Lexikon zur beruflichen Teilhabe

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Angaben zum Forschungsprojekt

Wissenschaftliche Begleitforschung der Modellprojekte 'Trägerübergreifendes Persönliches Budget'

Ausgangslage
Mit der Einführung des Sozialgesetzbuches IX im Jahre 2001 wurde in Deutschland die rechtliche Grundlage dafür geschaffen, dass Menschen mit Behinderung anstelle von Sachleistungen ein Persönliches Budget (Geldleistung) in Anspruch nehmen können (§ 17 Abs. 2 SGB IX).
Das Persönliche Budget ist ein pauschaler Geldbetrag, der sich an den individuellen Hilfebedarfen orientiert und Menschen mit Behinderung ermöglicht, die erforderlichen Unterstützungsleistungen in eigener Verantwortung 'einzukaufen' bzw. zu organisieren. Dadurch sollen die Selbstbestimmungsmöglichkeiten und Steuerungschancen von Menschen mit Behinderung in Bezug auf ihre Lebensgestaltung erhöht und die Erbringung von Leistungen insgesamt wirksamer und wirtschaftlicher gestaltet werden.
Sind im Einzelfall mehrere Leistungsträger beteiligt, kann ein Persönliches Budget leistungsträgerübergreifend ('wie aus einer Hand') erbracht werden. Dies macht im stark gegliederten deutschen Rehabilitationsrecht eine Kooperation der beteiligten Leistungsträger sowie eine Koordination der Leistungen erforderlich. Da in Deutschland insgesamt bislang noch wenig Erfahrungen mit der Ausgestaltung Persönlicher Budgets vorliegen, sieht der Gesetzgeber Modellerprobungen zum 'Trägerübergreifenden Persönlichen Budget' vor, bevor es im Jahre 2008 ein Rechtsanspruch auf ein Persönliches Budget geben soll. Hierbei sollen insbesondere modellhaft Verfahren zur Budgetbemessung und die Weiterentwicklung von Angebotsstukturen unter wissenschaftlicher Begleitung und Auswertung erprobt werden.

Inhalte und Ziele
Das Bundesministerium für Gesundheit und Soziale Sicherung hat den Forschungsverbund bestehend aus den Universitäten Tübingen ( Z.I.E.L.), Dortmund (Rehabilitationssoziologie) und der Pädagogischen Hochschule Ludwigsburg (Fakultät für Sonderpädagogik in Reutlingen) mit der Begleitforschung der Modellprojekte 'Trägerübergreifendes Persönliches Budget' beauftragt.

Ziel der wissenschaftlichen Begleitforschung ist es, förderliche und hinderliche Bedingungen für die Leistungserbringung in Form eines Persönlichen Budgets zu identifizieren und hieraus praxisnah Handlungsempfehlungen für den Gesetzgeber, die Leistungsträger und Leistungserbringer abzuleiten.

Die Aufgaben der wissenschaftlichen Begleitforschung liegen darin,
- in den 14 Modellregionen die Planung und Umsetzung der Erprobungen zu begleiten und beratend zu unterstützen.
- den Austausch zwischen den Modellregionen zu gewährleisten. Dazu werden in regelmäßigen Abständen Workshops und überregionale Arbeitstreffen organisiert. Darüber hinaus wird eine Kommunikationsplattform im Internet geschaffen, die auch die Information über die Modellregionen hinaus gewährleisten soll.
- die Wirkungen (Trägerübergreifender) Persönlicher Budgets zu analysieren und zu bewerten. Diese Evaluation richtet ihr Augenmerk auf die Lebenssituation der Budgetnehmer/innen und ihr soziales Umfeld, die Verwaltungsabläufe sowie Entwicklungen der regionalen Dienstleistungsstrukturen.

Modellregionen
Die Modellprojekte finden in insgesamt 14 Modellregionen in acht Bundesländern statt.
Aufgabe in den Modellregionen vor Ort ist es, für die Umsetzung Persönlicher Budgets erforderliche Rahmenbedingungen (Verwaltungsverfahren, Unterstützungsangebote, Beratung usw.) zu gestalten, um etwa 50 Menschen mit Behinderung pro Region Persönliche Budgets zu ermöglichen.

Die Universität Dortmund begleitet die Modellregionen
Düsseldorf
Bielefeld (Nordrhein-Westfalen)
Landkreis Trier-Saarburg
die Stadt Trier
Bernkastel-Wittlich (Rheinland-Pfalz),
Kreis Segeberg,
Kreis Schleswig-Flensburg (Schleswig-Holstein).

Die Universität Tübingen begleitet die Modellregionen
München
Mittelfranken (Bayern)
Groß-Gerau
Marburg-Biedenkopf (Hessen)
Magdeburg mit ausgewählten Landkreisen (Sachsen-Anhalt)
Gera (Thüringen)
Friedrichshain/ Kreuzberg (Berlin).

An der PH Ludwigsburg-Reutlingen sind die Aufgaben der Konzeption und der Auswertung der quantitativen und qualitativen Datenerhebungen gebündelt.

Methoden
- Verlaufsdokumentation von der Antragstellung bis zur Bewilligung (bzw. Ablehnung) eines Persönlichen Budgets
- Schriftliche und mündliche Befragung von Menschen mit Behinderung, ggf. Angehörigen und gesetzlichen Betreuer/ innen
- Schriftliche Befragung von Leistungsträgern und Dienstleistungsanbietern
- Beratung und Begleitung der regionalen Arbeitskreise und Dokumentation
- Wissenstransfer in überregionalen Arbeitskreisen, Workshops, Internet-Plattform



Beginn:

01.10.2004


Abschluss:

30.06.2007


Art:

Gefördertes Projekt


Kostenträger:


Bundesministerium für Arbeit und Soziales (BMAS)
(vorher Bundesministerium für Gesundheit und Soziale Sicherung, BMGS)



Weitere Informationen


Referenznummer:

R/FO3285


Informationsstand: 20.08.2019