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Lexikon zur beruflichen Teilhabe

Erläuterungen und Definitionen zu mehr als 450 Begriffen. Von A wie Ausgleichsabgabe bis Z wie Zuschüsse.

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Angaben zum Forschungsprojekt

Vergleichende Studie zu Wirksamkeit und Kosten eines innovativen Modells der stufenweisen Wiedereingliederung mit begleitender medizinischer Rehabilitation bei Wirbelsäulenerkrankungen gegenüber dem herkömmlichen Verfahren 'Hamburger Modell'

Fragestellung und Zielsetzung:

Stufenweise Wiedereingliederung
  • Sukzessive Gewöhnung an die Belastungen des Arbeitslebens
  • Reintegration von Personen ins Erwerbsleben die bereits längere Zeit krank geschrieben sind
  • Anregung u. Beantragung durch den Hausarzt
  • Bestandteil: Finanzierung von Ausfallgeldern

Modellentwicklung (Kardiologie) in den 70er Jahren und seit dem bestehende Erfahrungen
Mängel:
  • systematische Erfolgsuntersuchungen
  • Inanspruchnahmequoten
  • Charakteristika von Absolventen
  • relevanter Einflussgrößen für einen Erfolg

Folgende Kritikpunkte bestehen darüber hinaus am herkömmlichen Modell:
  • Beschränkung auf finanzielle Leistungen
  • Fehlen medizinisch-rehabilitativer Unterstützung während der Konfrontation mit den Belastungen des Arbeitslebens
  • die Art der zeitlichen Belastungssteigerung

Als Reaktion auf diese Kritik:
  • Entwicklung eines innovativen Verfahrens im Rehazentrum 'Berliner Tor'
  • Durchführung seit etwa 2 Jahren

Besonderheit:
Die stufenweise Wiedereingliederung erfolgt nicht durch eine langsame Anhebung der Tagesarbeitszeit, sondern mittels sukzessiver Erhöhung der Zahl ganzer Arbeitstage.
Vorteile: -Prozess wird von Beginn an therapeutisch begleitet, indem ein Wechsel zwischen Arbeitstagen und Rehabilitationstagen im Rehazentrum 'Berliner Tor' erfolgt.

Der Wechsel zwischen Medizinischer Rehabilitation und Arbeitszeit beschreibt sich wie folgt:
Das herkömmliche Wiedereingliederungsverfahren - 'Hamburger Modell wird charakterisiert dadurch, dass eine Lohnfortzahlung stattfindet jedoch keine therapeutische Begleitung. Zur Verfahrensform ist anzumerken, dass die Tagesarbeitszeit in gleichmäßigen Schritten angehoben wird.
Das Modell 'Berliner Tor' charakterisiert eine sog. Verzahnung der Arbeit in Verbindung mit begleitender fachlicher Betreuung und Motivation. Auch hier findet eine Lohnfortzahlung statt, jedoch durch die Krankenkassen.
Bei diesem Modell steigt die Zahl der Arbeitstage, wobei sich regelmäßig Arbeits- und Rehatage abwechseln.

Die bisherigen Erfahrungen mit dem innovativen Modell sind äußerst ermutigend, Rehabilitanden, Arbeitgeber und Kostenträger äußern sich sehr zufrieden und die Quote erfolgreich Wiedereingegliederter liegen bei knapp 95%. Dies ist umso beachtlicher als ca. 55% mit einem Alter von mehr als 45 Jahren (bei körperlich schwerer Tätigkeit) und einer Arbeitsunfähigkeitsdauer von mehr als 6 Monaten als sehr schwierig bzw. kaum mehr rehabilitierbar gelten.

Mit dem vorliegenden Projekt soll das Forschungsdefizit zur stufenweisen Wiedereingliederung angegangen und geprüft werden, ob das innovative Modell gegenüber dem herkömmlichen Verfahren eindeutige Vorteile aufweist.

Methodik:

Die Studie ist als prospektive Kontrollgruppenstudie mit randomisierter Zuweisung und zwei unterschiedlichen Stichprobenzugängen geplant. Dabei werden Versicherte mit chronifizierten Wirbelsäulenerkrankungen einbezogen, die einen Antrag auf eine stufenweise Wiedereingliederung gestellt haben oder sich ambulant/ teilstationärer Rehabilitation befinden.

Die Versicherten werden jeweils randomisiert der Bedingung mit herkömmlicher stufenweisen Wiedereingliederung oder dem innovativen Modell mit begleitender medizinischer Rehabilitation zugewiesen.

Im Hinblick auf die Fallzahlen sollen in jeder der vier Vergleichsgruppen mindestens hundert Versicherte einbezogen werden. Die Stichprobenrekrutierung erfolgt über einen Zeitraum von 16 Monaten. In einer Vorstudie sollen Stichprobenzugänge, Verfahrenswege und Erreichbarkeit der Fallzahlen geprüft werden.

Vorgesehen sind 4 bzw. 5 Messzeitpunkte (Erhebung des Eingangsstatus, Ende der Rehabilitationsmaßnahme und Status zu Beginn der Wiedereingliederungsmaßnahme, Ende der Wiedereingliederungsmaßnahme, katamnesische Untersuchungen nach 6 und 12 Monaten).

Als Datenquellen werden Angaben von Versicherten, niedergelassenen Ärzten, Renten- und Krankenversicherung sowie eines unabhängigen Arztes berücksichtigt, die mittels Fragebögen und telefonischen Interviews erhoben werden.

Neben der Quote an Wiedereingliederungen und Arbeitsunfähigkeitszeiten, Kosten der Verfahren, Vorbehandlungen bzw. Behandlungen während der Maßnahmen und subjektiven Bewertungen der beiden Verfahren werden umfangreiche Kontrollvariablen erhoben. Hierbei werden insbesondere Daten zur gesundheitlichen Situation und zur Funktionskapazität u. a. im Rahmen eines standardisierten Gesundheits- und Funktionsschecks (u. a. Spinal Funktion Sort - PACT) durch den unabhängigen Arzt erhoben sowie zahlreiche Daten zur Arbeitssituation der Versicherten mit Belastungen, Barrieren gegen eine Rückkehr ins Erwerbsleben, subjektiven Erfolgsprognosen u. a.

Mit Hilfe der Kontrollvariablen soll überprüft werden können, ob die Versicherten in den unterschiedlichen Bedingungen vergleichbare Vorraussetzungen für eine erfolgreiche Rückkehr ins Erwerbsleben aufweisen.



Beginn:

01.01.2002


Abschluss:

31.12.2005


Art:

Gefördertes Projekt / Studie


Kostenträger:


Nvrf



Weitere Informationen


Referenznummer:

R/FO2513


Informationsstand: 09.04.2020