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Lexikon zur beruflichen Teilhabe

Erläuterungen und Definitionen zu mehr als 450 Begriffen. Von A wie Ausgleichsabgabe bis Z wie Zuschüsse.

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Angaben zum Forschungsprojekt

Train-the-Trainer-Kurs: Selbstmanagementkurse in der Deutschen Rheuma-Liga

Die Deutsche Rheuma-Liga ist mit ca. 300.000 Mitgliedern der größte Selbsthilfe-Verband im Gesundheitsbereich. Sie ist zuständig für alle Erkrankungen des rheumatischen Formenkreises, wobei die Zahl der Betroffenen in Deutschland auf bis zu 17 Millionen geschätzt wird. Der Bundesverband stellt den Mitglieds- und Landesverbänden und damit den Rheuma-Betroffenen bundesweit Informationen über die Erkrankung, mögliche Behandlungs- und Therapieformen und Hilfestellungen bereit.

In den Selbstmanagementkursen der Deutschen Rheuma-Liga lernen Betroffene viel über ihre Erkrankung. Selbstmanagementkurse haben in den USA und in einigen Ländern Europas schon lange Zeit einen hohen Stellenwert im Umgang mit der chronischen Rheumaerkrankung. 2013 hat die Deutsche Rheuma-Liga die ersten Schritte getan, diese von den Nachbarn aus den Niederlanden ins Deutsche zu adaptieren. Die Kurse werden von geschulten Betroffenen geleitet. In 6 Modulen à 2,5 Stunden lernen die Betroffenen viel über ihre Erkrankung. Aber vor allem lernen sie, das Leben mit Rheuma selbst in die Hand zu nehmen und zu managen. Sie setzen sich Ziele für ihr persönliches Leben, sie tauschen sich mit der Gruppe aus und berichten sich gegenseitig, wie weit sie mit ihren Zielen gekommen sind.

Zusätzlich hat der Kurs viele interessante und ansprechende Elemente:
Traumreisen zur Entspannung, Techniken zur Schmerzbewältigung, Informationen zu Bewegung, Ernährung, medizinischer Versorgung, etc. Das Programm wird inzwischen bundesweit angeboten. Über Train-the-Trainer-Seminare konnten mittlerweile 56 Trainer/innen ausgebildet werden, die das Programm in verschiedenen Verbänden der Deutschen Rheuma-Liga anbieten.

Ziele der Maßnahme:

Das Gesamtprojekt der Selbstmanagementkurse in der Deutschen Rheuma-Liga soll bundesweit ausgedehnt werden. Unterstützt durch unterschiedliche Förderer (EULAR, Krankenkassen) konnten die Kurse seit 2011 nach Deutschland geholt und die Materialien aus den USA und den Niederlanden auf deutsche Verhältnisse übertragen werden. 64 Trainer*innen sind ausgebildet und führen Kursangebote durch. Für ein bundesweites Angebot in den 16 Landes- und 3 Mitgliedsverbänden fehlen noch Trainer*innen.

Im November 2019 hat die Deutsche Rheuma-Liga einen weiteren Train-the-Trainer-Kurs in diesem Programm durchgeführt. Am Ende des Projektes sollten zehn weitere Trainer*innen geschult sein, sodass in fast jedem Landes- oder Mitgliedsverband der Rheuma-Liga entsprechende Trainer*innen zur Verfügung stehen.

Umsetzung der Maßnahme:

Der geförderte Kurs hat in Kassel-Wilhelmshöhe stattgefunden, weil dieser Ort aus dem gesamten Bundesgebiet gut zu erreichen ist. Das InterCity-Hotel ist barrierefrei.

Zum Train-the-Trainer-Kurs hatten sich zehn Interessierte angemeldet. Unter den zehn Teilnehmenden waren nur Frauen. Da rheumatische Erkrankungen in stärkerer Zahl Frauen betreffen, ist deren Anteil an den bisher geschulten Trainer*innen deutlich größer. Grundsätzlich ist die Deutsche Rheuma-Liga jedoch bemüht, beide Geschlechter anzusprechen. In den schriftlichen Unterlagen ist eine geschlechterneutrale Sprache zugrunde gelegt worden.

