Lexikon zur beruflichen Teilhabe

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Angaben zum Forschungsprojekt

Rehabilitation und Frühberentung bei jüngeren Antragstellern mit psychischen Erkrankungen

Ausgangssituation:

Die Anzahl von Versicherten mit neurotischen Erkrankungen, die eine Erwerbsunfähigkeitsrente beantragen und erhalten steigt in Deutschland seit Jahren beständig. Im Gegensatz zu anderen chronischer Erkrankungen beginnt der Berentungssprozess in einem jüngeren Alter und resultiert dementsprechend in hohen Kosten für den Versicherungsträger und gleichzeitig erheblichem Verlust an Lebensqualität und finanziellen Einschränkungen auf Seiten der Berenteten. Die Erwerbsunfähigkeitsrente wird in den meisten Fällen zunächst zeitlich befristet gewährt, weil eine begründete Besserungsaussicht in absehbarer Zeit angenommen wird. Diese Besserungserwartung erfüllt sich in der Regel nicht und die Renten werden über kurz oder lang in Dauerrenten umgewandelt.
Dies führt zu der Vermutung, dass entweder die Besserungserwartungen zu optimistisch sind und/oder in der Rente die notwendigen Voraussetzungen für eine Besserung nicht gegeben sind. Viele Fachleute aus Rentenversicherung und Rehabilitationseinrichtungen glauben aus ihrer Erfahrung heraus, das rehabilitative Anstrengung, die während des Rentenbezugs gemacht werden, zum Scheitern verurteilt sind. Gutachter, die die Erwerbsunfähigkeit eines Versicherten feststellen, bleiben oft mit dem unguten Gefühl zurück, dass die gleichzeitig wahrgenommenen Besserungschance durch den folgenden Rentenbezug gefährdet ist.

Studienziele:

1. Analyse der psychosozialen, biographischen und beruflichen Entwicklung sowie der medizinischen und rehabilitativen Behandlung von Arbeitern die vor dem vierzigsten Lebensjahr eine Erwerbsunfähigkeitsrente aufgrund neurotischer Erkrankungen beziehen (=Zielgruppe)
2. Ableitung von Handlungsbedarf und Handlungsempfehlungen
- wie Erwerbsunfähigkeitsrenten in dieser Gruppe vorgebeugt werden kann und
- wie die rehabilitativen Bemühungen für Personen mit Zeitrentenbezug in dieser Gruppe verbessert werden können.

Methode:

- Analyse der statistischen Datenbasis des VDR und der LVA Westfalen
- Analyse der Versichertenakten von Versicherten die 1997 und 1998 in einem Alter jünger 40 Jahren erstmalig eine Erwerbsunfähigkeitsrente aufgrund neurotischer Erkrankungen durch die LVA Westfalen bezogen haben
- Fallbezogene Expertenbefragung zu Prognose und Versorgungsbedarf
- Interviews mit Rentnern und mit wieder in das Erwerbsleben zurückgekehrten ehemaligen Rentnern

Ergebnisse:

Die Auswertungen der Renten- und Rehastatistiken belegten zum einen den kontinuierlichen Anstieg des Frühberentungsrisikos aufgrund psychischer Erkrankungen und zeigt zum anderen, dass psychische Erkrankungen mittlerweile führende Ursache für Erwerbsminderungsrenten sind. Die umfangreichen Ergebnisse der weiteren Teilschritte des Projekts sowie die resultierenden Handlungsempfehlungen für die Prävention psychischer Erkrankungen, für die Rehabilitation, die Begutachtung des untersuchten Personenkreises sind im Gesamtbericht niedergelegt.



Beginn:

01.11.1998


Abschluss:

31.10.2001


Art:

Eigenprojekt / Studie



Weitere Informationen


Abstract

Rehabilitation and Invalidity Pensioning in Young Claimants with Neurotic Disorders

Starting point:

The rate of insured persons with neurotic disorders claiming and receiving an invalidity pension is steadily increasing in Germany. In contrast to other chronic diseases this process starts at a younger age and therefore results in considerably high costs on the side of the statuary pension insurance and considerable loss of quality of life and financial shortage on the side of the pensioner. At first most of the pensioners receive a pension for a limited period of time as improvement in health status is to be expected. But these expectations aren't generally met and the pensions are changed into ones with unlimited receipt. This leads to the assumption that either the predictions for recovery are to optimistic or the neccessary conditions for improvement aren't given during this period. Many professionals of both the pension insurance and the rehabilitation centres believe by experience that rehabilitative efforts made whilst paying invalidity benefits are doomed. So the medical experts, who have to certify the claimant's present lack of fitness, are often left behind with the uneasy feeling, that the simultaneously perceived chance of improvement is endangered by the consecutive receipt of the pension itself.

Objective:

1.) Analysis of psychosocial, biographical and occupational devolopment and medical and rehabilitative treatment of wageworkers who receive an invalidity pension before the age of 40 on account of neurotic disorders (target group).
2.) Derivation of need for action and recommandations
- how to to prevent early invalidity pensioning in this group and
- how to improve rehabilitiative efforts for insured persons receiving pension for a limitied period of time


Method:

- Analysis of the statistical database of the Federation of German Pension Insurance Institutes and the Regional Pension Insurance Institute for Workers of Westfalia.
- Analysis of individual pension records for insured person of the target group with newly awarded pensions in 1997 and 1998 (Regional Pension Insurance Institute for Workers of Westfalia)
- Case-based written interviews with experts with different professional and institutional backgrounds who deal with the target group on a daily basis
- Interviews with pensioners of the target group


Referenznummer:

R/FO2586


Informationsstand: 04.12.2019