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Lexikon zur beruflichen Teilhabe

Erläuterungen und Definitionen zu mehr als 450 Begriffen. Von A wie Ausgleichsabgabe bis Z wie Zuschüsse.

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Angaben zum Forschungsprojekt

Wissenschaftliche Begleitforschung zum Modellprojekt 'Persönliches Budget für behinderte Menschen in Baden-Württemberg'

Eingebettet in internationale Entwicklungen werden seit einigen Jahren in Deutschland die bisherigen Versorgungsstrukturen und Hilfskonzepte für Menschen mit Behinderungen zunehmend hinterfragt. In der Bundesrepublik Deutschland erhalten Menschen mit Behinderungen Hilfe und Unterstützung in Form von sog. Sachleistungen. Die Konzeption dieser Leistungen sowie die Regelung der Finanzierung obliegt den Leistungsträgern und Leistungserbringern in der Rehabilitation. Menschen mit Behinderung werden dadurch überwiegend auf die Rolle des passiven Hilfeempfängers verwiesen. In die Kritik geraten ist - neben den fehlenden Mitsprachemöglichkeiten hinsichtlich der Gestaltung von Leistungen - die strukturell bedingte Vernachlässigung von Kompetenzen und Ressourcen von Menschen mit Behinderung (Stichwort: 'erlernte Hilflosigkeit'). Diese Strukturen sehen sich zunehmend konfrontiert mit den neuen Leitbildern der Selbstbestimmung und der Partizipation (siehe 'Selbstbestimmt-Leben-Bewegung', SGB IX).

Durch die Einführung von Geldleistungen - sog. Persönlicher Budgets - an die Nutzer von Hilfe- und Unterstützungsleistungen soll die bisherige anbieterorientierte Angebotsentwicklung durch eine nutzerorientierte Steuerung ersetzt bzw. ergänzt werden.

Persönliche Budgets sind als Regelangebot in den Niederlanden, Großbritannien und Schweden eingeführt. In der Bundesrepublik Deutschland finden Modellprojekte zur Einführung Persönlicher Budgets derzeit in Rheinland-Pfalz und Hamburg statt. Insgesamt verdeutlichen die bisherigen Erfahrungen, dass es einen 'Königsweg' zur Gestaltung persönlicher Budgets nicht gibt.

Unterschiedliche sozialrechtliche Rahmenbedingungen, sozialstaatliche Traditionen und sozialstrukturelle Versorgungsmuster bedingen eine erhebliche Spannweite hinsichtlich der einbezogenen Personen, der Verfahren der Antragstellung und -bewilligung, der Ausstattung der Budgets etc. Allen Konzepten gemeinsam ist die zentrale Frage, inwieweit sich subjektbezogene Anliegen - insbesondere erweiterte Selbstbestimmungsmöglichkeiten von Menschen mit Behinderung - mit ökonomischen Anforderungen - insbesondere die effiziente Steuerung begrenzter öffentlicher Mittel - in Einklang bringen lassen. Das Bundesland Baden-Württemberg stellt sich innerhalb des Modellversuchs 'Einführung Persönlicher Budgets' diesem Problem.

Die Aufgaben der wissenschaftlichen Begleitung erstrecken sich in der Planungs- und Vorbereitungsphase des Modellversuch auf die inhaltliche, methodische und organisatorische Beratung (z. B. was den einzubeziehenden Personenkreis, die Vereinbarung der Bestandteile eines Persönlichen Budgets/ der beteiligten Reha-Träger, die Gestaltung der Rahmenbedingungen, die zu berücksichtigenden Leistungsarten, das Assessmentverfahren und die Kriterien der Leistungsbemessung etc. anbelangt).

In einer zweiten Phase gilt es den Modellversuch zu evaluieren. Dies soll durch eine Kombination theoretisch-methodischer Evaluationskonzepte erfolgen (summative und formative Evaluation). D.h. in Abstimmung mit den beteiligten Gremien sollen die Ziele des Vorhabens so eindeutig formuliert werden, dass sich aus ihnen Kriterien der Zielerreichung operationalisieren lassen (summative Evaluation), zum anderen gewährleistet eine Prozessbegleitung, mögliche Schwachstellen oder Fehlsteuerungen frühzeitig zu erkennen und zu Korrekturen beizutragen.

Die Evaluation des Modellversuchs ist weiter durch eine multiperspektivische Herangehensweise, gekennzeichnet. Diese nimmt die verschiedenen Gruppen in den Blick (Budgetnehmer/-innen, Angehörige/ gesetzliche Betreuer, bewilligende Stellen/ Reha-Träger, leistungserbringende Dienste, Beratungsstellen/ Selbsthilfegruppen) und entwickelt aus den übergeordneten Zielen Fragestellungen für die Dokumentationen, Befragungen und Strukturerhebungen.

Während des gesamten Projektverlaufs wird der rechtliche Regelungsbedarf sowie die Kosten-Leistungsrechnung (differenziert in direkte und indirekte Kosten) erhoben. Die gewonnenen Erkenntnisse sollen münden in:

- Empfehlungen zur Fortsetzung des Programms 'Persönliches Budget', insbesondere unter dem Blickwinkel des Nutzens für Menschen mit Behinderung

- Entwicklung konkreter Vorschläge zur Gestaltung der Rahmenbedingungen

- Beschreibung ökonomischer Anforderungen

- Darlegung von Hinweisen bezüglich des weiteren gesetzlichen Regelungsbedarfs

- Darlegung der Auswirkungen auf die Sozialleistungsstruktur des Landes Baden-Württemberg

- Bei Fortsetzung des Programm: Entwicklung der erforderlichen Leitfäden und Instrumentarien



Beginn:

01.11.2001


Abschluss:

31.10.2004


Art:

Modellprojekt / Wissenschaftliche Arbeit



Weitere Informationen


Referenznummer:

R/FO2964


Informationsstand: 09.01.2020