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Lexikon zur beruflichen Teilhabe

Erläuterungen und Definitionen zu mehr als 450 Begriffen. Von A wie Ausgleichsabgabe bis Z wie Zuschüsse.

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Angaben zum Forschungsprojekt

Effekte eines tertiärpräventiven Krafttrainings nach dem Kieser Training-Konzept auf Rückenschmerzen nach Abschluss einer ambulanten oder stationären Heilbehandlung (PREBACK-Studie)

Rückenschmerzen gehören zu den am häufigsten angegebenen Schmerzen in Deutschland. 74 bis 85 % der Deutschen geben an, dass sie mindestens einmal in ihrem Leben Rückenschmerzen hatten. Die Behandlung von Rückenschmerzen verursacht jährlich Kosten in Milliardenhöhe. Zusätzlich zu den direkten Kosten für ärztliche Behandlung, Medikamente, rehabilitative Maßnahmen etc., entstehen indirekte Kosten (Produktivitätsausfall durch Arbeits- und Erwerbsunfähigkeit).

In der Behandlung von Rückenschmerzen haben sich multimodale bewegungsorientierte Programme bewährt. Ungeachtet der Wirksamkeit solcher multimodalen Programme stellt sich jedoch stets die ungeklärte Frage, welche der angewandten Interventionsmaßnahmen maßgeblich zum Behandlungsziel beigetragen hat. Von besonderem Interesse sind in diesem Zusammenhang die Effekte eines Krafttrainings, da empirische Befunde einen Zusammenhang zwischen Kraftdefiziten der Rumpfmuskulatur und dem Auftreten von Rückenschmerzen belegen.

An dieser Stelle eröffnet sich ein Forschungsdesiderat zur weiterführenden Evaluation der Effekte eines präventiven Krafttrainings. Aus diesem Grund führte die Deutsche Hochschule für Prävention und Gesundheitsmanagement (DHfPG) in Kooperation mit der Kieser Training AG ein Forschungsprojekt zur Überprüfung der Effekte eines tertiärpräventiven Krafttrainings nach dem Kieser Training-Konzept bei Patienten mit Rückenschmerzen nach Abschluss einer ambulanten oder stationären Heilbehandlung durch. Die Durchführung der Trainingsintervention respektive die Datenerhebung erfolgte über Studierende der DHfPG im Rahmen der dualen Bachelor-Studiengänge, die ihre betriebliche Ausbildung in einem Unternehmen der Kieser Training AG absolvieren (multizentrische Studie in mehreren Kieser Training-Studios). Untersucht wurden die Wirkungen eines maschinengestützten Krafttrainings hinsichtlich einer Veränderung der Kraftfähigkeit der Rumpfextensoren und -flexoren, einer Veränderung des körperlichen und psychischen Gesundheitszustands, einer Veränderung des Chronifizierungsrisikos für Rückenschmerzen sowie einer Veränderung der subjektiv empfundenen Arbeitsfähigkeit.

Insgesamt wurden 20 Trainingseinheiten eines hinsichtlich Belastungsnormativa und Übungsauswahl standardisierten maschinengestützten Krafttrainingsprogramms mit mindestens einer und maximal zwei Trainingseinheiten pro Woche absolviert. Folgende Messungen wurden durchgeführt: Testung der Kraftleistungsfähigkeit der Rumpfextensoren und -flexoren an spezifischen Test-/Trainingsmaschinen (LE und F2), Erhebung der körperlichen und psychischen Gesundheitswahrnehmung mit dem SF-36-Fragebogen, Erhebung des Chronifizierungsrisikos für Rückenschmerzen mithilfe des Heidelberger Kurzfragebogens Rückenschmerz (HKF-R10) sowie eine Erhebung der wahrgenommenen Arbeitsfähigkeit mithilfe des Work Ability Index (WAI). Vor der Intervention wurden zum Testzeitpunkt t0 (Pre-Test) alle Testparameter erhoben. In der 10. Trainingseinheit wurden zum Testzeitpunkt t1 (Zwischentest) die Krafttestungen an der LE und F2 wiederholt. Nach Abschluss der Intervention wurden zum Testzeitpunkt t2 erneut alle Testparameter erhoben.

