Lexikon zur beruflichen Teilhabe

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Angaben zum Forschungsprojekt

Basiskonzept für die Bedarfsermittlung in der beruflichen Rehabilitation (b3)

Die gleichberechtigte und selbstbestimmte Teilhabe am Leben in der Gesellschaft von Menschen mit Behinderung ist - verbunden mit dem Paradigma der Inklusion - eine wichtige gesamtgesellschaftliche Zielsetzung. Mit dem SGB IX und der UN-Behindertenrechtskonvention (UN-BRK) ist das Ziel der Ermöglichung, Förderung und Sicherstellung umfassender Teilhabe von Menschen mit Behinderung in allen Lebensbereichen vorgegeben. Als Mittel zur Zielerreichung sind "umfassende Habilitations- und Rehabilitationsdienste und -programme" (Art. 26 Abs. 1 UN-BRK) bedeutsam, welche in Deutschland insbesondere in Form der Leistungen zur Teilhabe (§ 4 SGB IX) für Menschen mit Behinderung ihre sozialrechtliche Konkretisierung finden.

Ausgehend vom Menschen mit seinen bestehenden oder drohenden Teilhabebeeinträchtigungen ist jeweils individuell zu betrachten, welche Leistungen in welcher Form und Ausgestaltung für die Teilhabe am Leben in der Gesellschaft, sowie insbesondere der Teilhabe am Arbeitsleben, erforderlich und zielführend sind. Hierfür ist der jeweilige Teilhabebedarf des Menschen mit Behinderung zu ermitteln und festzustellen sowie Entscheidungen über passende Teilhabeleistungen und/oder deren Ausgestaltung zur Deckung dieser Bedarfe zu treffen.

Die Prozesse der Bedarfsermittlung sind maßgeblich für die individuellen Teilhabechancen von Menschen mit Behinderungen. Diese benötigen im gegliederten System einheitliche und übergreifend angewandte Grundlagen. Bereits mit der Gemeinsamen Empfehlung "Reha-Prozess" (2014) wurden dabei auf Ebene der BAR trägerübergreifend wichtige Weichen gestellt. Wesentliche Weiterentwicklungspotenziale im Bereich der Bedarfsermittlung von Leistungen zur Teilhabe am Arbeitsleben hat die Machbarkeitsstudie "Prüfung von aktuellem Stand und Potential der Bedarfsermittlung von Leistungen zur Teilhabe am Arbeitsleben unter Berücksichtigung der ICF" (2012/2013) aufgezeigt.

Auf Basis dieser Ergebnisse entwickelt die BAR in Kooperation mit der Hochschule Magdeburg-Stendal und der Bundesarbeitsgemeinschaft der Berufsbildungswerke (BAG BBW) in den nächsten drei Jahren leistungsträger- und -erbringer- übergreifende Grundlagen zur Bedarfsermittlung unter Nutzung des der ICF zu Grunde liegenden bio-psycho-sozialen Modells der Weltgesundheitsorganisation (WHO). Dies geschieht in Form eines Basiskonzeptes für die Bedarfsermittlung in der beruflichen Rehabilitation, gemeinsam mit Vertreter/-innen von Leistungsträgern und Leistungserbringern sowie Verbänden von Menschen mit Behinderung und weiteren Akteuren.

Das Basiskonzept soll der Vielzahl der im Rahmen der Bedarfsermittlung eingesetzten Instrumente und Verfahren eine gemeinsame Grundlage und für die Akteure der Bedarfsermittlung einen - bislang fehlenden - übergreifenden Bezugsrahmen geben. Damit sollen Bezugspunkte für praktisches Handeln formuliert, gemeinsame Anforderungen an die Bedarfsermittlung der Akteure beschrieben und praktische Unterstützung für die Durchführung von Bedarfsermittlungsprozessen geboten werden.

Wesentliche Eckpunkte des Konzeptes stellen dar:

- die Definition und Abstimmung von Grundsätzen für die Bedarfsermittlung.
- die Entwicklung von Grundlagen für Bedarfsermittlungsprozesse unter Nutzung des bio-psycho-sozialen Modells.
- die Analyse und Strukturierung zur Bedarfsermittlung eingesetzter Instrumente und Verfahren in einer Toolbox.

Eingeschlossen werden dabei sowohl Fragen der Bedarfsermittlung und -feststellung bei Leistungsträgern als auch die Prozesse bei Leistungserbringern zur Bedarfsermittlung im Rahmen der Durchführung von Leistungen zur Teilhabe am Arbeitsleben. Das gemeinsame Basiskonzept, welches den Menschen mit seinen Bedarfslagen in den Mittelpunkt aller Aktivitäten der Bedarfsermittlung stellt, soll insbesondere

- eine effizientere Nutzung der Vielzahl an Instrumenten und Verfahren,
- eine bessere Anschlussfähigkeit von Ergebnissen von Bedarfsermittlungsprozessen,
- erleichterte Bedarfsermittlungs- und Kommunikationsprozesse für die Akteure sowie
- eine Verbesserung der Möglichkeiten der Partizipation von Leistungsberechtigten ermöglichen.

Das neue Konzept soll sich insbesondere an der UN-Behindertenrechtskonvention (UN-BRK), dem Wunsch- und Wahlrecht (§ 9 SGB IX) sowie den individuellen Kompetenzen und den Teilhabezielen des Menschen mit Behinderung orientieren. Neben positiven Effekten für Menschen mit Behinderung, z. B. Transparenz des Verfahrens und Passgenauigkeit der Hilfen, soll es zugleich einen Beitrag zur Effektivität und Effizienz bei Leistungen zur Teilhabe am Arbeitsleben leisten.

Angesichts der Verschiedenheit der Verfahren und Instrumente zur Bedarfsermittlung sowie der Differenziertheit der Leistungen zur Teilhabe am Arbeitsleben, wird das Projekt auf eine breite Basis gestellt. Neben dem Projektteam sind der systematische Einbezug von Experten und ein Projektbeirat wichtige Arbeitsinstrumente, um für die Praxis nutzbare Ergebnisse zu erzielen.



Bezug des Projekts zur internationalen Klassifikation der Funktionsfähigkeit, Behinderung und Gesundheit (ICF):
Der bio-psycho-soziale Ansatz der ICF bildet einen konzeptionellen Bezugsrahmen für das Projekt.



Beginn:

01.06.2015


Abschluss:

31.05.2018


Art:

Eigenprojekt / Gefördertes Projekt / Wissenschaftliche Arbeit


Kostenträger:


Bundesministerium für Arbeit und Soziales (BMAS)
Deutsches Zentrum für Luft- und Raumfahrt e. V. - DLR Projektträger des BMAS



Weitere Informationen


Referenznummer:

R/FO125672


Informationsstand: 28.12.2018