Lexikon zur beruflichen Teilhabe

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Angaben zum Forschungsprojekt

Modellierung eines Krankenversicherungssystems mit patientenorientiertem und sozialgebundenem Wettbewerb - Abschätzung von Effektivität und Effizienz im internationalen Vergleich

Fragestellung und Zielsetzungen:
Vieles deutet darauf hin, dass sich durch die mit dem Gesundheitsstruktur-Gesetz (GSG) realisierte 'Kassenwahlfreiheit' ab 1996 die gesetzlichen Krankenkassen (GKV) und die privaten Krankenversicherungen (PKV) verändern werden, ohne dass der Gesetzgeber eine konkrete Zielperspektive für das gesamte System entwickelt und gesetzlich fixiert hätte. Das Projekt prüft, ob mehr Effektivität und - als Folge - mehr Effizienz aller Krankenversicherungen bei der Bereitstellung von Gesundheitsleistungen erreicht werden können, wenn der für die gesetzlichen Krankenkassen sich entwickelnde Wettbewerb auf die privaten Krankenversicherungen ausgeweitet würde, aber gleichzeitig neuartige Regulierungen etabliert würden, die sicherstellen, dass der Wettbewerb nicht nur die Effizienz des Systems zu Lasten der Versicherten erhöht, sondern in erster Linie seine Effektivität im Sinne von 'Patientinnen- und Patientenfreundlichkeit' und 'Sozialgebundenheit' verbessert. Die im Rahmen des Forschungsprojektes diskutierten Modelle halten sich nicht im Rahmen der Grundsätze der deutschen Sozialversicherung. Sie zählen daher - obgleich das Forschungsprojekt aus den Mitteln der Bundesregierung finanziert wird - nicht zu den Optionen, die von den politischen Kräften diskutiert werden. Insofern handelt es sich um systembezogene Grundlagenforschung.

Methodisches Vorgehen:

1. Als Ausgangspunkt wird das individuelle Entscheidungsverhalten theoretisch beschrieben, wenn eine Versicherungspflicht besteht. Um die theoretischen Analysen von Beginn an möglichst realitätsnah zu gestalten, ist der internationale Vergleich zentral. Im ersten Schritt werden die Niederlande und die Schweiz untersucht werden. Dabei spielt die empirische Analyse der Leistungsfähigkeit privatwirtschaftlicher Krankenversicherungen eine große Rolle, da die deutschen PKVen in einem sehr speziellen Rahmen agieren.
2. Die Erarbeitung der Spezifikation der Kontrahierungsliste, das heißt der Leistungsmerkmale, die jede Krankenversicherung von Gesetzes wegen mindestens anbieten muss, ist ein zentraler Baustein des Projektes. Neben der empirischen Analyse der Präferenzen der Versicherten, müssen auch die Expertinnen- und Expertenmeinungen über eine optimale Gesundheitsvorsorge in die Gestaltung der Kontrahierungsliste einbezogen werden. Dieses Projektziel soll auch durch Anhörungen und Diskussionen im Rahmen des 'Berlin-Brandenburgischen Kolloquiums zur Gesundheitssystemforschung' realisiert werden. Schließlich ist insbesondere zu prüfen, ob - aufgrund der schwierigen 'Separabilität' des allgemeinen Krankheitsrisikos vom Pflegerisiko - beide in die allgemeine Krankenversicherung aufgenommen werden sollten.
3. Die genaue Spezifikation der Subjektsubventionierung für die Beiträge und Prämien ist ein weiterer zentraler Baustein des Projektes. Die Abschätzung der Verteilungswirkungen der verschiedenen Ausgestaltungsoptionen wird mit Hilfe von mikroanalytischen Simulationen durchgeführt. Auch die genaue Spezifikation der Beitragsfinanzierung und die Abschätzung ihrer Allokations- und Verteilungswirkungen erfolgt mit Hilfe des mikroanalytischen Simulationssystems.
4. Die sozial-ökonomische Funktion der Selbstverwaltung im Gesundheitswesen soll auch mit Hilfe des internationalen Vergleichs empirisch analysiert werden.
5. Eine juristische Prüfung (unter öffentlich-rechtlichen, privat- und sozialrechtlichen Gesichtspunkten) des Kontrahierungszwanges und der Selbstverwaltungsproblematik ist unumgänglich, um kein 'weltfremdes' Modell vorzulegen.

Erwartete Ergebnisse und Anwendungsbezug:
Das Projekt dient gleichzeitig der Grundlagenforschung wie der mittelfristigen gesundheitspolitischen Diskussion. Die erstmalige Operationalisierung der in der gesundheitsökonomischen Literatur bislang nur abstrakt formulierten 'Optimalbedingungen' für Krankenkassenwettbewerb stellt Grundlagenforschung dar. Dabei sind auch neue theoretische Erkenntnisse für die Gesundheitsökonomie sowie für die sich entwickelnden Methoden und Theorien in den Gesundheitswissenschaften zu erwarten. Die Operationalisierung eines bisher nur theoretisch abgeleiteten 'patientenorientierten und sozialgebundenen Kassenwettbewerbs' hat offensichtlich unmittelbaren Anwendungsbezug im Hinblick auf eine mögliche Re-Regulierung der in Bewegung geratenen Krankenkassenstrukturen. Es wird sich vermutlich zeigen, dass weder die gesetzlichen Krankenkassen noch die privaten Krankenversicherungsunternehmen unverändert in einem derartigen Markt agieren könnten.

Hinweis: Die Informationen zu diesem Projekt sind archiviert und werden nicht mehr aktualisiert.



Beginn:

15.03.1997


Abschluss:

14.03.2000


Art:

Verbundprojekt / Gefördertes Projekt / Studie


Kostenträger:


AOK Nordost
früher: AOK Berlin

Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF)

DKV Deutsche Krankenversicherung AG



Weitere Informationen


Abstract

Modelling of a health insurance system with patient oriented and socially tied competition - assessment of effectivity and efficiency in an international comparison

Questions and aims

Much points to the fact that with 'freedom of choice of health insurance schemes' realised by the Health Structure Reform (GSG), from 1996 the legal health insurances (GKV) and the private health insurances (PKV) would change without the legislators having developed definite aims and perspectives for the whole system and legally fixing them. This project tests whether more effectivity and as a result - more efficiency can be reached by all the health insurances in the provision of healthcare performance if the competition developed for the legal health insurances was extended to the private health insurances, but at the same time new regulations would be established, which would ensure that the competition did not increase the efficiency of the system at the cost of the patients, but in the first place improved effectivity in the sense of 'patient-
friendliness' and 'social ties'.

The models discussed in the context of the research project do not fit into the framework of the principles of German social insurance. They therefore do not count
- even if the research project is financed by the Federal German government - to the options discussed by the political forces. Thus, this is concerned with system related basic research.


Referenznummer:

R/FO2110


Informationsstand: 16.05.2018