Lexikon zur beruflichen Teilhabe

Erläuterungen und Definitionen zu mehr als 450 Begriffen. Von A wie Ausgleichsabgabe bis Z wie Zuschüsse.

in Projekten blättern

Angaben zum Forschungsprojekt

Unternehmen für Inklusion! - Nordsächsische Initiative zur Verbesserung der Integrationschancen (langzeit-) arbeitsloser Menschen mit Behinderung

Dem Projekt liegen Untersuchungen zugrunde, wonach arbeitskräftenachfragende Unternehmen vielfach Vorbehalte gegenüber schwerbehinderten, arbeitsuchenden Menschen haben, die eine versachlichte und auf den Einzelfall bezogene Prüfung der Einstellungsbereitschaft ausschließen:
"Um die Chancen behinderter (junger) Menschen am Arbeitsmarkt zu verbessern, muss ihre Ausbildung künftig zu deutlich höheren Anteilen in den Unternehmen stattfinden. Da es vielfältige und individuelle Fördermöglichkeiten für die Unternehmen gibt, liegen die Barrieren für die Teilhabe der Menschen am Arbeitsleben offenbar auch in den Köpfen der Beteiligten" (DGB, 2013).

Das Projekt begreift sich als Dienstleistung im Kreis Nordsachsen, konkret der Modellregion Delitzsch-Eilenburg-Torgau. Der Unternehmer erhält in allen Belangen einen externen fachkompetenten Ansprechpartner, der mit Hilfe des aufzubauenden Dienstleistungsnetzwerks die Gewinnung von betrieblichen Fachkräften sowie die Lösung von Problemlagen rund um die Beschäftigung von schwerbehinderten Menschen wirkungsvoll unterstützt. Das heißt, in einem ersten Schritt werden Unternehmen gewonnen, die bereit sind, schwerbehinderte arbeitsuchende Menschen einzustellen.

Das Projekt bietet umfassende Unterstützung bei der passgenauen Besetzung eines Arbeitsplatzes sowie zu allen Fragen bezüglich der Einstellung/Beschäftigung schwerbehinderter Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer.

Die Qualifizierung bzw. der Berufsabschluss schwerbehinderter (langzeit-) arbeitsloser Menschen passt nicht immer zu freien Stellen des ersten Arbeitsmarktes, weswegen es hier nicht im gewünschten Umfang zur Integration und zum nachhaltigen Verbleib in Arbeit kommt. Zudem liegt der Erwerb des Berufsabschlusses mit anschließender beruflicher Arbeitserfahrung oftmals über viele Jahre zurück und ist demzufolge kaum oder gar nicht am regionalen Arbeitsmarkt verwertbar.

Ziel ist die Integration schwerbehinderter arbeitsloser Menschen in sozialversicherungspflichtige Beschäftigung. Die Integration in eine betriebliche Umschulung mit Umschulungsvertrag, Eintragung in das Umschulungsverzeichnis bei der jeweils zuständigen Stelle gemäß BBiG bzw. HWO und der Zahlung einer Umschulungsvergütung durch den Ausbildungsbetrieb wird als Vorstufe bzw. Voraussetzung für eine Integration in Arbeit eingeschätzt und daher auch genutzt.

Im Rahmen der Projektarbeit soll eine breite regionale positive Willkommens- und Integrationskultur in den Unternehmen und Unternehmensverbänden für eine hohe Einstellungsbereitschaft von Bewerberinnen und Bewerbern der Zielgruppe des Projektes als nachhaltiger Projekterfolg erreicht werden.

Durchgeführt wird das Projekt mit 20 Teilnehmenden, wobei eine Integrationsquote von mindestens 50% erreicht werden soll.

Die Neuartigkeit des Projektes liegt in der stringenten Kombination der einzelnen Elemente, d. h. der Gewinnung von einstellungsbereiten Unternehmen, der wohnortnahen betrieblichen Qualifizierung in den Unternehmen, dem Abbau individueller Vermittlungshemmnisse und der Stärkung der Teilnehmerpersönlichkeit, der passgenauen Integration auf Grundlage individueller Stärken und dem bedarfsbezogenen Job-Coaching während der betrieblichen Praxislernphase und auch nach der Einstellung.

Job-Coaching am Arbeitsplatz kann dazu beitragen, dass behinderungsbedingte Herausforderungen besser gemeistert werden können. Ziel ist es, Arbeitsabläufe anzupassen und Hilfestellungen für den Mitarbeiter mit einer Schwerbehinderung und den Arbeitgeber zu entwickeln. Job-Coaching ist ein praxisnahes Lernen unmittelbar am Arbeitsplatz. Job-Coaches kommen in den Betrieb, arbeiten mit, leiten an, klären auf und unterstützen bei der Kommunikation. Das konstruktive Zusammenwirken aller Beteiligten ist die beste Voraussetzung für ein erfolgreiches Gelingen (LWL, 2015). Basis ist ein gemeinsam mit einstellungsbereiten Unternehmen erarbeitetes "Betriebliches Eingliederungsmanagement für neue Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen mit Behinderungen."

