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Angaben zum Forschungsprojekt

Evaluation einer Planungsintervention mit telefonischer Nachsorge zur Aufrechterhaltung körperlicher Aktivität im Alltag

Hintergrund:

Die Nachhaltigkeit von Maßnahmen der medizinischen Rehabilitation ist oft nicht optimal. Den Patienten gelingt es z. T. nicht, die in der Rehabilitation initiierten Verhaltensänderungen langfristig weiterzuführen und in ihren Alltag zu integrieren. Daher werden Nachsorgemaßnahmen gefordert, um den Transfer zu verbessern. Von besonderer Bedeutung für Patienten mit Adipositas mit Ko- oder Folgemorbidität ist eine langfristige Umstellung des Ernährungs- und Bewegungsverhaltens, um eine in der Rehabilitation erreichte Gewichtsreduktion langfristig zu stabilisieren. Für körperliche Aktivität haben sich Interventionen zur Planung der Umsetzung im Alltag in der kardiologischen und orthopädischen Rehabilitation als erfolgreich erwiesen. Um Patienten mit Adipositas bei der Integration von körperlicher Aktivität in den Alltag zu unterstützen und die langfristige Umsetzung zu fördern, wurde eine Planungsintervention mit telefonischer Nachsorge kombiniert.

Das Projekt:
Im Rahmen des Projekts wurde eine telefonische Nachsorge untersucht, die die Patienten dabei unterstützen sollte, auch im Alltag nach der Rehabilitation weiterhin körperlich aktiv zu sein. Sie richtete sich speziell an Patienten mit Adipositas. In diesem Nachsorge-Programm wurde bereits während der Rehabilitation die Fortführung von Bewegungsaktivitäten zu Hause vorbereitet (ein Gruppengespräch, eine Einzelberatung). Nach der Rehabilitation wurden die Teilnehmer über einen Zeitraum von sechs Monaten durch eine Sporttherapeutin darin unterstützt, ihre Pläne umzusetzen (sechs Telefongespräche).

Um die Wirksamkeit der Nachsorge zu überprüfen, wurden zwei Behandlungsbedingungen verglichen:
1. das bewährte Rehabilitationsprogramm ohne die Nachsorge;
2. das bewährte Rehabilitationsprogramm mit der telefonischen Nachsorge.
Patienten, die bereit waren, an der Studie teilzunehmen, wurden per Zufall einer der beiden Gruppen zugewiesen.
Die Hauptfragestellung der Studie lautete: Haben Patienten mit Adipositas durch die zusätzliche Nachsorge bessere Behandlungsergebnisse als durch die Standard-Rehabilitation allein? Der Erfolg wurde an den folgenden beiden Maßen festgemacht: körperliche Aktivität und Körpergewicht 6 und 12 Monate nach der Rehabilitation.

Ergebnisse des Projekts:
Insgesamt nahmen 467 Patienten an der Studie teil, deren Daten ausgewertet werden konnten. Das Alter der Teilnehmer lag zwischen 18 und 64 Jahren und betrug im Durchschnitt 48 Jahre. 55% der Teilnehmer waren Männer. Der Großteil war erwerbstätig (88%). Zu Reha-Beginn betrug das mittlere Körpergewicht in der Stichprobe 110 kg, der mittlere BMI (Body Mass Index = Körpergewicht in kg/(Körpergröße in m)²) lag bei 36. Etwa die Hälfte der Teilnehmer (228 Personen) erhielt die telefonische Nachsorge.

Welche Erfahrungen wurden mit der telefonischen Nachsorge gemacht?
Unsere Erfahrungen zeigen, dass die telefonische Nachsorge sehr gut durchführbar ist. Die Teilnehmer waren meist gut zu erreichen und führten im Mittel 5 Telefonate mit der Therapeutin, die im Durchschnitt jeweils 8 Minuten dauerten. Die angerufenen Studienteilnehmer äußerten sich sehr zufrieden mit der Nachsorge: Nach Abschluss der telefonischen Nachsorge wurde diese auf einer Schulnotenskala im Durchschnitt mit 1.6, also zwischen "sehr gut" und "gut" bewertet. 88% der Nachbetreuten - also die große Mehrheit - würden die Nachsorge "ganz sicher" oder "ziemlich sicher" weiterempfehlen. Einige Teilnehmer äußerten aber auch den Wunsch, dass die Nachsorge länger als sechs Monate dauern solle.

