Lexikon zur beruflichen Teilhabe

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Angaben zum Forschungsprojekt

Schriftspracherwerb gehörloser Menschen zur Förderung inklusiver Teilhabe am Arbeitsmarkt

In Deutschland leben mindestens 19.000 gehörlose Menschen im Lebensalter von 20 bis 65 Jahren, die nicht über beruflich verwertbare Schriftsprachkompetenz verfügen. Dies hat wesentliche nachteilige Wirkungen auf die Chancen der Teilhabe am Arbeitsleben. Diese fehlende Qualifikation wird mit zunehmender Bedeutung neuer Medien ein immer schwerwiegenderes Defizit. Berufliche Kommunikation basiert immer stärker auf Medien und Techniken, die Schriftsprachkompetenz voraussetzen.

Das Projekt entwickelt und erprobt eine neue Methode des Schriftsprachunterrichts für gehörlose Menschen, die auf kontrastivem Unterricht und dem Einsatz einer speziellen GebärdenSchrift beruht. Die Unterrichtsmethode wird umfassend mit eigens dafür vom Projekt entwickelten EDV-Modulen und Unterrichtsmaterialien unterstützt. Der Unterricht von gehörlosen Trainern wird an den Modellstandorten Kiel, Dortmund, Cottbus und Chemnitz sowie in Hamburg angeboten.

Der nachhaltige Erfolg des Projektes wird sichergestellt über:
- Weiterbetrieb der Projektseite http://www.delegs.de durch die Workplace Solutions WPS GmbH
- Einbindung des Schriftsprachunterrichts in das Regelangebot der Fortbildungsakademie der Wirtschaft (FAW) für gehörlose Menschen, insbesondere auch für arbeitslose Gehörlose ( http://www.faw.de )
- ein regionales Projekt "Lesen und Schreiben stärken - Berufliche Chancen verbessern - Schriftspracherwerb - Ein Projekt für gehörlose Menschen im Land Brandenburg" vom 1.10.2017 bis 30.9.2019 (Fortbildungsakademie der Wirtschaft (FAW) gemeinnützige Gesellschaft mbH, Akademie Cottbus, gefördert vom Integrationsamt Cottbus)
- Es wird derzeit versucht, einige weitere regionale Projekte und ein Projekt "Gamification und Open Source für gehörlose Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer - Niederschwellige Software-Unterstützung für modernes Schriftsprachlernen" ab 2018 anzustoßen.
- Die Projektergebnisse werden auch in die Arbeitgeberberatung des BMAS-Projektes "Unternehmensnetzwerk Inklusion" ( http://www.wirtschaft-inklusiv.de/newsletter/wirtschaft-inklusiv-newsletter-6.ht... ) regelmäßig einbezogen.

Wichtige Ergebnisse der Entwicklungsarbeit des Projektes werden auf der Homepage http://www.delegs.de zur Verfügung gestellt: über 400 Lehr- und Lernmaterialien, der Editor delegs zur EVD-Unterstützung der Gebärdenschriftanwendung und ein mächtiger verschrifteter Wortschatz allgemeiner und fachbezogener DGS-Gebärden.

Das Projekt hat inzwischen die Wirksamkeit der Methode in den Modellschulungen mit seinen selbst entwickelten Unterrichtsmaterialien nachgewiesen (umfassende Informationen zu Produkten und Projektstruktur siehe http://www.delegs.de ). Im Januar 2016 wurden erste Ergebnisse auf einer Fachtagung präsentiert.
 
Zusammenfassend kann festgehalten werden, dass die im Projektantrag gestellten Aufgaben alle erfüllt werden konnten.
Im Projektverlauf zeigte sich, dass die gehörlosen Teilnehmer zu einem hohen Anteil motiviert waren, an DGS-Deutschkursen wiederholt teilzunehmen. Dies ist eine Bestätigung, dass die angebotenen Deutschkurse die Lernbedürfnisse der gehörlosen Teilnehmer tatsächlich erfüllen.

Für die Zukunft stützt dieses Teilnehmerverhalten den Plan solche Deutschkurse dauerhaft, zumindest aber regelmäßig über einen jeweils mehrjährigen Zeitraum anzubieten. Inhaltlich aufeinander aufbauende Sprachkurse sollten so angeboten werden, dass sie regelmäßig von den Teilnehmenden in Anspruch genommen werden können.

Die Evaluationsergebnisse zeigen nachweisbare Effekte: Die Lernerfolge im Hinblick auf die Artikelnutzung und Verbmarkierung belegen schon nach nur einer Woche (40 UE), dass das kontrastive Kurskonzept des Projektes den Erwerb des Deutschen im Sinne eines erwachsenen Zweitspracherwerbs effektiv unterstützt.
Auch die GebärdenSchrift kann erwarteter Maßen bereits nach einer Woche Unterricht so gelesen werden, dass sie für den pädagogischen Kontext nutzbar gemacht werden kann.
Anfängliche Berührungsängste bei den Teilnehmenden gegenüber einem neuen Schriftsystem konnten regelmäßig abgebaut werden. Insbesondere gehörlose Pädagoginnen und Pädagogen sehen hier einen neuen Mehrwert für die Spracharbeit mit ihren gehörlosen Kursteilnehmerinnen und Kursteilnehmern, was im Sinne der Nachhaltigkeit ein erfreuliches Ergebnis darstellt.

Befragungen des betrieblichen Teilnehmerumfeldes belegen zudem, dass auch in der betrieblichen Praxis der gehörlosen Menschen eine spürbare Verbesserung der kommunikativen Situation entsteht. Bei Teilnahme an zumindest zwei oder mehr Kursen werden solche Praxis-Effekte bei gut 80 % der gehörlosen Teilnehmer berichtet. Dieser positive Effekt kann durch begleitende Hilfen - "Jobcoaching" und/oder andere Zusatzmaßnahmen - noch deutlich verstärkt werden. Besonders hervorzuheben ist hier ein gezieltes Anwendungstraining im Bereich E-Mail-Nutzung.



Bezug des Projekts zur internationalen Klassifikation der Funktionsfähigkeit, Behinderung und Gesundheit (ICF):
Die ICF ist kein ausdrücklicher Forschungsgegenstand, wird aber im Vorhaben genutzt, z.B. durch den Einsatz ICF-basierter Instrumente / Skalen zur Beschreibung von Untersuchungsvariablen, Verlaufsdokumentation, Ergebnismessung etc.



Beginn:

01.03.2014


Abschluss:

30.09.2017


Art:

Gefördertes Projekt / Modellprojekt


Kostenträger:


Bundesministerium für Arbeit und Soziales (BMAS)
(Ausgleichsfonds)



Weitere Informationen


Referenznummer:

R/FO125767


Informationsstand: 20.08.2019