Lexikon zur beruflichen Teilhabe

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Angaben zum Forschungsprojekt

Psychische Erkrankungen alleinstehender Wohnungsloser (Nichtsesshafter)

Problemhintergrund:

Die vorliegende alte Literatur aus Deutschland und neuere Untersuchungen, besonders aus dem anglo-amerikanischen Ausland, zeigen eine sehr hohe Prävalenz psychischer Erkrankungen bei alleinstehenden Wohnungslosen (Nichtseßhaften). Besonders Suchterkrankungen und endogene Psychosen wurden bei wenigen bestehenden Untersuchungen bei Nichtseßhaften häufig gefunden.

Methodisches Vorgehen:

Die Untersuchung besteht aus zwei Teilen: Prävalenzstudie A und longitudinale Interventionsstudie B. Die Prävalenzstudie A stellt eine psychiatrisch - epidemiologische Feldstudie dar, bei der mittels eines strukturierten Interviews eine für die Stadt München repräsentative Stichprobe von alleinstehenden Wohnungslosen (Nichtseßhaften) untersucht wurde. Die Fallidentifikation erfolgte unter Verwendung eines strukturierten psychiatrisch-diagnostischen Interviews, welches eine diagnostische Klassifikation nach DSM-IV erlaubt. Untersuchungen mit dieser, dem Forschungsstand entsprechenden psychiatrischen Fallidentifikation mittels standardisierter Interviews für Ärzte oder klinische Psychologen wurden bis dato in Deutschland bei Nichtseßhaften nicht durchgeführt. Erfahrungen und Ergebnisse aus einem von uns durchgeführten Pilotprojekt zu dem Thema gingen in die Planung ein.
Die Prävalenzstudie A wurde in zwei Stufen durchgeführt. In einer ersten Stufe zur Stichprobenfestlegung (Sampling-Vorstufe) erfolgt eine approximative Erfassung der Grundgesamtheit in verschiedenen Bereichen ('Bettensektor', 'Mahlzeitensektor', 'Autarken-Sektor'). Dabei wurden insgesamt 360 Personen (180 im Sommer und 180 im Winter) befragt.
In der zweiten Stufe der Prävalenzstudie (Interview-Studie) wurde eine festgelegte Stichprobe von 300 Nichtseßhaften mittels eines strukturierten Interviews persönlich untersucht.
In der Interventions- und Verlaufsstudie B wurden 80 Nichtseßhafte, bei denen eine Vermittlung einer langfristigen Wohnmöglichkeit erfolgte, beim Einzug erstmals kontaktiert und danach in regelmäßigen Abständen über einen Zeitraum von einem Jahr untersucht. Damit können Probleme, Lücken und bisher nicht beachtete Bedürfnisse der Betroffenen in der bestehenden Versorgung bei vermittelten alleinstehenden Wohnungslosen identifiziert werden und bei künftigen Planungen Berücksichtigung finden. Die Studie erfolgte in enger Abstimmung mit der Stadt München und den bestehenden Einrichtungen der Nichtseßhaftenhilfe.

Anwendungsbezug:

Aus den Ergebnissen des Projektes über die aktuelle Verbreitung psychischer Erkrankungen bei Nichtseßhaften, in der Spezifikation der Diagnosen und der detaillierten Erfassung des Verlaufs ergaben sich Folgerungen für eine sinnvolle medizinische Versorgung dieser Randgruppen.



Beginn:

01.01.1994


Abschluss:

31.12.2005


Art:

Gefördertes Projekt / Studie


Kostenträger:


Bundesministerium für Bildung, Wissenschaft, Forschung und Technologie



Weitere Informationen


Abstract

Mental Illness in Homeless People

A large representative sample of homeless men and women in Munich, Germany, was assessed in regard to mental illness using the SCID-I for DSM-IV. Another sample of homeless men and women, who were put into permanent housing were assessed longitudinally for one year after the movement to their new home.


Referenznummer:

R/FO1193


Informationsstand: 07.01.2005