Inhalt

Lexikon zur beruflichen Teilhabe

Erläuterungen und Definitionen zu mehr als 450 Begriffen. Von A wie Ausgleichsabgabe bis Z wie Zuschüsse.

in Projekten blättern

Angaben zum Forschungsprojekt

Modellprojekt Integrationsfachdienst Bayern e.V. (ifd) zur Integration von Schwerbehinderten am Arbeitsmarkt; die regionale Unterstützungsstruktur für die Arbeitsamtsbezirke Augsburg und Memmingen

Die vernetzte Vorgehensweise des Integrationsfachdienstes zur Kooperation mit den Rehabilitationsträgern und den Betrieben in der Region benötigt eine Organisationsform, die als regionale Unterstützungsstruktur charakterisiert ist. Diese wiederum stützt sich zuerst einmal auf ein theoretisches Konzept, das dann systematisch in der Praxis umgesetzt wird. Dieses Konzept liefert ihr die lernende Organisation der Unternehmensführung, das wiederum auf der räumlichen Ebene in Form der Lernenden Region mit Hilfe eines innovativen regionalen Managements Anwendung findet. Mit Hilfe der hier ausgelösten Lernprozesse werden nicht Symptome erörtert, sondern Ursachen angegangen, deren Lösung es ermöglicht, für die betroffenen arbeitslosen Schwerbehinderten eine neue, positive Integrationsumgebung für den Arbeitsmarkt aufzubauen.

Die Region als solche ist für die strategische Bedeutung ist für die Arbeit des ifd von grundsätzlicher Bedeutung. Ohne eine funktionierende regionale Unterstützungsstruktur kann der ifd nicht existieren. Diese kann jedoch auch nur funktionsfähig sein, wenn ihr entsprechende Entscheidungsträger und -trägerinnen zugeordnet sind und sie durch einen Regionalmanager oder eine Regionalmanagerin repräsentiert wird. Die regionale Unterstützungsstruktur ist der Nukleus für alle wichtigen Koordinations- und Kooperationsaufgaben des ifd. Oftmals sind es gar die einfachen Sachverhalte, die die regionale Unterstützungsstruktur entsprechend voranbringen. Dies haben unter anderem die Workshops der Arbeitgeber- und Arbeitgeberinnengespräche gezeigt, die die Firmeninhaber und -inhaberinnen, Geschäftsführer und -führerinnen sowie Innungsmeister und Innungsmeisteriunnen des Handwerks zusammenführten und bewiesen haben, wie viel Informationsbedarf auf Seiten der Arbeitgeberinnen und Arbeitgeber vorhanden ist und wie viel Information weitergegeben wird, wenn man in dieser Form zusammenkommt.

Daraus erklärt sich, dass neben dem zielgerichteten Management zahlreiche Aktivitäten in der Lernenden Region eine kompetente und Ergebnis orientierte Moderation benötigen. Es konnte deutlich gemacht werden, wie mit Hilfe von Moderation Potenziale geweckt und Multiplikatoreffekte erzielt werden. Die Ausbildung der Prozessmoderatoren hat deshalb sehr praxisorientiert zu erfolgen, z. B. in Bereichen wie Kommunikation, Aktivierung von Mitwirkenden und Interessierten, Ideenfindung und Durchführung von Veranstaltungen, Konfliktlösungen oder Umsetzung von Projekten. Engagierte Prozessmoderatoren, die sich aus dem Kreis der Akteure formieren, werden in die Lage versetzt, Entwicklungsprozesse zu steuern und langfristig zu erhalten und damit die Arbeit des Regionalmanagers sinnvoll zu unterstützen. Die Ausbildung erfolgt nach dem Vorbild der ländlichen Entwicklungsplanung in Bayern, wie sie zum Beispiel in den Schulen der Dorf- und Landentwicklung in Michaelbeuren, Plankstetten und Thierhaupten durchgeführt wird. Die Schulen könnten für diesen Zweck ihre Erfahrung bereitstellen und einbringen, und sich so ein weiteres Standbein schaffen in der Akzentuierung zur Förderung von Aktivitäten der neuen Bürgergesellschaft, wie sie von der Bayerischen Staatsregierung gefordert wird.

