Lexikon zur beruflichen Teilhabe

Erläuterungen und Definitionen zu mehr als 450 Begriffen. Von A wie Ausgleichsabgabe bis Z wie Zuschüsse.

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Angaben zum Forschungsprojekt

A³ - Auszeit-Aktiv-Arbeit

Modellvorhaben "rehapro" des Jobcenterverbundes Kommunales KreisJobcenter Landkreis Fulda, Kommunales Jobcenter Landkreis Hersfeld-Rotenburg, KVA Vogelsbergkreis - Kommunales Jobcenter

Zielgruppe:

Die übergeordnete Zielgruppe unseres Modellprojektes sind Kundinnen und Kunden im SGB II mit nicht nur vorübergehenden gesundheitlichen Einschränkungen und komplexen Unterstützungsbedarfen. Jedes Jobcenter hat sich auf eine spezielle Zielgruppe aus diesem sehr komplexen Bereich fokussiert:
Kommunales KreisJobcenter Landkreis Fulda:
Alleinerziehende im Leistungsbezug SGB II mit nicht nur vorübergehenden gesundheitlichen Beeinträchtigungen (bis max. 40 Jahren).
Kommunales Jobcenter Landkreis Hersfeld-Rotenburg:
Leistungsberechtigte im SGB II mit nicht nur vorübergehenden psychischen Beeinträchtigungen
KVA Vogelsbergkreis - Kommunales Jobcenter:
Leistungsberechtigte im SGB II mit nicht nur vorübergehenden orthopädischen Erkrankungen bzw. des Bewegungsapparates, Personen mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen und insgesamt komplexen gesundheitlichen Unterstützungsbedarfen.
Die jeweiligen Zielgruppen verweilen nicht selten dauerhaft im SGB II-Leistungsbezug - oftmals in der "Grauzone" zwischen dem SGB II und SGB XII. Das Risiko einer dauerhaften Erwerbsunfähigkeit erhöht sich, wenn diese Menschen keine schnellen und auf ihren individuellen Bedarf hin zugeschnittene Hilfen erhalten.

Projektdesign:
Unser Modellvorhaben bewegt sich dabei außerhalb der üblichen organisatorischen "Routinen" unserer Jobcenter (mit Ausnahme der passiven Leistungsgewährung) und kann als neu geschaffener Experimentierraum angesehen werden. Freiwilligkeit zur Teilnahme ist Grundvoraussetzung. Sanktionen sowie verpflichtende Abschlüsse von Eingliederungsvereinbarungen werden "ausgesetzt" und durch alternative/experimentelle Formen (z.B. Abschluss persönlicher Zielvereinbarungen, Förderplan) ersetzt.
Der Aufbau des Projektes ist in vier zentrale Phasen untergliedert, mit jeweils eigener thematischer Schwerpunktsetzung:
- "Clearing/Teilnehmer/-innen-Gewinnung" (Dauer ca. 4 Wochen)
- "Auszeit" (Dauer ca. 8 Wochen)
- "Resümee/persönliche Zielvereinbarung" (Dauer ca. 4 Wochen)
- "Durchführung der Hilfen" (Dauer bis zu ca. 80 Wochen)

Phase 1: "Clearing/Teilnehmer/-innen-Gewinnung" (ca. 4 Wochen)
In der Phase 1 "Clearing/Teilnehmenden-Gewinnung" wird es insbesondere darum gehen, die Motivation der Personen zur freiwilligen Teilnahme am Modellvorhaben zu wecken.
Hierzu finden gemeinsame Besprechungen zwischen der bisher zuständigen Integrationsfachkraft, der Kundin/ dem Kunden und der innerhalb des Modellvorhabens vorgesehenen "Kümmerer" statt. Diese Kundengespräche finden sozialraumorientiert statt, mit dem Ziel der freiwilligen Teilnahme am Modellvorhaben.

