Lexikon zur beruflichen Teilhabe

Erläuterungen und Definitionen zu mehr als 450 Begriffen. Von A wie Ausgleichsabgabe bis Z wie Zuschüsse.

in Projekten blättern

Angaben zum Forschungsprojekt

Förderung der Inklusion von Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen mit erworbenen Hirnschäden in Schule, Beruf und sozialem Leben

Ziele des Projektes:

- Gesundheits-, Bildungs- und Ausbildungsförderung zur Verbesserung der Teilhabe Betroffener
- Ermittlung der Heilungs- und Integrationsverläufe zur Optimierung der Teilhabeprozesse
- Therapeutische und administrative Unterstützung Betroffener zur Stärkung schulischer Bildung und Erhöhung der Ausbildungs- und Integrationschancen
- Präzisere Einschätzungen von Prognosen im Hinblick auf Perspektiven von Ausbildung und Beruf

Bei Kindern und Jugendlichen stehen die ärztlich-diagnostische Erfassung und Bewertung der Entwicklungs- und Rehabilitationsverläufe im Vordergrund des Projektes. Dies ist Grundlage für individualisierte Förder- und Therapiegestaltung, um schulisch-soziale Integration und Berufsorientierung zu stärken. Bei jungen Erwachsenen wird in Zusammenarbeit mit Berufsbildungs- und Berufsförderungswerken die Entwicklung beruflicher Perspektiven ermittelt und gefördert. Hierzu gehört auch die Option innerbetrieblicher Qualifizierung und Eingliederung.

Die Erfassung der Krankheits-, Erholungs- und Integrationsverläufe ist in der Phase der Nachsorge aus Zeit- und Kostengründen überregional nicht realisierbar. Das Projekt fokussiert sich zunächst auf die prospektive Erfassung der Versorgungssituation und der individuellen Prognose Betroffener in einem Ballungsraum. Unterstützend wirken sich dabei die engen Verbindungen zum bundesweit aktiven Selbsthilfeverband "Bundesverband Schädel-Hirnpatienten in Not" aus. Durch die Ermittlung des Grades der Leistungsbeeinträchtigungen einschließlich psycho-sozialer Folgen und der Schwachstellen im Behandlungs- und Teilhabeprozess können Chancen der Integration und Inklusion verlässlicher eingeschätzt und individuelle Lösungswege gefunden werden.

Erkenntnisse aus dem bisherigen Projektverlauf:

Schwere Hirnverletzungen sind gravierende Lebenseinschnitte. Sie können zu Entwicklungsbeeinträchtigungen und Störungen von Aufmerksamkeit, Gedächtnis, Lernen und Sprache führen. Hierdurch wird die gesellschaftliche Teilhabe oft massiv eingeschränkt. Langjährige Behandlungen und Hilfsmaßnahmen sind die Regel. Nach den bei über 50 Betroffenen gewonnenen Ergebnissen stehen dem Teilhabe- und Inklusionsprozess noch folgende Hemmnisse im Wege:
- Generelle Vorurteile und Diskriminierungen von Menschen mit Behinderung
- Mangelnde gesellschaftliche Anerkennung der Betroffenen
- Unzureichende Sensibilisierung für Sorgen und Nöte Betroffener und ihrer Familien
- Innerhalb der Gesellschaft kaum vorhandene Wahrnehmung des dramatischen Lebenseinschnitts und veränderter Lebensumstände infolge der Hirnschädigung
- Nach Abschluss der stationären Rehabilitation mangelt es an Hilfs- und Förderangeboten für Betroffene und ihre Familien
- Schwer abgrenzbare Zuständigkeiten beteiligter Strukturen des Gesundheits- und Sozialwesens, mangelnde Koordination
- Die vollen gesundheitlichen Entwicklungspotentiale Betroffener sind wegen begrenzter Ressourcen meist nur unzureichend zu erschließen.

