Lexikon zur beruflichen Teilhabe

Erläuterungen und Definitionen zu mehr als 450 Begriffen. Von A wie Ausgleichsabgabe bis Z wie Zuschüsse.

in Projekten blättern

Angaben zum Forschungsprojekt

Einrichtung und Arbeitsweise gemeinsamer Servicestellen

Mit der Einrichtung gemeinsamer örtlicher Servicestellen verfolgt der Gesetzgeber die Zielsetzung, eine umfassende und qualifizierte Beratung und Unterstützung behinderter und von Behinderung bedrohter Menschen sicher zu stellen, wobei die Anforderungen der Unabhängigkeit, der zeitlichen Nähe, der Anbieterneutralität und der Verbindlichkeit zu erfüllen sind.

Darüber hinaus sind im SGB IX Anforderungen an die Ausgestaltung der gemeinsamen Servicestellen in Bezug auf Barrierefreiheit von Zugang und Kommunikation sowie einige grundlegende Ziele formuliert, zu deren Realisierung alle im Gesetz vorgesehenen Instrumente und damit auch die gemeinsamen Servicestellen beitragen sollen.

Hierzu gehören z. B. die Berücksichtigung der besonderen Bedürfnisse und Probleme von behinderten Frauen und Kindern, das Wunsch- und Wahlrecht der Leistungsberechtigten sowie der Anspruch von Vertrauenspersonen und Personenberechtigten auf Beratung.

Die Beratung und Leistungserschließung soll durch die gemeinsamen Servicestellen gebündelt und damit zugleich effektiver organisiert werden. Für die Betroffenen sollen die zustehenden Hilfen dadurch transparenter werden; das Prinzip des 'einen Zugangs' soll verhindern, dass mehrere Beratungsstellen aufgesucht bzw. die zustehende Hilfemöglichkeit erst aufwendig ermittelt werden müssen.

Von ihrer organisatorischen Struktur her sollen die gemeinsamen Servicestellen nicht der bestehenden Beratungsstruktur als völlig neue Gebilde 'aufgesetzt', sondern 'unter Nutzung bestehender Strukturen' aufgebaut werden (§ 23 Abs.1 SGB IX).Der Prozess des Aufbaus dieser gemeinsamen Servicestellen, die Umsetzung des neuen Beratungskonzepts sowie die Akzeptanz und Nutzung durch die behinderten Menschen wird vom ISG im Auftrag des Bundesministeriums für Gesundheit und soziale Sicherung wissenschaftlich begleitet.

Hierzu werden die drei wichtigsten Akteure dieses Prozesses herangezogen: Die gemeinsamen Servicestellen selbst (1), die Nutzer/innen der gemeinsamen Servicestellen (2) und die kooperierenden Rehabilitationspartner (3).

(1) Die gemeinsamen Servicestellen

Die gemeinsamen Servicestellen haben die vielschichtige Aufgabe, ihre ratsuchenden Klient/innen kompetent zu beraten und in möglichst kurzer Zeit die vorgetragenen Probleme adäquat zu lösen. Zudem wird mit den gemeinsamen Servicestellen das Prinzip des einen Zugangs verfolgt, der den Klient/innen mühsame und zeitraubende Gänge zu verschiedenen Rehabilitationsträgern und Behörden ersparen soll. Hierzu bedarf es einer Reihe von Voraussetzungen: So muss die Servicestelle, die eine ortsnahe Beratung und Unterstützung ermöglichen soll, in ihrem Bezirk bekannt und frei von Zugangs- und Kommunikationsbarrieren sein. Weiterhin bedarf es hierfür beispielsweise qualifizierten Personals und einer adäquaten Ausstattung der Servicestelle. Schließlich bildet die gemeinsame Servicestelle die Schnittstelle zwischen ratsuchenden Klient/innen und den Rehabilitationsträgern. Im Hinblick auf die Evaluation der gemeinsamen Servicestellen ist es erforderlich, die in diesem Prozess gewählten Gestaltungsvarianten, die dabei auftretenden Schwierigkeiten sowie die jeweils erarbeiteten Lösungswege zu dokumentieren.

(2) Die Perspektive der Nutzer/innen

Das Prinzip der 'einen Tür' birgt für die Zielgruppe der behinderten Menschen die Chance, dass sie schnell und kompetent eine Hilfe erhalten, die auf ihren Bedarf zugeschnitten ist, und ihnen Umwege zum Erhalt einer angemessenen Versorgung erspart bleiben. Ein Erfolg der gemeinsamen Servicestellen bemisst sich letztlich an dem Kriterium, ob diese Verbesserung gelingt und von den Betroffenen selbst auch als Erleichterung wahrgenommen wird. Eine Bewertung der gemeinsamen Servicestellen durch die Nutzer/innen, insbesondere unter den Aspekten eines unmittelbaren Zugangs, einer kompetenten Bedarfsermittlung und einer raschen und wirksamen Unterstützung, gibt daher wichtige Anhaltspunkte für den erreichten Stand der Umsetzung und ggf. vorzunehmende Modifikationen.

(3) Kooperierende Rehabilitationsträger

Eine zentrale Voraussetzung für das Gelingen des Aufbaus stellt eine Verständigung der innerhalb der Region präsenten Rehabilitationsträger über die Organisation der gemeinsamen Servicestellen und ihre reibungslose Kooperation bei der Beratungstätigkeit dar. Im Rahmen der wissenschaftlichen Begleitung sind die Verständigungsprozesse einschließlich potenzieller Verständigungsbarrieren und der Wege zu deren Überwindung zu dokumentieren und auszuwerten.



Beginn:

keine Angabe


Abschluss:

31.12.2004


Art:

Gefördertes Projekt


Kostenträger:


Bundesministerium für Gesundheit und Soziale Sicherung (BMGS)



Weitere Informationen


Referenznummer:

R/FO2717


Informationsstand: 29.08.2006