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Lexikon zur beruflichen Teilhabe

Erläuterungen und Definitionen zu mehr als 450 Begriffen. Von A wie Ausgleichsabgabe bis Z wie Zuschüsse.

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Angaben zum Forschungsprojekt

Telearbeit für behinderte Menschen

Hintergrund:

In Europa gibt es derzeit etwa 100 Millionen ältere und 50 Millionen schwerbehinderte Menschen. Nach neueren Statistiken sind allein in Deutschland 6,4 Millionen Menschen schwerbehindert, Tendenz steigend. Moderne Telekommunikationstechniken können an ihre unterschiedlichen Bedürfnisse angepaßt werden. Schwerbehinderten und älteren Menschen ermöglichen sie deshalb, ein selbstbestimmtes Leben zu führen und gleichberechtigt am gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Leben teilzunehmen. Die Technik mindert so die negativen Folgen eingeschränkter räumlicher Beweglichkeit von Schwerbehinderten, die sich besonders nachteilig auf ihre berufliche Integration auswirkt.

Ziel und Vorgehen:

Ziel des Projektes TEDIS (Teleworking for disabled people) ist daher die Entwicklung eines beispielhaften Telearbeitsplatzes für schwerbehinderte Endbenutzer mit Spezialanforderungen. Er soll industriell einfach und kostengünstig nachgebaut werden können und einer großen Gruppe schwerbehinderter Menschen zugute kommen. In einem ersten Feldversuch setzt man derzeit die im Internet angebotene Telekooperationsumgebung BSCW (BASIC Support for Cooperative Work) zur Ausgestaltung der Telearbeitsplätze von zwei schwerst körperbehinderten Telearbeitern ein. BSCW wurde von der GMD entwickelt und ist über Internet-Leseprogramme (Browser) wie Netscape frei erhältlich.

Technischer Fortschritt bedeutet nicht zwingend eine Erweiterung der Anwendungspotentiale von Informationstechnik. In der Regel bleiben die speziellen Anforderungen schwerbehinderter Endnutzer beim Entwurf und bei der Systementwicklung unberücksichtigt. Informationstechnische Produkte sind daher oft wegen kleiner, aber für die Schwerbehinderten wesentlicher Mängel nicht einsetzbar. Deshalb verwendet man beim Implementieren des TEDIS Telearbeitsplatzes Verfahren des partizipativen Systementwurfs. Dies betrifft zunächst technische Aspekte. Durch gezielte Befragungen zur Brauchbarkeit (usability) des Telearbeitsplatzes werden behindertengerechte Anpassungen der WWW-basierten Telekooperationsumgebung BSCW vorgenommen. Ziel der Forschungs- und Entwicklungsarbeiten ist die Implementation einer generischen Mensch-Maschine Schnittstelle für den Internet-Zugang, die man universell an die unterschiedlichsten Beeinträchtigungen schwerbehinderter und älterer Menschen anpassen kann. Das Ansteuern eines Leseprogramms mit der Maus bereitet beispielsweise vielen motorisch beeinträchtigten oder sehbehinderten Computernutzern Schwierigkeiten. Daher arbeitet man im Projekt derzeit daran, Leseprogramme über die Tastatur allein bedienbar zu machen.

Im Projekt untersucht man auch mögliche unerwünschte Auswirkungen der häuslichen Telearbeit für Schwerbehinderte. So z. B., ob sie sozial isoliert werden. In diesem Zusammenhang werden Informationen über das soziale Umfeld, Selbsteinschätzungen und Einstellungen gegenüber häuslicher Telearbeit erhoben und ausgewertet. Die zwei am Projekt TEDIS mitwirkenden Telearbeiter bevorzugen beispielsweise eindeutig die Telearbeit gegenüber einem Arbeitsplatz außer Haus. Zu Hause können sie ihre Arbeitszeit in einer gewohnten Umgebung frei einteilen. Die sozialen Aspekte eines externen Arbeitsplatzes, wie informeller Kontakt zu Kollegen und Kolleginnen, treten bei ihnen in den Hintergrund. Besonders wichtig ist den beiden, Tätigkeiten ausführen zu können, die ihren Fähigkeiten entsprechen. In diesem Zusammenhang wird untersucht, ob sich zusätzliche Kommunikationskanäle, wie Videokonferenzen, positiv auf die Qualität der Arbeit und die Arbeitszufriedenheit der behinderten Telearbeiter auswirken.

Hinweis: Die Informationen zu diesem Projekt sind archiviert und werden nicht mehr aktualisiert.



Beginn:

01.04.1995


Abschluss:

31.03.1997


Art:

Gefördertes Projekt


Kostenträger:


Bundesministerium für Bildung, Wissenschaft, Forschung und Technologie



Weitere Informationen


Abstract

TEDIS - Teleworking for Disabled People

Teleworking for disabled people (TEDIS)

At present, there are about 100 million elderly and 50 million handicapped people living in Europe. Recent official surveys reveal 6,4 million severely handicapped people alone in Germany. This tendency is increasing. Modern telecomunication technologies offer many possibilities for special needs adjustment. Thus severly handicapped as well as elderly people can be enabled to live a self-determined life and take part in social and economic affairs. For example, telecommunication technology can compensate for an often prevailling lack of physical mobility, which is detrimental to the vocational integration of handicapped people.
Therefore, the main objective of the project is to develop a prototypical teleworkstation for end-users with special needs such as people with severe disabilities, which should be easily and inexpensively reproducible by industry and be of use for a large group of handicapped people.
As part of a field-trial, the internet-based telecooperation environment BSCW (Basic Support for Cooperative Work) was installed to manage the teleworking process for two severly physically disabled teleworkers. BSCW is developed by GMD and available free of charge by internet browsers such as Netscape (http://bscw.gmd.de/).

Telework for severely handicapped people
Unfortunately technological progress does not necessarily imply enhancement of applicability of information technology. In general, special needs of severely handicapped end-users are not equally taken into consideration by system designers. Therefore, products are often inaccessable due to small - but with regard to certain disabilities - crucial shortcomings. In order to ensure the suitability of the teleworkstation developed within the TEDIS-project, principles of participate systems design are applied. This refers to technical aspects als well as issues of usability. For instance, the internet-based telecooperation environment BSCW is adjusted based upon data gained by structured usability-interviews.
The general goal of the project is to implement a generic human computer interface for accessing Internet, which can be adapted to a variety of different needs of severely handicapped as well as elderly people. At present, complete accessibility of an Internet browser by keyboard is under development, since operating a mouse causes many problems for physically-disabled, blind or visually impaired end-users.
The project lays further stress upon investigating the social significance of homebased telework. It is to explore, for instance, whether social isolation might result from it.
In this context, information about the social environment of the two teleworkers, their self-awareness, their expectations towards vocational life as well as their attitude towards telework was gathered and evaluated. So far, both teleworkers clearly prefer working at home mainly because this offers the possibility of individually determinable working hours and a relaxed working atmosphere. Social aspects of working out-of-home like making informal contacts to colleagues are less important to them. They rather lay stress upon a challenging type of work according to their abilities. In this latter context, the impact of providing additional communication channels (e.g. videoconferencing) on job enrichment and job satisfaction of the two disabled teleworkers will especially be investigated.


Referenznummer:

R/FO1150


Informationsstand: 29.11.2019