktoren: Die Alterung der Gesellschaft, das sich verändernde Krankheitsspektrum und die sich wandelnde Arbeitswelt. Die geburtenstarken Jahrgänge der 1960er und 1970er Jahre erreichten vermehrt ein Alter, in dem der Reha-Bedarf steige. Zugleich beginne die angestrebte Verlängerung der Lebensarbeitzeit zu wirken. Deshalb, so Dr. Reimann, habe der Bedarf für Leistungen zur Teil­habe in den letzten Jahren stetig zugenommen und werde auch weiter wachsen.

Das Internet gehöre für viele Menschen mittlerweile selbstverständlich zum beruflichen und privaten Alltag, führte Dr. Reimann weiter aus. Das Web 2.0 markiere nicht nur einen technischen, sondern auch einen kulturellen Wandel. Die Nutzer könnten sich unmittelbar in gesellschaftliche Diskurse einbringen und die öffentliche Meinung mit beeinflussen. Dr. Reimann betonte, dass die Rehabilitation die neuen medialen Möglichkeiten effektiv nutzen müsse, aber auch die wachsen­den Anforderungen an Transparenz und Beteiligung aufnehmen sollte.

Auf die besondere Aufgabe der Rehabilitation verwies der rheinland-pfälzische Sozialminister Alexander Schweitzer in seinem Grußwort. Das neunte Buch des Sozialgesetzes (SGB IX) sei ein Meilenstein und stelle die gleichberechtigte Teilhabe aller Menschen in den Vordergrund. Damit werde der traditionelle Begriff der Rehabilitation abgelöst. Besonders vor dem Hintergrund der älter werdenden Gesellschaft sei es eine anspruchsvolle Aufgabe, die Rahmenbedingungen dafür zu schaffen, dass alle Menschen die Möglichkeit zur gleichberechtigten Teilhabe bekommen. Neben technischen Lösungen und modernen Kommunikationsmitteln sei dazu vor allem eine gute Zusammenarbeit aller Beteiligten notwendig: der Betroffenen, der Kostenträger, der Leistungserbringer und anderer Akteure vor Ort und in der Region.

Der Reha-Dezernent der Deutschen Rentenversicherung Rheinland-Pfalz, Ralf Weisenburger, betonte in dem anschließenden Pressegespräch, dass sich die moderne Rehabilitation konsequent an der Arbeits- und Lebenswelt der Versicherten orientiere. Deshalb setze die Rentenversicherung noch stärker auf die vernetzte Zusammenarbeit aller Akteure - vom Reha-Berater bis zum Betrieb. Weisenburger sprach sich auch dafür aus, die Zugangswege zur Reha weiter zu öffnen und nannte als Beispiel Menschen mit Migrationshintergrund. Große Chancen sieht er in der Zusammenarbeit mit Betrieben bei der Prävention. Weisenburger, der den Geschäftsführer Hartmut Hüfken der DRV Rheinland-Pfalz vertrat, setzt bei Kooperationen nicht nur auf Großunternehmen. Er zeigte sich überzeugt, dass auch kleine und mittlere Betriebe wissen: Gesunde Mitarbeiter sind ein Schlüssel für Wettbewerbsfähigkeit.

Das wissenschaftliche Programm des 22. Reha-Kolloquiums wurde mit einem sehr positiv aufgenommenen Plenarvortrag von Prof. Joachim Bauer eröffnet, der über aktuelle Erkenntnisse zu den Auswirkungen sozialer Erfahrungen auf die biologischen Systeme berichtete. Der mehrfach ausgezeichnete Neurowissenschaftler und Autor vielbeachteter Sachbücher ist am Universitätsklinikum Freiburg tätig. Die Rolle der Gene als molekulare Kommunikatoren und Kooperatoren werde heute in der Neurobiologie betont, so Prof. Bauer. Empirische Studien zeigten bis ins Detail, wie das Gehirn soziale Erfahrungen wahrnimmt, bewertet und in biologische Signale verwandelt. Diese wiederum wirkten bis hin zu den Genen. Soziale Erfahrungen, so berichtete Prof. Bauer, würden sich nicht nur in das Gedächtnis des Menschen eingraben, sondern prägten auch sein Verhalten und Erleben. Der Freiburger Wissenschaftler zeichnete in seinem Vortrag zudem die neurobiologischen Signalketten nach, die ablaufen, wenn Menschen sich sozial anerkannt fühlen: Das Gehirn speichere dauerhaft, was als positiv und bereichernd erlebt wird. Wertschätzung und Anerkennung nährten die Motivationssysteme im Gehirn. Vernachlässigung hingegen aktiviere Stressreaktionen. Entscheidend sei aus Sicht der Hirnforschung, so Prof. Bauer, die Qualität der sozialen Beziehung. Diese Erkenntnisse sollten seiner Ansicht nach auch im beruflichen Umfeld mehr Beachtung finden.