Phase 2: "Auszeit" (ca. 8 Wochen)
Die unmittelbar an Phase 1 anknüpfende Phase 2 "Auszeit" soll es ermöglichen, dass die Teilnehmenden eine Veränderung zur bisherigen Situation spürbar erleben und ihre Selbsthilfepotentiale aktivieren können. Dies unter gezielter professioneller Unterstützung des "Kümmerers", welche darauf ausgelegt sein soll, die gesundheitlichen Einschränkungen in ihrer Ausformung zu eruieren und mithilfe von gezielten Hilfsangeboten unmittelbar anzugehen.
Die Phase der "Auszeit" wird im Rahmen einer Gruppenbildung von geplant je 15 Teilnehmenden u. a. durch folgende inhaltlichen Bausteine gekennzeichnet sein:
- Medizinische/psychologische Beratung/Begutachtung (durch Psychologen/Ärzte/Coaching-Anbieter)
- Sport/-Bewegungsangebot (durch z.B. Fitnesscoach, Personal Trainer)
- Stressberatung, Teambuilding, Exkursionen, spazieren gehen
- Ernährungsberatung/gesundheitsbewusste Ernährung (inkl. Besorgung, Zubereitung und gemeinsame Mahlzeiten)
- Unterstützung/Entlastung bei "privaten Verpflichtungen" (z.B. Hundesitter)
- Aufschließen von Angeboten zur Teilhabe an der Gesellschaft (z.B. in Vereinen oder weiteren Angeboten der Kommunen)
Zur Seite wird den Teilnehmenden dabei weiter der "Kümmerer" stehen. In seiner Rolle als zentraler Ansprechpartner, Lotse und Begleiter wird er für die gesamte Projektlaufzeit und alle Phasen in dieser Rolle fungieren.
Die "Auszeit" soll für die Ermöglichung des Perspektivwechsels ebenfalls bewusst außerhalb der Räumlichkeiten der Jobcenter und der Projektstandorte stattfinden und mit Gruppentreffen von montags bis freitags beginnend mit 3 Stunden täglich stattfinden.

Die Ziele der "Auszeit" lassen sich für die Teilnehmer/innen abschließend wie folgt zusammenfassen:
- Abbau von Ängsten
- Aufbau von Vertrauen in die Gruppe und zum Kümmerer
- Stärkung des freiwilligen Teilnahmewillens,
- Aktivierung sowie Ausloten von Gruppeninteressen/-aktivitäten
Für uns wird die Phase der "Auszeit" entscheidend zur "Auftragsklärung" beitragen und zur Beantwortung der Fragestellung, welche konkreten Handlungsbedarfe in der weiteren Umsetzung des Modellprojektes gemeinsam mit der Kundin / dem Kunden "angepackt" werden sollten.

Phase 3: "Resümee/persönliche Zielvereinbarung" (ca. 4 Wochen)
In Phase 3 "Resümee/persönliche Zielvereinbarung" wird es konkret darum gehen gemeinsame Verbindlichkeiten für das weitere Vorgehen herzustellen. Ziel ist es einen konkreten Förderplan zu erstellen.
Entscheidend hierbei ist, dass die Kund/innen dort ihre persönlichen Ziele zur Grundlage der Planung machen. Der "Kümmerer" hat nicht die Rolle, die Ziele vorzugeben. Vielmehr übernimmt er die Rolle eines persönlichen Beraters und stellt das "Mögliche und Machbare" in den Vordergrund - entscheiden muss der Kunde/die Kundin letztlich selbst - nur "Nichtstun ist verboten!"
Die im Rahmen der "Auszeit" gebildeten Gruppen sollen weiter bestehen bleiben (z.B. gemeinsame Aktivitäten, Freizeitplanung etc.)

Phase 4: "Durchführung der Hilfen" (bis zu ca. 80 Wochen)
Die Hauptphase des Projektes "Durchführung der Hilfen" (bis zu ca. 80 Wochen) wird dadurch gekennzeichnet sein, die innerhalb Phase 3 "Resümee/persönliche Zielvereinbarung" identifizierten und erforderlichen Hilfen zur Teilhabe beruflich wie sozial (inkl. Verbesserung der gesundheitlichen Situation) der Teilnehmenden anzugehen und umzusetzen.
In dieser Hauptphase wird der "Kümmerer" die Teilnehmenden im Hilfeprozess weiterhin engmaschig begleiten und sie bei der Ansteuerung von Hilfen (z.B. von Krankenkassen, Rentenversicherung oder im Rahmen des Projektes durch die Jobcenter selbst bereitgestellter Angebote, z.B. zur Prävention) aktiv unterstützen.

