Lexikon zur beruflichen Teilhabe

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Angaben zum Forschungsprojekt

Interdisziplinäre Reha: Modell zur Integration berufsspezifischer Präventionsmaßnahmen im Rahmen der medizinischen Rehabilitation

Ziel ist die Integration arbeitsplatzspezifischer Präventionsmaßnahmen in den Rahmen stationärer Maßnahmen zur medizinischen Rehabilitation bei Landwirt/innen mit chronischer Atemwegserkrankung.

Methodik: Von Januar 2008 bis März 2009 wurde allen landwirtschaftlichen Patient/innen mit arbeitsplatzbezogener Atemwegssymptomatik der Reha-Klinik Limberger, Bad Dürrheim, ein Seminar zur Arbeitsplatz-spezifischen Rehabilitation durch den Präventionsdienst der landwirtschaftlichen Berufsgenossenschaft angeboten ("interdisziplinäre Reha"). Dabei handelt es sich um eine Unterrichtseinheit, welche im Rahmen eines präventionsmedizinischen Umsetzungsprojektes mit Unterstützung der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA, Berlin) sowie dem Spitzenverband der Landwirtschaftlichen Sozialversicherung (SpLSV, Kassel) entwickelt wurde. Die Unterrichtseinheiten bereiten - zielgruppenorientiert für Landwirt/innen - den aktuellen Kenntnisstand zur Allergieprävention in der Landwirtschaft auf. Dabei werden sowohl Grundlagen zum Verständnis der Allergie als auch zu den notwendigen Maßnahmen an landwirtschaftlichen Arbeitsplätzen zur Arbeitshygiene, Bau- und Lüftungstechnik, Arbeitsorganisation und Körperschutz vermittelt.

Bislang ist in der Praxis bei berufsbedingten Atemwegsallergien eine eher unifaktoriell ausgerichtete Präventionsstrategie unter Fokussierung auf technisch-organisatorische Arbeitsschutzmaßnahmen üblich; dies ist sicherlich durch die traditionell technische Ausrichtung der Präventionsstrukturen der Unfallversicherungsträger bedingt. Eine eindimensionale Ausrichtung der Präventionsmaßnahmen im Falle eines BK Verdachtes führt in der Regel zu keiner entscheidenden Verbesserung der Atemwegssituation, wie die Betrachtung individueller Verläufe von Berufskrankheiten eindrücklich widerspiegelt. Durch die Implementierung kostenintensiver (bau)technischer Präventionsmaßnahmen, z. B. durch Stallumbauten, allein kann auch unter modernen Haltungsbedingungen in vielen Fällen keine effektive Expositionsminderung erreicht werden.

Es sind weitere flankierende Maßnahmen wie bedeckende Arbeitskleidung sowie die Schaffung von Schwarz-Weiß-Bereichen zur Minderung der Allergenverschleppung in den häuslichen Bereich notwendig. In der Regel wird erst durch die Einbeziehung von Lebensbereichen außerhalb des eigentlichen Arbeitsbereiches (Wohnbereich, PKW) eine Stabilisierung der Lungengesundheit erreicht: hierbei kommt der Reduzierung von Allergendepots in den Polstern im Wohnbereich eine entscheidende Bedeutung zu.

Auf der Basis einer anonymisierten Auswertung der Patientenakten erfolgte retrospektiv die Evaluation zu Bedarf (Lungenfunktion zu Beginn der Rehabilitation, Stand zum Arbeitsschutz auf dem landwirtschaftlichen Betrieb), Akzeptanz (Teilnahmequote) und Umsetzbarkeit dieses Pilotprojektes in der Klinik Limberger. Seit 2009 ist die Klinik Westfalen in Wyk auf Föhr ebenfalls Anbieter diesbezüglicher Rehabilitationsleistungen.



Bezug des Projekts zur internationalen Klassifikation der Funktionsfähigkeit, Behinderung und Gesundheit (ICF):
Der bio-psycho-soziale Ansatz der ICF bildet einen konzeptionellen Bezugsrahmen für das Projekt.



Beginn:

01.01.2008


Abschluss:

laufend


Art:

Eigenprojekt / Wissenschaftliche Arbeit



Weitere Informationen


Referenznummer:

R/FO125427


Informationsstand: 24.11.2017