Lexikon zur beruflichen Teilhabe

Erläuterungen und Definitionen zu mehr als 450 Begriffen. Von A wie Ausgleichsabgabe bis Z wie Zuschüsse.

in Projekten blättern

Angaben zum Forschungsprojekt

Langzeitverlauf und sozialmedizinische Relevanz von metabolischen Osteopathien

1. Problemstellung, Ziele des Projektes

Metabolische Osteopathien sind sowohl in der Osteologie, die sich zumeist auf die postmenopausale Osteoporose der Frau bezieht, als auch in der Gastroenterologie kaum beachtet worden. Sie gehören zu den secundären Osteopathien, deren Vorkommen bei Frauen auf etwa 5-10 % aller Osteopathien und bei Männern auf immerhin ca. 50 % aller Knochenkalkmangelerkrankungen geschätzt wird. Zugrunde liegt aus gastroenterologischer Sicht häufig eine mangelnde Zufuhr von Vitamin D und Calcium, den wesentlichen Bausteinen des Knochens, die aber zudem noch einen intakten Magen-Darm-Trakt mit ungestörter Resorption von fettlöslichem Vitamin D und Calcium voraussetzen, was häufig durch Mangel an Galle- und Pankreassaft bzw. Umgehungskreislauf bzw. verminderte Darmresorptionskapazität nicht gegeben ist. In der Gastroenterologie betrifft dieses Patienten nach Magenresektion, mit Leber- und Pankreaserkrankung, mit chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen sowie mit Diabetes mellitus. Dabei ergeben sich überraschende Inzidenzen von etwa kumulativ 30 % Patienten mit Osteoporose und weitere 40 % mit Osteopenie (T < -1 bis <
-2,5). Das Durchschnittsalter liegt bei etwa 52 Jahren, so dass insbesondere auch jüngere Patienten und hiervon ein großer Teil Männer (Verzerrung durch mehr männliche Rehabilitanden) zu erheben ist.

Die Rehabilitation bei diesen Patienten erscheint auch in stationärer Form sinnvoll, da neben der Gesundheitsbildung zu den Hauptrisikofaktoren Rauchen und Alkohol auch die Integration von Aktivitäten verschiedener Berufsgruppen (Ärzte, Diätassistenten, Physiotherapeuten) gehört.

Der Langzeitverlauf und die sozialmedizinische Belastung bei secundär metabolischen Osteopathien sowie die Effekte eines Reha-Verfahrens sind bisher nicht bekannt. Das betrifft die Adhärenz an vorgeschlagener Medikation, die Teilnahme an Selbsthilfegruppen sowie die Häufigkeit des Auftretens von Frakturen/Körperlängenverlust sowie insbes. den natürlichen Verlauf in Abhängigkeit von der Grunderkrankung.

Weiterhin ist unklar, wieweit verschiedene Osteopathie-
Verlaufsformen, die sich aktuell während eines Reha-
Aufenthaltes feststellen lassen, anhalten. Man unterscheidet slow-loser (BAP und DPD im Normbereich; mangelnder Knochenanbau) von fast-losern (BAP oder DPD erhöht; vermehrter Knochenabbau). Es wäre von Interesse zu erfahren, ob diese Patienten unterschiedliche Krankheitsverläufe (Knochenmasseverlust) aufweisen.

Gerade für die Arbeiterrentenversicherung mit einem hohen Anteil von Patienten, die auf ihre körperliche Arbeitskraft angewiesen sind, ist es von Interesse zu erfahren, wieweit die Arbeitsfähigkeit bei Osteoporose-
Patienten in besonderem Maße gefährdet ist.

2. Stand der Forschung - eigene Vorarbeiten

In der Klinik Rosenberg sind aus dem Jahre 1998 retrospektiv und aus dem Jahre 1999 prospektiv etwa 1000 Patienten aus den obigen Krankheitsgruppen erfasst worden mittels Osteodensitometrie, bei der sich die obigen Prozentsätze (20 % Osteoporose, 40 % Osteopathie, 40 % normale Knochendichte) ergeben haben. Zusätzlich sind die Patienten mit pathologischen Knochenwerten (< T -1) serologisch untersucht worden auf erhöhten Knochenabbau bzw. mangelnden Knochenanbau. Dies ist ein bisher einmaliger Patientenpool, der längerfristig nachverfolgt werden sollte.

3. Methodik / Forschungsansatz

Neuerliche Erfassung dieser 1000 Patienten und Motivation zur erneuten Knochendichtemessung bzw. serologischen Bestimmung ca. 3-4 Jahre nach Erstdiagnose. Zusätzliche Erfassung bisher stattgehabter Frakturen, Kontrolle der Körperlänge, Rückfrage nach Änderung des Risikoverhaltens bzw. Einnahme entsprechender Medikamente sowie Teilnahme an gesundheitsbildenden Aktivitäten (Selbsthilfegruppen, Gymnastik, etc.). Erfassung sozialmedizinischer Aspekte (AU-Tage / Berentung).

Um eine vergleichbare Knochendichte zu erhalten, müssen die Patienten in der Klinik Rosenberg mit dem gleichen Gerät gemessen werden; wir schätzen eine 50 %ige Teilnahmecompliance.

4. Zu erwartendes Ergebnis / Relevanz

Erwartet wird eine erstmalige und aufgrund des Krankengutes ausreichend aussagefähige Beschreibung des Spontanverlaufs bzw. von Therapieeffekten bei diesem Patientengut und Aussagen über die Krankheitsbelastung (Frakturen, AU-Zeiten), differenziert nach verschiedenen Verlaufsformen (slow-losern und fast-losern).



Beginn:

01.05.2000


Abschluss:

30.04.2002


Art:

Eigenprojekt



Weitere Informationen


Referenznummer:

R/FO2824


Informationsstand: 25.07.2003