Lexikon zur beruflichen Teilhabe

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Angaben zum Forschungsprojekt

Das Konzept der Funktionalen Gesundheit als Instrument zur Prozessgestaltung und zur Weiterentwicklung beruflicher Teilhabe für Menschen mit Behinderung

Ausgangslage:

Gesellschaftliche und politische Entwicklungen machen deutlich, dass sich die Behindertenhilfe an der kompetenten Teilhabe zu orientieren hat. Die WfbM verfolgen das Ziel einer kompetenten Teilhabe und Partizipation von Menschen mit Beeinträchtigungen. Um die eigenen Ziele und die von unterschiedlicher Seite an die Adresse der WfbMs gerichteten Anforderungen zu bewältigen, ist es erforderlich, ein Orientierung-Gebendes Konzept zu entwickeln.

Ziele:

Die Hauptziele des Kooperationsprojektes sind einerseits die qualitative Weiterentwicklung der effektiven beruflichen Teilhabe von Menschen mit Beeinträchtigungen und anderseits die qualitative Weiterentwicklung der professionellen Praxen in den WfbMs. Diese Ziele sollen durch die Bearbeitung von drei Teilzielen erreicht werden. Erstens durch die Erhöhung der Transparenz der Angebote und Leistungen des untersuchten Feldes zugunsten der Leistungsträger und Leistungserbringer und Leistungsnutzer. Zweitens durch eine größere Effizienz der Kommunikation und Kooperation zwischen Leistungsträgern und Leistungserbringern und Leistungsnutzern. Und drittens durch Schaffung eines Wissenspools, der zur Gestaltung und Weiterentwicklung der WfbM genutzt werden kann.

Forschungsansatz und Vorgehen:

Die im Projekt zur Anwendung kommenden Instrumente bauen auf dem Konzept der Funktionalen Gesundheit der Weltgesundheitsorganisation (WHO) auf. Das eingesetzte Prozessgestaltungssystem enthält in der Praxis bereits erfolgreich eingeführte Methoden (vgl. Oberholzer und Klemenz 2009). Das Konzept geht davon aus, dass jede raumbezogene Teilhabemöglichkeit bestimmte Aktivitätenmuster ermöglicht, an denen eine Person idealerweise kompetent teilhaben kann. Kompetente Teilhabe kann dabei auch die Inanspruchnahme von Hilfe zur kompetenten Teilhabe beinhalten.
Ausgangspunkt des Projektes ist die differenzierte Evaluation der bestehenden professionellen Teilhabemöglichkeiten in repräsentativen Werkstätten für Menschen mit Behinderungen. Zunächst werden die bestehenden professionellen Teilhabemöglichkeiten erfasst und bewertet.
Die qualitative Vergleichsanalyse der Angebote bezieht sich auf den Normalisierungsgrad der Einrichtungen. Die raumbezogenen Angebote beziehen sich auf den Normalisierungsgrad der zentralen Aktivitätenmuster und effektiven, subjektbezogenen Teilhabesituationen selber. Zur Bewertung werden einerseits die Ergebnisse aus den raum- und aktivitätsbezogenen Analysen beigezogen. Andererseits werden theorie- und konzeptgestützte Kriterienkataloge entwickelt.
Zudem wird die effektive Teilhabe der Personen mit Beeinträchtigungen an den untersuchten Angeboten evaluiert. Die erhaltenen Daten fließen in eine Vergleichsanalyse ein. Verglichen werden die individuellen Teilhabebedarfe von Mitarbeitenden mit Hilfebedarf und die zu Gunsten der kompetenten Teilhabe an den Arbeitsangeboten eingesetzten professionellen Leistungen und Hilfen.
Ein Kernstück des Projektes ist die Entwicklung, Erprobung und Evaluation einer strukturierten und differenzierten Bedarfsbemessung für die Nutzerinnen und Nutzer in den untersuchten Angeboten in Bezug auf die kompetente Teilhabe und Funktionale Gesundheit. Evaluiert werden der Grund-, und der Veränderungsbedarf und potentielle Entwicklungsmöglichkeiten der Personen mit Beeinträchtigungen.
Im Verlauf des Projektes werden die Anwendung der bestehenden Instrumente evaluiert und neue Instrumente für Bedarfsbemessung entwickelt und ebenfalls evaluiert.
Die gewonnenen Daten und Erkenntnisse werden in ein zu entwickelndes konzeptgestütztes System der individuellen Teilhabeplanung und Bedarfserfassung eingebracht. Teilhabebezogene Prozessgestaltung und subjektbezogene Bedarfserfassung werden nicht voneinander getrennt behandelt. Die Bedarfsbemessung wird vielmehr in das auf die Funktionale Gesundheit gestützte Assessment der professionellen Prozessgestaltung integriert. Aufgrund der gewonnenen Daten zum Hilfebedarf wird ein Punktesystem entwickelt, mit dem die zu definierenden zentralen Aktivitätenmuster und Teilhabesituationen in Bezug auf die notwendigen Ressourcen bewertet werden können. Dieses wird ergänzt durch person- und umweltbezogene Faktoren. Grundlage für die Bedarfsbemessung bildet die qualitative Beschreibung und ressourcenbezogene Bewertung der effektiven und potentiellen Teilhabesituationen. Das System soll so angelegt werden, dass nicht Defizite oder individuelle Probleme erfasst und bewertet werden. Diese werden als Barrieren erfasst und in Bezug auf den Grund- und Veränderungsbedarf bewertet. Integrativer Bestandteil des Systems ist die Entwicklung eines Dokumentationssystems, im dem die effektive personbezogene Teilhabe abgebildet werden kann. Das System soll dem Konzept der Funktionalen Gesundheit entsprechend als agogische Leistung genutzt werden können und den zur Verfügung stehenden Ressourcen in den Organisationen angepasst sein.
Ein Hauptanliegen ist, dass die Kooperationspartner des Projektes von den Forschungsdaten durch das Zur-Verfügung-Stellen eines Wissenspools nutzbar machen können.



Bezug des Projekts zur internationalen Klassifikation der Funktionsfähigkeit, Behinderung und Gesundheit (ICF):
Der bio-psycho-soziale Ansatz der ICF bildet einen konzeptionellen Bezugsrahmen für das Projekt.



Beginn:

01.05.2011


Abschluss:

31.12.2013


Art:

Eigenprojekt / Wissenschaftliche Arbeit / Transnationales Projekt



Weitere Informationen


Referenznummer:

R/FO125473


Informationsstand: 16.11.2015