Lexikon zur beruflichen Teilhabe

Erläuterungen und Definitionen zu mehr als 450 Begriffen. Von A wie Ausgleichsabgabe bis Z wie Zuschüsse.

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Angaben zum Forschungsprojekt

Jobcoaching

Seit Dezember 1999 führt die Heilpädagogisch- Rehabilitationswissenschaftliche Fakultät der Universität zu Köln einen Modellversuch zur beruflichen Integration von bildungsbenachteiligten Jugendlichen durch. Das zentrale Anliegen besteht darin, Absolventinnen und Absolventen der Schule für Lernbehinderte möglichst frühzeitig in den ersten Arbeitsmarkt einzugliedern.

Das Konzept basiert auf den folgenden vier Prinzipien:

1. Individuelle Begleitung
Wichtige Entwicklungsaufgaben im Leben eines Jugendlichen werden dann mit großer Wahrscheinlichkeit erfolgreich gemeistert, wenn eine feste Bezugsperson zur Verfügung steht. Diese Erkenntnis aus den bisherigen Forschungsarbeiten zur sogenannten 'Resilienz' (psychische Widerstandsfähigkeit) stellt den Kern unseres Jobcoaching-Konzeptes dar. Vom Beginn der Abgangsklassen bis einige Monate nach Abschluss eines Ausbildungs- oder Arbeitsvertrages werden zwei bis drei Jugendliche jeweils von einem speziell geschulten Studierenden der Sonderpädagogik (Jobcoach) mehrere Stunden pro Woche individuell betreut und gefördert.

2. Unmittelbare Eingliederung in den ersten Arbeitsmarkt
Es existiert eine große Vielzahl an unterschiedlichen Programmen, mit deren Hilfe lernbehinderte Jugendliche an die Arbeitswelt herangeführt werden sollen. Viele dieser berufsvorbereitenden Maßnahmen dauern mehrere Jahre und finden in 'geschützten' Einrichtungen statt, die mit der Realität in einem echten Betrieb oft nur recht wenig zu tun haben. Damit eine ehemalige Förderschülerin beziehungsweise Förderschüler jedoch schnell und lange seine 'eigenen Brötchen' verdienen kann, sollte sie beziehungsweise er in der Regel möglichst bald mit dem ersten (also dem nicht sozial geförderten) Arbeitsmarkt in Kontakt kommen. Deswegen absolvieren die Jugendlichen bereits während ihres gesamten letzten Schuljahres ausgiebige Praktika in verschiedenen Betrieben.

3. Wissenschaftlich fundierte Förderung
Jugendliche mit Lernbehinderung erfüllen nicht immer alle Anforderungen, die in vielen Berufen an ihre Auffassungsgabe, ihre Leistungen in den Kulturtechniken (zum Beispiel Lesen, Schreiben und Rechnen) oder ihre emotionale Stabilität gestellt werden. Deshalb entwickeln und erproben die Universität zu Köln und andere wissenschaftliche Einrichtungen Möglichkeiten, mit deren Hilfe diese Bereiche speziell bei lernschwachen Kindern und Jugendlichen nachhaltig gefördert werden können. Im Rahmen der individuellen Betreuung durch die Jobcoaches setzen wir die jeweils wirksamsten dieser Ansätze (siehe Fördermodule) ein, um die Jugendlichen gezielt für diejenigen Tätigkeiten fit zu machen, die sie für ihre berufliche Laufbahn und im Leben am Dringendsten benötigen.

4. Systematische Beurteilung der Wirksamkeit
Die Entscheidung darüber, wie ein Jugendlicher mit Lernbehinderung am Besten in die Berufswelt eingegliedert werden kann, muss stets eine Frage der Profession bleiben. Es gibt zahlreiche Programme, die seit vielen Jahren mit den besten Absichten durchgeführt werden. Oftmals allerdings liegen hier keine objektiven Informationen darüber vor, inwieweit sie den Jugendlichen letzten Endes tatsächlich dabei helfen, auf dem ersten Arbeitsmarkt Fuß zu fassen. Den Erfolg unseres Projektes möchten wir daran messen lassen, wie viele der von uns geförderten Jugendlichen einige Monate nach Schulabschluss eine feste Anstellung auf dem ersten Arbeitsmarkt gefunden haben. Als Vergleichsbasis dient uns hierzu eine Parallelgruppe von Schulabgängerinnen und Schulabgängern, die von uns zwar erfasst, jedoch nicht aktiv von Jobcoaches gefördert wird.



Beginn:

01.12.1999


Abschluss:

30.11.2002


Art:

Gefördertes Projekt


Kostenträger:


Alfred Krupp von Bohlen und Halbach-Stiftung



Weitere Informationen


Referenznummer:

R/FO2733


Informationsstand: 25.05.2018