Lexikon zur beruflichen Teilhabe

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Angaben zum Forschungsprojekt

Berufliche Teilhabe am Arbeitsleben von Frauen mit unterschiedlichen Behinderungen

Hintergrund:

Am 1. Juli 2001 trat das neunte Sozialgesetzbuch (SGB IX) in Kraft. Das SGB IX regelt neben der medizinischen Rehabilitation die Teilhabe von Menschen mit Behinderungen am Arbeitsleben und am Leben in der Gesellschaft. Das Gesetz enthält eine Zielbestimmung - von der Fürsorge zur Selbstbestimmung - und viele Einzelregelungen, die Frauen neue berufliche Zugangsmöglichkeiten und Unterstützung zur Vereinbarkeit von Beruf und Familie sowie Einrichtungen/ Diensten Möglichkeiten einer frauengerechten Gestaltung von Angeboten und Organisationskulturen eröffnet haben.
Die Rehabilitationsträger sind durch das SGB IX verpflichtet, frauengerechte Angebote zu gewährleisten und den Bedürfnissen von Frauen Rechnung zu tragen. Mit dem SGB IX wurden Voraussetzungen für eine Verbesserung der Arbeits- und Lebenssituation von Frauen mit Behinderungen geschaffen. Diese neuen Möglichkeiten werden bisher noch wenig in Anspruch genommen bzw. umgesetzt.

Fragen und Ziele:
Die wissenschaftliche Begleitung zur Umsetzung des SGB IX will sichtbare Fortschritte aufzeigen, Konzepte zur beruflichen Teilhabe bewerten und in einem kritischen Dialog mit den Beteiligten Handlungsempfehlungen entwickeln.

Im Mittelpunkt stehen Frauen mit unterschiedlichen Behinderungen an verschiedenen Stationen ihrer Berufsbiografie und Lebensführung. Damit stellen sich Fragen nach Hemmnissen und Chancen bei Berufseinstieg, beruflicher Qualifizierung, nach veränderten Lebensmustern sowie nach dem jeweiligen Beratungs-, Unterstützungs- und Assistenzbedarf. Besonders in den Blick genommen werden die spezifischen Anforderungen und Bedingungen von Frauen mit Betreuungspflichten aus ländlichen Regionen und Berufsanfängerinnen.

Das besondere Ziel dieses Forschungsprojektes ist es, aus bundesweit vorliegenden Ergebnissen innovativer Modelle und Initiativen jene Maßnahmen, Möglichkeiten und Förderinstrumente heraus zu arbeiten, die für Frauen mit Behinderungen (und Betreuungspflichten) bereits reale Teilhabechancen an beruflicher Rehabilitation und Erwerbstätigkeit geschaffen haben. Erfolgreiche Praxisbeispiele werden in Form von Fallstudien dokumentiert und daraus werden Folgerungen für die Benennung erforderlicher Rahmenbedingungen gezogen.

Vorgehensweise:
Mit Hilfe von Gruppeninterviews sowie schriftlichen Befragungen von Teilnehmerinnen an Ausbildungen, Umschulungen und (betrieblichen) Weiterbildungen sollen vor allem die Erfahrungen und Einschätzungen von Frauen mit Behinderungen - ihre Wünsche und Interessen an beruflicher Qualifizierung und betrieblicher Integration, ihre Unterstützungs- und Assistenzbedarfe in Beruf und Lebenswelt, erhoben werden. Denn vor allem aus ihrer Perspektive lassen sich Zugangshemmnisse in Betriebe und zu Weiterbildungen ermitteln, Fragen nach Gründen für die Unattraktivität bestimmter Angebote und nach neuen Erschwernissen in der Lebensführung beantworten.

Biografische Interviews mit Frauen, und hier auch mit Frauen, die eher ungewöhnliche Bildungswege oder Zugänge zur Erwerbsarbeit gesucht und beschritten haben, sollen individuelle Wege und Ansatzpunkte aufzeigen. In Gesprächen mit Professionellen (u. a. aus beruflicher Rehabilitation, begleitenden Diensten, initiativen Betrieben, Selbsthilfe- und Interessengruppen) soll herausgearbeitet werden, inwieweit die neuen Gesetzesbestimmungen bereits umgesetzt werden konnten, welche neuen Anforderungen an professionelles Handeln sich daraus ergeben und wo noch dringender Handlungsbedarf besteht.

Ein Beirat mit VertreterInnen aus Verbänden, Initiativen, Institutionen und Forschungseinrichtungen wird das Vorhaben aktiv und kritisch begleiten.



Beginn:

01.10.2002


Abschluss:

31.05.2004


Art:

Gefördertes Projekt


Kostenträger:


Bundesministerium für Gesundheit und Soziale Sicherung (BMGS)



Weitere Informationen


Referenznummer:

R/FO2718


Informationsstand: 20.08.2019