Die im Rahmen des Projektes erfolgte Optimierung und Intensivierung der Therapie- und Hilfsangebote fördert nach Abschluss der stationären Behandlung Teilhabeprozesse in der Phase der ambulanten Rehabilitation und Nachsorge. Sie zielt auch auf den Abbau von Hemmnissen, die gesundheitliche Verschlechterungen und soziales Scheitern verursachen können. Ein langfristiges Angebot der Leistungen ist notwendig, weil sich der Behandlungs- und Heilungsverlauf aufgrund verletzungsbedingter Störungen kognitiver, motorischer und sozialer Kompetenzen über viele Jahre erstreckt.

Nach den bislang erzielten Ergebnissen des Projektes wird der Teilhabeprozess in den unterschiedlichen Lebensbereichen durch oft lebenslange finanzielle Einbußen Betroffener, die durch soziale Sicherungssysteme nicht oder nur begrenzt ausgeglichen werden, zusätzlich erschwert. Da Kinder und Jugendliche vor Abschluss ihrer Ausbildung keinen Anspruch auf gesetzliche Rentenversicherungsleistungen haben, besteht nur durch private Vorsorge eine Möglichkeit, Versorgungslücken abzusichern.

Weiterentwicklung von Beratung und Therapiegestaltung:

Die bisher erzielten Ergebnisse ermöglichen den weiteren Aufbau eines spezifischen Unterstützungsangebotes in der Nachsorge. Aufgrund der aufgezeigten Hemmnisse von Teilhabeprozessen sind individuell ausgerichtete Förder- und Therapiekonzepte nur schrittweise umsetzbar.

Die Verbesserung des Genesungs- und Teilhabeprozesses im schulischen Bildungsverlauf ist wesentliche Voraussetzung für die Ermöglichung von innerbetrieblicher Ausbildung oder des Eintritts in ein Berufsbildungswerk. Spezielle Qualifizierungsmaßnahmen und therapeutische Angebote der Berufsbildungswerke scheinen besonders geeignet, Auszubildenden mit Behinderung und niedriger schulischer Vorbildung trotz schwieriger Startbedingungen einen erfolgreichen Ausbildungsabschluss mit möglichst früher Integration in das Erwerbsleben zu ermöglichen.

Durch Fortentwicklung projektbezogener Leistungen der Unterstützung, Beratung und Therapiegestaltung wird angestrebt, dass eine im Vergleich mit dem Ist-Zustand höhere Zahl von Jugendlichen trotz schwerwiegender Behinderungsfolgen Ausbildungsfähigkeit und Ausbildungsabschluss erreichen kann. Hierdurch ist zu versuchen, den hohen Anteil Betroffener, bei denen Erwerbsunfähigkeit auf Dauer vorliegt, abzusenken.

Zur Verbesserung der Teilhabeförderung ist eine erweiterte Netzwerkbildung erforderlich, um Maßnahmen zur Erzielung von Genesung und Teilhabe auf Grundlage der Heilungs- und Integrationsverläufe zu optimieren. Durch Netzwerkbildung können Ressourcen optimal genutzt und individuelle Entwicklungspotentiale besser erschlossen werden. Damit soll eine nachhaltige Verbesserung der Rahmenbedingungen für die schulisch-berufliche Integration und zum Abbau von individuellen Benachteiligungen erreicht werden. Hiermit verbunden ist der Aufbau von Förderketten, die die Aktivitäten unterschiedlicher Unterstützer koordinieren und eine Zentralisierung des Beratungs- und Fördersystems ermöglichen.



Bezug des Projekts zur internationalen Klassifikation der Funktionsfähigkeit, Behinderung und Gesundheit (ICF):
Der bio-psycho-soziale Ansatz der ICF bildet einen konzeptionellen Bezugsrahmen für das Projekt.



Beginn:

01.01.2004


Abschluss:

01.08.2024


Art:

Eigenprojekt / Gefördertes Projekt / Wissenschaftliche Arbeit


Kostenträger:


Bundesagentur für Arbeit
Hans-Rosenthal-Stiftung
Jörg-Bernards-Stiftung
Kurt-Graulich-Stiftung
Universität zu Köln sowie Verein der Freunde und Förderer der Neurochirurgischen Universitätsklinik Köln
ZNS - Hannelore Kohl Stiftung für Unfallverletzte mit Schäden des Zentralen Nervensystems



Weitere Informationen


Referenznummer:

R/FO125580


Informationsstand: 02.12.2019