Die Phase der "Durchführung der Hilfen" bewegt sich von ihrem Angebotsspektrum im Wesentlichen auf vier zentralen Handlungsfeldern, jeweils abhängig vom individuellen Bedarf der Teilnehmenden:
1. Hilfe zur Selbsthilfe
2. Prävention
3. Gesellschaftliche und berufliche Teilhabe
4. Medizinische Hilfen
Auf diesem Weg sollen für den gesamten JC-Verbund rund 500 Kundinnen und Kunden (konkret: 495) von dem Angebot profitieren (pro JC 165). Von der Teilnahme am Projekt ausgeschlossen sind Menschen, die akut behandlungsbedürftig erkrankt sind und/oder als Folge die erforderliche Fähigkeit zur Mitarbeit nicht erbringen können. In jeder Phase des Projektes ist es den Teilnehmenden möglich aus dem Projekt auszusteigen. Die Teilnahme kann aber auch in begründeten Fällen vom Projektträger beendet werden (z.B. mangelnde Kooperation). Eine Unterbrechung der Teilnahme ist möglich, wenn z.B. eine längere z.B. stationäre Behandlung erforderlich ist oder andere wichtige Grunde vorliegen.

Projektziele:

Wir erwarten folgende unmittelbare Verbesserungen durch die Teilnahme am Modellprojekt:
- Die Teilnehmenden werden ihr Selbstbewusstsein, ihre Motivation und Gesundheit stärken.
- Die Teilnehmenden werden ihre persönlichen Selbsthilfepotentiale (re-)aktivieren, vorhandene Ressourcen erschließen und zielgerichtet für den Erhalt und die Verbesserung ihrer gesundheitlichen und beruflichen Situation einsetzen.
- Sie verlassen das Projekt durch Überwinden ihrer Hilfebedürftigkeit (z.B. mithilfe einer Beschäftigung auf dem Arbeitsmarkt) oder gehen bestärkt aus dem Projekt mit klaren Vorstellungen und Zielen in Bezug auf ihre soziale und berufliche Teilhabe.
und möchten mit den Teilnehmenden erreichen:
1. Erhalt und Verbesserung der Erwerbsfähigkeit
2. Verbesserung der beruflichen Teilhabe
3. Verbesserung der gesellschaftlichen Teilhabe

Innovation des Projektes:
Neuartig und innovativ beim vorliegenden Modellprojekt sind im Vergleich zur üblichen Praxis und mit Blick auf den Umfang insbesondere
- das Projektdesign (bewusst außerhalb der üblichen Routinen der Jobcenter organisiert) und die darin aufeinander bezogenen und fachlich ineinandergreifenden Angebote mit dem Schwerpunkt Prävention
- der methodische Ansatz "Auszeit", welcher insbesondere auf die Stärkung der vorhandenen Ressourcen der Teilnehmenden und die Nutzung ihrer Selbsthilfepotentiale zielt (Stichwort: "Auszeit")
die engmaschige Begleitung durch einen "Kümmerer" im Projekt, welcher sich als "Lotse" rechtskreisübergreifend für die Ansteuerung und Umsetzung zielgerichteter Hilfen verantwortlich zeichnet.



Beginn:

01.11.2019


Abschluss:

31.10.2024


Art:

Modellprojekt / Gefördertes Projekt


Kostenträger:


Bundesministerium für Arbeit und Soziales (BMAS); Bundesprogramm "Innovative Wege zur Teilhabe am Arbeitsleben - rehapro"



Weitere Informationen


Abstract

A high 3 / time-out-active-work

The project A3 (A high 3 / time-out-active-work) is carried out by 3 counties at three locations. Work is carried out with three different target groups. Single parents, the mentally ill and the cardiovascular / orthopedic disease with multiple barriers to placement. The participants are usually adult men and women aged 25 and over. A project group consists of 15 people (165 people per site in 5 years per county). The maximum length of time a participant in the project is 24 months. This figure makes it possible to make an almost valid statement about the success of the project. For the participants, the aim is to: 1. Improving or maintaining the earning capacity 2. Improving or enabling professional participation 3. Improving or enabling social participation. In order to achieve this, we will work in phases and will not move in the existing structures. For example, the integration agreement and the sanction are replaced as regulatory elements in SGB II by funding planning with target agreement and voluntary nature. Phase 1: Clearing/Participant recruitment, in one-on-one interviews -Participants and 'Kümmerer' (a special kind of socialworker) - with support of case management. The location and framework are consciously outside the job centers - e.g. also in the social environment of the participants. Phase 2: 'Time out', based on group dynamic processes and individual support offers, e.g. in the area of exercise or nutrition, self-help potential is activated and situation change is made noticeable. Phase 3: 'Summary' with the findings of the time-out, a funding plan is drawn up in order to steer further individual aid partly under personal responsibility. Phase 4: Implementation of aid, implementation of individual aids, e.g. medical - for social/professional participation.


Referenznummer:

R/FO125885


Informationsstand: 04.12.2019