Lexikon zur beruflichen Teilhabe

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Angaben zum Forschungsprojekt

Diagnostik von Arbeitsmotivation bei Rehabilitationspatienten - Entwicklung und Evaluation eines Assessmentinstrumentes

Zwischen RehabilitationswissenschaftlerInnen und in der rehabilitativen Versorgung tätigen ÄrztInnen und TherapeutInnen besteht Übereinstimmung in der Einschätzung, dass der Erfolg einer Rehabilitation nicht allein von der Qualität des therapeutischen Angebotes, sondern in großem Maße auch von Erwartungen und Einstellungen der PatientInnen determiniert wird. Speziell die Motivation von PatientInnen, sich aktiv an ihrer Rehabilitationsbehandlung zu beteiligen, wird als wesentliche Einflussgröße für den Verlauf und den Erfolg von Heilbehandlungen betrachtet und unter dem Begriff 'Reha-Motivation' auch im Rahmen des Förderschwerpunktes untersucht (Forschungsverbund Freiburg/Bad Säckingen).

Auch im derzeit laufenden Projekt der Antragsteller zur 'Aktiven Patientenbeteiligung in der (orthopädischen) Rehabilitation - APiR' (Förderung: VFR e. V. Norderney; assoziiertes Projekt des NRW-Forschungsverbund Rehawissenschaften; Laufzeit 2/97-7/01) stand die Motivierung von HV-PatientInnen zur aktiven Beteiligung und Mitarbeit während der Rehabilitation im Zentrum; ein entsprechendes therapeutisches Programm wurde entwickelt und evaluiert. Besonders beim praktischen Einsatz dieses Behandlungsprogramms zeigte sich, dass die Reha-Motivation der PatientInnen wesentlich mitdeterminiert wird von ihrer Motivation, an ihren Arbeitsplatz zurückzukehren bzw. überhaupt arbeitstätig zu sein: Viele PatientInnen sehen für sich selbst keine berufliche Perspektive mehr, weil die Situation am Arbeitsplatz aus vielerlei Gründen (Arbeitsverdichtung, ungünstige Arbeitsbedingungen, Probleme mit anderen Mitarbeitern bzw. der Betriebsleitung, speziell Druck auf ältere Menschen) für sie derart stark negativ besetzt ist, dass sie durch die Erkrankung ein Ausscheiden aus dem 'Problemfeld' Arbeitsplatz erreichen wollen.

Somit stellt nach unserer Auffassung Arbeitsmotivation einen zentralen motivationalen Faktor dar, der direkt auf die Reha-Motivation der PatientInnen und damit indirekt auch auf den Rehaerfolg wirkt, und das vorzeitige Stellen oder Nicht-Stellen eines (Erwerbsminderungs-) Rentenantrages mitdeterminiert. Eine Steigerung des mittel- und längerfristigen Rehaerfolges lässt sich von einer gezielten therapeutischen Förderung der Arbeitsmotivation bei PatientInnen erwarten, die hier Defizite aufweisen. Um solche Defizite systematisch zu identifizieren, ist eine Diagnostik von Arbeitsmotivation erforderlich; entsprechende Assessmentverfahren fehlen bisher jedoch im Bereich der Rehabilitationsdiagnostik.

Nach Durchsicht motivations- und organisationspsychologischer sowie arbeits- und betriebswissenschaftlicher Literatur erscheint eine interaktionale Auffassung von Motivation als angemessener Ansatzpunkt zu einer operationalen Definition: Danach werden Motive einer Person dann verhaltenswirksam, wenn sie durch objektiv in einer Situation vorhandene Momente (=Anreize) angeregt werden. Ob und wie situative Anreize emotional-motivational wirksam werden, hängt davon ab, wie sie von der Person subjektiv wahrgenommen und bewertet werden. Diese subjektiv handlungswirksamen situativen Anreize sind als Valenzen definiert. Valenzen formen im Zusammenwirken mit weiteren Wahrnehmungen und Bewertungen der Situation den Zustand des Motiviertseins oder der Motivation.

Entsprechend fassen wir Arbeitsmotivation als mehrdimensionales Konstrukt auf, das das Zusammenwirken der beiden Komponenten Motive und Valenzen abbildet. Gründe für eine geringe Arbeitsmotivation liegen zum einen in wenig motivationsförderlichen Arbeitsbedingungen (z. B. physisch ungünstige Arbeitsbedingungen - starker körperlicher Verschleiß; Zeitdruck - psychische Überforderung), zum anderen in ungünstigen ausgeprägten Motiven der Person (z. B. Dekonditionierungssyndrom; Frustration aufgrund frustraner Krankengeschichte; sekundärer Krankengewinn).

Unsere Recherchen zu entsprechenden Messinstrumenten ergaben, dass bisherige Ansätze zur Diagnostik unbefriedigend sind. So enthalten die deutsche & schweizerische Testzentrale von Hogrefe- & Huber- Verlag nur das 'Leistungsmotivationsinventar' für die Anwendungsfelder Berufsdiagnostik und Personalentwicklung, das Normwerte für eng umgrenzte Personengruppen aufweist, die für die Zielgruppe LVA- Versicherter nicht anwendbar erscheinen. Ein adäquates Instrument zur Erfassung des mehrdimensionalen Konstrukts Arbeitsmotivation liegt demnach bisher nicht vor.

Ziele und Fragestellung
Das Projekt verfolgt daher das Ziel, das Konstrukt Arbeitsmotivation (AM) unter Nutzung von theoretischem und Expertenwissen zu definieren und für die resultierende Dimension ein reliables, valides und im Klinikalltag handhabbares Assessmentinstrument zu entwickeln und zu evaluieren, das indikationsübergreifend einsetzbar ist. Dieses Instrument soll es ermöglichen, Problem-PatientInnen mit defizitärer Arbeitsmotivation zu identifizieren, bei denen spezieller Interventionsbedarf besteht. Solche PatientInnen können mit Hilfe dieses Diagnostikums treffsicher und differentiell zu berufsorientierten Angeboten während der stationären Rehabilitation zugewiesen werden.

Methoden
Das Arbeitsprogramm gliedert sich in vier Schritte:
1. Problemanalyse und Konstruktdefinition
2. Entwicklung und Testung einer Vorform des Fragebogens
3. Revision der Vorform, Konstruktion und Testung einer vorläufigen Endform des Instruments
4. Psychometrische Überprüfung und Prüfung differentieller Zusammenhänge



Beginn:

01.07.2001


Abschluss:

31.07.2003


Art:

Gefördertes Projekt



Weitere Informationen


Referenznummer:

R/FO2412


Informationsstand: 21.08.2003