Die Ausbildung der Trainer*innen geschieht an einem Wochenende von Freitagabend bis zum Sonntagnachmittag. Der Projektleiter und eine Personalentwicklerin (selbst betroffen von einer rheumatischen Erkrankung) leiten den Kurs. Der Trainerkurs hat zum Ziel, Menschen mit einer rheumatischen Erkrankung für die ehrenamtliche Aufgabe vorzubereiten und zu motivieren, selber solche Kurse zu leiten. Dabei gilt es, das Spannungsfeld zwischen vorgegebenen Inhalten und Me-thoden und einem prozessbezogenen Arbeiten mit den Teilnehmenden zu wahren.
Die Trainer*innen sind derart ausgewählt, dass sie zwar hohe Anforderungen (Kursleitung, Moderation, Motivation, Kommunikation, etc.) erfüllen sollen, aber gerade als Laien bewusst mit eigener Betroffenheit diese Aufgabe vollbringen. Der Selbstmanagement-Kurs setzt auf die Kompetenz aus Betroffenheit und verzichtet auf Fachreferent*innen. Die zukünftigen Trainer*innen brauchen dazu oft ein Stück Ermutigung und Stärkung des Selbstbewusstseins, manchmal auch die Befreiung von überzogenen Erwartungen und Ansprüchen an die eigene Kursleitung. Grundelemente der Kommunikation, Präsentationstechniken etc. runden das Programm ab.
Die Trainerkurse arbeiten mit einem handlungsorientierten Ansatz - die Trainer*innen probieren vor der Gruppe einzelne Aktionen aus und geben sich nachher ein Feedback dazu. Am Ende des Kurses gibt es Einzelgespräche mit jeder Teilnehmerin über Stärken und Verbesserungsmöglichkeiten als Trainerin, manchmal auch die Verabschiedung von dieser ehrenamtlichen Aufgabe. Beim durchgeführten Kurs traf das auf zwei Bewerberinnen zu. Damit haben acht Trainerinnen den Kurs erfolgreich absolviert und stehen für die Kursleitung in den Landes- und Mitgliedsverbänden der Rheuma-Liga zur Verfügung

Die Deutsche Rheuma-Liga organisiert diese Wochenenden in Kassel, sie übernimmt die Reise- und Tagungskosten und das Honorar der Personalentwicklerin und die Personalkosten für den Projektleiter. Die Trainer-Kurse werden durch einen mehrseitigen Fragebogen an die Teilnehmenden evaluiert - sie werden im Durchschnitt sehr gut bewertet.

Verbreitung der Projektergebnisse / Multiplikatorenwirkung:

Die Ausbildung von neuen Trainer*innen für das Selbstmanagement-Programm bietet die Grundlage für das bundesweite Angebot des Programms "Herausforderung Rheuma". Eine Multiplikatorenwirkung ist in der Rheuma-Liga bereits festzustellen. Im Jahr 2019 konnten zwölf Kurse mit jeweils mehr als zehn Teilnehmer*innen durchgeführt werden.



Bezug des Projekts zur internationalen Klassifikation der Funktionsfähigkeit, Behinderung und Gesundheit (ICF):
Der bio-psycho-soziale Ansatz der ICF bildet einen konzeptionellen Bezugsrahmen für das Projekt.



Beginn:

22.11.2019


Abschluss:

24.11.2019


Art:

Gefördertes Projekt


Kostenträger:


Bundesministerium für Arbeit und Soziales (BMAS) / Förderung zentraler Einrichtungen und Maßnahmen des Behindertensports und der Eingliederung von Menschen mit Behinderungen



Weitere Informationen


Referenznummer:

R/FO125941


Informationsstand: 29.04.2020