Lexikon zur beruflichen Teilhabe

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Angaben zum Forschungsprojekt

Implementierung von bio-psycho-sozialen Gesundheitsmanagementkonzepten in Betrieben zur Förderung der Gesundheit und Teilhabe am Arbeitsleben

Das Projekt zielt darauf ab, das im Forschungsschwerpunkt zur "Entwicklung von Modellen und Standards integrativer Versorgung im Bereich der Rehabilitation von Patienten mit motorischen Störungen" (Laufzeit 10/2002 - 06/2008) entwickelte Konzept bio-psycho-sozial ausgerichteter Primär- und Tertiärprävention vom Arbeitsfeld innerbetrieblicher Rehabilitation und Gesundheitsförderung in einem industriellen Großkonzern auf zwei ausgewählte mittelständische Betriebe zu transferieren. Das Projekt intendiert im Besonderen folgende Aspekte:

- Entwicklung von Vorschlägen zur Installation eines betrieblichen Gesundheitsmanagements, inkl. rehabilitativer Verfahren für kleine und mittelständische Unternehmen.
- Erprobung und Anwendung von Gesundheitsassessments zur Identifizierung von bio-psycho-sozialen Problemfeldern mit anschließender Profilerstellung.
- Aufbau eines bio-psycho-sozialen Versorgungsnetzwerkes für Betriebe im Raum Weser-Ems.

Die Arbeitsziele in den Querschnittszielen beziehen sich auf die Bewältigung des demografischen Wandels durch Maßnahmen der betrieblichen Gesundheitsförderung. Durch die Installation eines effektiven und vor allem vernetzten Gesundheitsmanagements mit Gesundheitsförderungsmaßnahmen, die auch außerhalb des Betriebes angesiedelt sind, soll neben der Vermeidung von längeren Arbeitsunfähigkeitszeiten auch ein Weg beschritten werden, der von einer Defizitorientierung hin zu einer Ressourcenorientierung führt. Dieses bedeutet für den Arbeitnehmer, sich nicht mehr darauf zu konzentrieren, was er nicht kann, sondern sich auf das zu stützen, was er leisten kann. Eine bio-psycho-soziale Sichtweise von Gesundheit und die Steigerung der Selbstmanagementfähigkeiten sollen dabei Förderungsfaktoren sein.

Auf der anderen Seite steht für den Arbeitgeber damit eine Sichtweise im Vordergrund, die die Arbeitsplatzgestaltung und -planung auf die Leistungsfähigkeit eines Arbeitnehmers ausrichten sollte, um eine dauerhafte Beschäftigung des Mitarbeiters bis ins hohe Alter zu ermöglichen. Dabei sollen nicht nur ergonomische und bio-medizinische Faktoren im Vordergrund stehen, sondern auch hier soll die bio-psycho-soziale Sichtweise von Gesundheit eine Balance von Anforderungen und Ressourcen und damit altersgerechte Lösungsmöglichkeiten für den Arbeitgeber und -nehmer bieten. Im Implementierungsprozess sind folgende Bausteine vorgesehen:

a) Gesundheitsbezogene Analyse der Betriebe bezüglich der Nachhaltigkeit bisheriger Maßnahmen der betrieblichen Gesundheitsförderung im Rahmen von Gesundheitszirkeln (Workshops). Durchführung von Workshops zur Ermittlung von Belastungsfaktoren, Kommunikationsstrukturen, Prozessen und Ressourcen in ausgewählten Bereichen der Unternehmen AG Ems, Borkumer Kleinbahn und Frisia Möbelteile Leer.

b) Baustein spezifischer, individueller Gesundheitsprofile:
Durchführung von bio-psycho-sozialen Gesundheitsassessments zur Erstellung spezifischer, individueller Gesundheitsprofile (Belastungsfaktoren und protektive Gesundheitsressourcen) von chronisch erkrankten Mitarbeiter/innen (d. h. Menschen, die mehr als 6 Wochen im Jahr erkranken vgl. §84 SGB IX). Die Ergebnisse der Bedarfsermittlung (a), Analyse der Betriebe (a) und des Bausteins Gesundheitsprofile (b) werden in eine mit den Betrieben und Mitarbeitern abgestimmte Maßnahmenempfehlung überführt. Aus beiden Maßnahmen werden dann Vorschläge sowohl für die Installation eines betrieblichen Gesundheitsmanagement (inkl. Eingliederungsverfahren und präventiver wie gesundheitsförderlicher Maßnahmen) als auch für die individuelle Tertiärprävention der bereits erkrankten Mitarbeiter entwickelt.

c) Baustein Netzwerkbildung: Initiierung eines bio-psycho-sozialen Versorgungsnetzwerkes
Es wird ein bio-psycho-soziales Versorgungsnetzwerk zur betrieblichen Gesundheitsförderung initiiert. Krankenkassen, Rentenversicherungsträger, Berufsgenossenschaften und mögliche Behandler/innen (u. a.: Ärzte, Psychotherapeuten/innen; Selbsthilfegruppen; niedergelassene Therapeuten/innen; Fitnessstudios; Sportvereine mit Rehabilitations- und Präventionssportangeboten, Träger zur Erwachsenenbildung) werden für die Bildung eines Netzwerkes empfohlen. Mit den drei anderen Betrieben aus dem Transferprojekt werden regelmäßige Kooperationstreffen stattfinden, wo ein Austausch über die Erfahrungen mit dem Gesundheitsmanagement stattfinden kann.

d) Baustein Begleitevaluation
Die Verhaltenspräventiven Maßnahmen werden anhand von objektiven Faktoren wie Arbeitsunfähigkeitstagen sowie Veränderung des Beschwerdebildes überprüft. Ergänzend werden subjektive Parameter wie Veränderung der Arbeitszufriedenheit, der gesundheitsbezogenen bio-psycho-sozialen Lebensqualität sowie der Einschätzung der subjektiven Belastbarkeit untersucht (u. a. SF 36, Fragebogen zum Gesundheitszustand (Bullinger et al. 1998); FERUS, Fragebogen zur Erfassung von Ressourcen und Selbstmanagementfähigkeiten (Jack 1996). Die Ergebnisse der Begleitevaluation beziehen sich auf die Struktur-, Prozess- und Ergebnisqualität und werden den Betrieben vorgestellt. Überlegungen wie eine Verstetigung erfolgen kann, werden festgehalten.



Beginn:

01.12.2009


Abschluss:

31.03.2012


Art:

Gefördertes Projekt / Wissenschaftliche Arbeit


Kostenträger:


Europäischer Fond für regionale Entwicklung (EFRE)

Investitions- und Förderbank Niedersachen - NBank



Weitere Informationen


Referenznummer:

R/FO125411


Informationsstand: 21.03.2018