Geplante Maßnahmen:
- Sensibilisierung der Unternehmen und Unternehmensverbände, der Wirtschaftsverbände und -förderungsgesellschaften und Kammern für die Thematik sowie für die Notwendigkeit, die Zielgruppe als Fachkräfteressource zu begreifen und zu nutzen,
- Entwicklung von Schulungsmaterial für Multiplikatoren (z. B. Arbeitgeber-Service),
- Öffentlichkeitsarbeit (z. B. mittels einer Wanderausstellung, Beiträge in Zeitschriften von Unternehmensverbänden und Mitgliederversammlungen),
- Sensibilisierung/Information interessierter Unternehmer und Unternehmerinnen und ihrer Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen (als das Umfeld der schwerbehinderten Beschäftigten),
- das Projekt wird einen Beitrag zu einer Willkommens- und Integrationspraxis schwerbehinderter Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer als betriebliches Regelinstrument in der Unternehmenspraxis leisten,
- Konzeptentwicklung geeigneter Verfahren, Handreichungen und Formblätter zur Beschäftigung schwerbehinderter Menschen (Beratungs- und Methodenkoffer),
- Ansprache und Gewinnung von (langzeit-) arbeitslosen schwerbehinderten Menschen,
- Vorbereitung der Kontaktanbahnung im Betrieb, Bewerbungsverfahren, Integration in eine betriebliche Praxislernphase und deren aktive Begleitung (Job-Carving) mit dem Ziel der Übernahme in eine Beschäftigung bzw. betriebliche Umschulung,
- Coaching von Betrieb und integrierten schwerbehinderten langzeitarbeitslosen Menschen, u. a. mit individuellem betrieblichem Eingliederungsplan (in Vorbereitung als auch bei Bedarf nach dem Einstieg).

Erwartete Wirkungen:
Durch den Abbau von Hemmnissen und Vorbehalten in der Einstellung schwerbehinderter Menschen auf der betrieblichen Seite und der begleiteten sowie passgenauen Vermittlung (langzeit-) arbeitsloser Behinderter auf der Betroffenenseite wird durch eine deutlich verbesserte Motivation der Akteure die Bereitschaft sichergestellt, arbeitslose schwerbehinderte Menschen einzustellen oder im Rahmen einer betrieblichen Umschulung (als Vorstufe zur Integration) auszubilden.
Ergebnisse werden auch hinsichtlich der Verbesserung des Sozialverhaltens erwartet. Maßnahmen der Aus- und Weiterbildung führen bei Langzeitarbeitslosen zu wesentlichen Verbesserungen in den sozialen Kompetenzen.

Zusammenfassung der erwarteten Wirkungen:
- 100% der Teilnehmenden werden aktiviert, neue Sichtweisen über Lebens- und Arbeitsperspektiven werden verinnerlicht, Selbständigkeit, Belastbarkeit, fachliche und soziale Kompetenzen verbessern sich. Ggf. erfolgen Nachbesetzungen von drei Monaten. Der Nachweis erfolgt über Teilnehmerbefragungen zu Beginn und am Ende.
- 50% der Teilnehmenden münden ein in eine sozialversicherungspflichtige Beschäftigung von mindestens 15 Std./Woche.
- 10% der Teilnehmenden münden ein in eine betriebliche Umschulung als Vorstufe zur Integration in Arbeit.
- 10% der Teilnehmenden münden in beschäftigungsähnliche Tätigkeiten (z. B. Freiwilligendienst) bzw. gesellschaftliche Tätigkeiten (gemeinnützige Tätigkeit in Vereinen und Verbänden) oder in eine geringfügige Beschäftigung (unter 15 Std./Woche) ein.
- Die verbleibenden Teilnehmenden werden nur in geringem Umfang aktiviert und verbleiben in ihren alten Strukturen. Weiterführende Empfehlungen (Anschlussperspektiven) werden bei Ausscheiden aus dem Projekt mit den Teilnehmenden und der Integrationsfachkraft des Jobcenters bzw. der Agentur für Arbeit unterbreitet und können u. a. aktivierende Maßnahmen oder auch empfohlene therapeutische Angebote auf Grundlage von Einschätzungen umfassen.



Beginn:

01.04.2016


Abschluss:

31.03.2019


Art:

Gefördertes Projekt / Modellprojekt


Kostenträger:


Bundesministerium für Arbeit und Soziales (BMAS) - gefördert aus Mitteln des Ausgleichsfonds
Programm der Bundesregierung zur "intensivierten Eingliederung und Beratung von schwerbehinderten Menschen"
Deutsches Zentrum für Luft- und Raumfahrt e. V. - DLR Projektträger des BMAS



Weitere Informationen


Referenznummer:

R/FO125763


Informationsstand: 30.01.2017