Welche Veränderungen gibt es nach der Rehabilitation?
Für die Teilnehmer beider Gruppen (Rehabilitation ohne Nachsorge, Rehabilitation mit Nachsorge) können wir positive Auswirkungen 6 und 12 Monate nach der Rehabilitation nachweisen:
- das Gewicht reduziert sich
- mehr körperliche Bewegung
- eine gesündere Ernährung
- eine bessere Lebensqualität.

Welche Unterschiede gibt es zwischen den beiden Gruppen (Rehabilitation ohne Nachsorge, Rehabilitation mit Nachsorge)?
Hauptziel der Nachsorge war es, körperliche Aktivität zu fördern. Zu körperlicher Aktivität zählen Alltagsaktivitäten (z. B. Wege, die man zu Fuß oder mit dem Rad zurücklegt), Freizeitaktivitäten (z. B. Spaziergänge) und Sport. Hier hat die Nachsorgegruppe besser abgeschnitten als die Gruppe, die Rehabilitation ohne Nachsorge erhalten hat. Die Gruppe mit Nachsorge ist sechs Monate nach der Rehabilitation im Durchschnitt eine Stunde pro Woche länger körperlich aktiv als die Gruppe ohne Nachsorge, 12 Monate nach der Rehabilitation sind es noch 54 Minuten. Was das Körpergewicht angeht, unterscheiden sich die beiden Gruppen sechs und 12 Monate nach der Rehabilitation aber nicht voneinander. Das heißt: Durch die zusätzliche telefonische Nachsorge konnte ein besserer Behandlungserfolg im Hinblick auf Bewegung erreicht werden, nicht jedoch im Hinblick auf eine Reduktion des Körpergewichts. Allerdings fördert schon eine Zunahme der Bewegung für sich genommen die Gesundheit und vermindert das Krankheitsrisiko - unabhängig davon, ob sich auch das Gewicht vermindert hat.

Fazit:

Die Intervention erwies sich als gut umsetzbar bei einem überschaubaren Zeitaufwand und hoher Akzeptanz durch die Teilnehmer. Sie hat sich als wirksam zur nachhaltigen Förderung körperlicher Aktivität erwiesen. Zur weiteren Optimierung kann eine Ausweitung des Nachsorge-Zeitraums auf 12 Monate in Betracht gezogen werden. Eine Adaptation für andere Indikationsbereiche ist möglich.



Beginn:

01.03.2008


Abschluss:

31.08.2011


Art:

Gefördertes Projekt / Studie


Kostenträger:


Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF)



Weitere Informationen


Abstract

Evaluation of a planning intervention with telephone aftercare for physical activity

The effects of medical rehabilitation often tend to decrease over time. Patients have difficulties in maintaining lifestyle-changes in the long run and implementing them into their everyday life. Therefore a planning intervention for physical activity in combination with telephone aftercare, which aims to facilitate the perpetuation of lifestyle changes, is offered for obese patients.

The aim of the study is to evaluate the effects of the combined treatment (inpatient rehabilitation plus planning intervention and aftercare) compared to inpatient rehabilitation alone. Primary outcome measures are weight reduct ion and physical activity.

A randomized, controlled study is employed with data collection at the beginning and end of inpatient rehabilitation as well as after 6 and 12 months. 618 patients will be included in the study.

Materials for the intervention wi ll be generated (manuals for planning intervention and telephone calls) which can be used to implement the intervention in other rehabilitation hospitals.


Referenznummer:

R/FO3701


Informationsstand: 15.06.2018