Ausgewertet wurden die Daten von insgesamt 122 Probanden (66 Frauen, 56 Männer). Aufgrund von Kontraindikationen konnten jedoch nur 102 der Probanden die Krafttestungen an der LE und F2 durchführen. Folgende Ergebnisse lieferte die Datenauswertung: Ein standardisiertes maschinengestütztes Krafttraining über 20 Trainingseinheiten nach dem Kieser Training-Konzept führt zu signifikanten Steigerungen der Kraftleistungsfähigkeit der Rumpfextensoren und -flexoren, zu einer signifikanten Verbesserung des wahrgenommenen körperlichen Gesundheitszustands, zu einer signifikanten Reduzierung des Chronifizierungsrisikos für Rückenschmerzen sowie zu einer signifikanten Verbesserung der wahrgenommenen Arbeitsfähigkeit. Ein Effekt auf den wahrgenommenen psychischen Gesundheitszustand konnte nicht nachgewiesen werden.

Diese Ergebnisse bestätigen die wenigen vorliegenden Befunde zur Effektivität eines Krafttrainings nach dem Kieser Training-Konzept bei krafttrainingsunerfahrenen Personen mit Rückenschmerzen. Als ausschlaggebend für die bereits nach 20 Trainingseinheiten messbaren Effekte können die konsequent hohe Trainingsintensität (muskelermüdend bzw. muskelerschöpfend) sowie die progressive Intensitätssteigerung im Kieser Training-Konzept angesehen werden. Hinsichtlich der Höhe der Trainingsintensität grenzt sich Kieser Training deutlich von den Trainingsansätzen der meisten anderen kommerziellen Krafttrainingsanbieter ab, die im Kontext eines maschinengestützten Krafttrainings für Trainingseinsteiger tendenziell niedrigere und nicht muskelerschöpfende Trainingsintensitäten empfehlen.

Aus einer gesundheitsökonomischen Perspektive kann ein maschinengestütztes Krafttraining bei einem kommerziellen Fitnessanbieter als überaus effiziente Intervention eingestuft werden. Den durchschnittlichen Kosten einer Mitgliedschaft bei einem kommerziellen Fitnessanbieter (Gesundheitskosten) stehen über 60-mal höhere Krankheitskosten für die Behandlung von Rückenschmerzen gegenüber.

Über das Kieser Training-Konzept hinaus können aus den vorliegenden Befunden evidenzbasierte Handlungsempfehlungen für die im Trainingsbetrieb im Setting "Fitness- und Gesundheitsstudio" Beschäftigten zur qualitätsgesicherten Trainingsbetreuung von Rückenschmerzpatienten ohne größere Krafttrainingserfahrung abgeleitet werden: Das Krafttraining sollte regelmäßig mit mindestens einer oder zwei Trainingseinheiten pro Woche durchgeführt werden. Die Dauer der Trainingseinheiten sollte kompakt sein (max. 30 Minuten). Die Übungsauswahl sollte spezifische und einfach auszuführende Übungen für die Rumpfmuskulatur beinhalten. Das Krafttraining sollte mit einer individuell hohen (muskelermüdenden bis muskelerschöpfenden) Trainingsintensität erfolgen. Zudem sollte die Trainingsintensität progressiv gesteigert werden. Ein Satz pro Übung mit entsprechend hoher Intensität reicht aus, um die anvisierten Effekte zu erzielen. Die Bewegungsausführung sollte kontrolliert und betont langsam erfolgen. Zudem sollte bei jeder Wiederholung die individuell maximal mögliche Bewegungsamplitude (innerhalb des schmerzfreien Bewegungssektors) realisiert werden.



Bezug des Projekts zur internationalen Klassifikation der Funktionsfähigkeit, Behinderung und Gesundheit (ICF):
Der bio-psycho-soziale Ansatz der ICF bildet einen konzeptionellen Bezugsrahmen für das Projekt.



Beginn:

01.09.2017


Abschluss:

31.08.2020


Art:

Gefördertes Projekt / Studie / Evaluation


Kostenträger:


Bundesministerium für Arbeit und Soziales (BMAS)
Projektträger: gsub (Gesellschaft für soziale Unternehmensberatung mbH)



Weitere Informationen


Referenznummer:

R/FO125854


Informationsstand: 01.09.2020