Welche Chancen und Risiken das Internet für die Rehabilitation birgt, erläuterte Prof. Manfred Beutel, Universitätsklinikum Mainz, am zweiten Kongresstag. Als Risiko wies er auf Abhängigkeitsrisiken hin, denen vor allem junge Menschen unterliegen: den pathologischen PC- und Internetgebrauch. Nach Studienergebnissen beschäftigten sich etwa zwölf Prozent der Jugendlichen exzessiv mit dem Internet. Drei Prozent zeigten deutliche Suchtmerkmale und seien bis zu zwölf Stunden täglich online. Diese Betroffenen litten unter Beeinträchtigungen der Konzentration und Arbeitsfähigkeit. Inzwischen sei daher auch die Behandlung von Internet- und Computerspielsucht eine Aufgabe, der sich die Rentenversicherung mit ihren Rehabilitationsleistungen mehr und mehr stellen müsse, so Prof. Beutel. Erfolgversprechend sei es dennoch, das Web 2.0 auch für die Rehabilitation, beispielsweise in der Nachsorge zu nutzen. Schließlich unterschieden sich die Reha-Angebote deutlich von programmierten und automatisierten Angeboten im Internet. Laut Prof. Beutel ist dabei besonders wichtig, dass die Therapeuten im Rahmen der Reha-Nachsorge die medialen Angebote begleiten. Die Rehabilitanden spürten dadurch, dass sie von einer realen Person unterstützt werden.

Einen thematischen Schwerpunkt des wissenschaftlichen Programms des Reha-Kongresses bildete die medizinisch-berufliche Orientierung in der medizinischen Rehabilitation. Verschiedene Forschungsarbeiten zeigten die Akzeptanz und Wirksamkeit von berufsbezogenen Konzepten auf. Ein weiterer Themenschwerpunkt war die Optimierung der Nachhaltigkeit durch die Reha-Nachsorge. Dabei ging es unter anderem um Nachsorge-Konzepte, die das Internet für den weiterführenden Kontakt mit den Rehabilitanden nutzen. Eine Untersuchung belegt den Erfolg der Intensivierten Reha-Nachsorge (IRENA). Demnach bewerteten die Rehabilitanden zwei Jahre nach IRENA deren Erfolg sehr positiv. Beispielsweise gaben rund 80% der 142 Befragten an, ihren Lebensstil dauerhaft verändert zu haben.

Das Kolloquium wurde vom Bereich 0420 Reha-Wissenschaften in enger Zusammenarbeit mit der Deutschen Rentenversicherung Rheinland-Pfalz organisiert. Zahlreiche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter unterstützten kompetent und engagiert die Durchführung der Tagung. Dazu gehörten u. a. die Abwicklung der Anmeldung, die Betreuung der Referentinnen und Referenten sowie die Unterstützung bei den Präsentationen in den Vortragssälen.

[Aus: Information der Herausgeberin]


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Mehr zum Thema:


Einzelne Beiträge des 22. Rehabilitationswissenschaftlichen Kolloquiums




Dokumentart:


Sammelwerk / Tagungsdokumentation / Forschungsergebnis / Online-Publikation




Bezugsmöglichkeit:


Deutsche Rentenversicherung Bund (DRV Bund)
Bereich Reha-Forschung > Reha-Kolloquium
Homepage: https://www.deutsche-rentenversicherung.de/DRV/DE/Experten/R...

Um Literatur zu beziehen, wenden Sie sich bitte an Bibliotheken, die Herausgeber, den Verlag oder an den Buch- und Zeitschriftenhandel.



Referenznummer:

R/NV3573


Informationsstand: 29.05.2013