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Lexikon zur beruflichen Teilhabe

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Angaben zum Forschungsprojekt

Gesundheitsfokussierte Führung: Die Rolle der Führungskraft beim Erhalt physischer und psychischer Gesundheit

Die Gesundheit von Beschäftigten ist für Unternehmen ein bedeutendes Thema. In den letzten Jahren sind sowohl die Krankheitstage als auch die Zahl der Frühberentungen, insbesondere aufgrund psychischer Erkrankungen, stark angestiegen. In diesem Forschungsprojekt untersuchen wir die Rolle der Führungskraft beim Erhalt und der Förderung der Gesundheit ihrer Mitarbeitenden. Basierend auf der aktuellen Literatur entwickelten wir das Konstrukt der gesundheitsfokussierten Führung, welches aus den beiden Dimensionen Prävention und Intervention besteht. Darauf aufbauend entwickelten wir eine Skala zur Messung dieses Konstrukts, das wir in verschiedenen Unternehmen testeten.

Ausgangssituation
Entgegen dem globalen Trend einer kontinuierlich steigenden Lebenserwartung, scheidet ein großer Teil der Arbeitnehmer aufgrund langfristiger Erkrankungen vorzeitig aus dem Erwerbsleben aus. Diese Entwicklung ist sowohl aus sozialer wie auch ökonomischer Sicht bedenklich und betrifft fast alle OECD Länder. Über die negativen Konsequenzen auf der individuellen Ebene hinaus beeinflusst die Gesundheit der Mitarbeitenden direkt die Produktivität und Leistung eines Unternehmens. Verlorene Arbeitstage aufgrund von Krankheit (Absentismus) bilden hierbei nur die Spitze des Eisbergs: Weitaus höhere Kosten ergeben sich durch indirekte Einbussen, wie z. B. eine verringerte Arbeitsqualität, erhöhte Fehler und mehr Unfälle durch Mitarbeitende, die trotz Krankheit zur Arbeit kommen (Präsentismus). Bei vielen Unternehmen steht hierbei zunehmend die psychische Gesundheit im Vordergrund. Nach aktuellen Schätzungen der OECD kosten psychische Gesundheitsprobleme die Schweiz jährlich CHF 19 Milliarden. Betriebliche Gesundheitsförderung gewinnt daher zunehmend an Bedeutung.

Fragestellung und Ziele
Im Mittelpunkt dieses Projektes steht die Rolle der Führungskraft bei der Vermeidung (Prävention) und schnellen Überwindung (Intervention) arbeitsbezogener Erkrankungen. Bisherige Forschungen haben gezeigt, dass allgemeines Führungsverhalten mit verschiedenen gesundheitsbezogenen Ergebnisvariablen in Zusammenhang steht. Eine offene Frage ist jedoch, inwiefern Führungskräfte die Gesundheit ihrer Mitarbeitenden auf direktere Weise beeinflussen können und wie sie hierzu ihr Führungsverhalten anpassen müssen. Trotz des vielversprechenden Potenzials eines solchen gesundheitsfokussierten Führungsstils ist theoretische und empirische Forschung hierzu kaum vorhanden. Unsere Studie zielt auf diese Forschungslücke ab und will Führungskräften konkrete Empfehlungen an die Hand geben, wie gesundheitsfokussiertes Führungsverhalten im Unternehmensalltag ausgestaltet werden kann.

Studiendesign
Basierend auf einem theoretisch fundierten Konstrukt der gesundheitsfokussierten Führung entwickelten wir eine Skala, die wir in mehreren Schritten empirisch validierten. Diese kam unter anderem in einer Forschungskooperation mit einem großen öffentlichen Arbeitgeber in Deutschland zum Einsatz (mehr als 23.000 Studienteilnehmer). Mittels Fragebogen erhoben wir neben dem Konstrukt der gesundheitsfokussierten Führung verschiedene gesundheitsbezogene Variablen sowie Leistungsindikatoren und betteten die Skala in ein Gesamtmodell ein. Auch in einem deutschen Industrieunternehmen konnte unser Führungsansatz erfolgreich erprobt werden. Hierbei zeigte sich, dass gesundheitsfokussierte Führung mit einem signifikanten Rückgang an Krankheitstagen in Zusammenhang steht (von 21 auf 2,6 Tage in einem Zeitraum von sechs Monaten).



Beginn:

01.11.2012


Abschluss:

31.08.2017


Art:

Eigenprojekt / Gefördertes Projekt / Wissenschaftliche Arbeit / Dissertation / Studie


Kostenträger:


Schweizerischer Nationalfonds



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Abstract

Health-focused leadership: The supervisor's role for maintaining employees' physical and mental health

This study advances our understanding of the conceptualization, measurement, and organizational functioning of health-focused leadership (HFL). By drawing from the fields of organizational psychology, medicine, public health, and disability management, and transferring this knowledge to the leadership context, we develop a HFL construct comprising the two dimensions of prevention and intervention. We conducted five independent studies in order to validate the construct and explore its relationships with health- and well-being related outcomes. In study 1, we conducted 28 focus group interviews with 153 employees and managers of an industrial company in order to collect examples of prevention and intervention behaviors successfully used in practice. In studies 2 and 3, we collected data from 96 members of the working population, respectively 1,277 employees of a public service organization in order to establish the factor structure of our newly developed HFL scale. In study 4, we used a sample of 806 employees of an industrial company to demonstrate the usefulness of HFL to explain variance in followers' emotional exhaustion, objectively measured sickness absenteeism, job satisfaction, and turnover intention over and above the effect of leader-member-exchange and transformational leadership. Finally, in study 5, we explored the moderating role of prior health constraints in the HFL-sickness absenteeism relationship in a sample of 2,858 employees of an industrial company. Implications for research and practice are discussed.


Referenznummer:

R/FO125685


Informationsstand: 29.10.2015