Über Moderationsseminare werden Inhalte gezielt vermittelt und unterschiedliche Interessenlagen gebündelt. Mit Hilfe eines Fieldbooks, das gute Beispiele aus anderen (sozialen) Bereichen (benchmarking und best und good practice) zusammenführt, wird nicht vorgeschrieben, was zu tun ist, sondern Motivation geschaffen, wie man etwas tun kann. Vergleichbare Beispiele und die Prüfung ihrer Übertragungsmöglichkeit sind deshalb ein wichtiger Bestandteil des 'Instrumentenkoffers' des Integrationsfachdienstes. Sie ergänzen außerdem die vorbildhafte regionale Wirkung der Schlüsselpersonen. Daneben sind Schulungskonzepte für Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des ifd und Prozessmoderatoren nötig, um sich entsprechende Vorgehensweisen der Arbeit in einem Netzwerk im Sinne der lernenden Organisationsstrukturen anzueignen.

'Fit für den ifd' zu sein heißt, durch motivierende Evaluation seine Vorgehensweise immer wieder überprüfen zu lassen, seine Aktivitäten zu zertifizieren, die 'business ethics' der vorbildlich wirkenden Betriebe in entsprechender Form herauszustellen, die Akteure im Netzwerk zu schulen, und schließlich in einem 'Forum der Umsetzung' wie zum Beispiel des Forums Integration Schwaben alle wichtigen Persönlichkeiten und Akteure der regionalen Unterstützungsstruktur an einen Tisch zu bringen, um die Nachhaltigkeit des Projekts zu gewährleisten.

Durch verschiedene Diskussionen und Workshops wurde der Ansatz der regionalen Unterstützungsstruktur unter Beweis gestellt und fand bereits auf politischer Ebene in Form der Lernenden Region ihren Niederschlag in der Publikation eines Bürgermeister-Handbuchs. In Ergänzung hierzu ist der rasche Ausbau von RIS (Regionales Informationssystem) anzuraten, um auch hier noch eine zusätzliche Plattform für die Anliegen der regionalen Unterstützungsstruktur zu schaffen. Außerdem sollten die weiterführenden Projekte und Aktivitäten, die aus der Arbeit des ifd und der regionalen Unterstützungsstruktur entwickelt wurden, in einer Art virtueller Litfasssäule zusammengeführt werden. Das fis, in dem die regionsweiten Aktivitäten gebündelt werden, sollte sich deshalb mit einer eigenen Homepage im Internet präsentieren. Diese ergänzt den rein Reha-bezogenen Anspruch des RIS und bietet eine Plattform für Anregungen, Ergänzungen und Kritik durch entsprechende Feedback-Möglichkeiten.

Die zweijährige wissenschaftliche Beschäftigung mit der regionalen Unterstützungsstruktur in den Arbeitsamtsbezirken Augsburg und Memmingen hat gezeigt, wie mit Hilfe dieses innovativen Ansatzes der Netzwerkbildung im Bereich sozialer Arbeit auf einer räumlichen Basis erfolgreiche Integrationspolitik für schwerbehinderte Menschen am Arbeitsmarkt betrieben werden kann. Die strategische Bedeutung der regionalen Unterstützungsstruktur steht in diesem Zusammenhang außer Frage. In einer Zeit zunehmender Deregulierung und Forderung nach einer neuen Verantwortung der Bürgergesellschaft gewinnen partizipatorische, kooperative und vor allem interaktive dialogische Vorgehensweisen immer mehr an Bedeutung. Es gilt deshalb, diesen Ansatz entsprechend auszuweiten und landes- beziehungsweise bundesweit zur Verfügung zu stellen.



Beginn:

01.01.2000


Abschluss:

31.12.2001


Art:

Gefördertes Projekt


Kostenträger:


Bayerisches Staatsministerium für Familie, Arbeit und Soziales
früher: Bayerisches Staatsministerium für Arbeit und Sozialordnung,
Familie und Frauen



Weitere Informationen


Referenznummer:

R/FO2669


Informationsstand: 31.01.2020