Lexikon zur beruflichen Teilhabe

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Angaben zum Forschungsprojekt

Motivationstraining für Rehabilitanden: Klärung berufsbezogener Ziele und Beratung zur Umsetzung, Entwicklung und Evaluation einer Interventionsmaßnahme (ZAZO)

Hintergrund

Berufliche Motivation, psychisches Wohlbefinden und Selbstregulationskompetenzen stehen in Zusammenhang mit einer erfolgreichen beruflichen Wiedereingliederung nach Rehabilitationsmaßnahmen. Mit dem Ziel, bei Rehabilitanden die berufliche Motivation zu fördern, volitionale Steuerungsprozesse (Selbstregulation und Selbstkontrolle) zu verbessern, berufliche Zielorientierung zu stärken und damit die Zielerreichungswahrscheinlichkeit zu erhöhen, wurde auf der Grundlage des Diagnostikinstrumentes für Arbeitsmotivation (DIAMO) und bestehender Trainings ein neues Gruppentraining (ZAZO - Zielanalyse und Zieloperationalisierung) für den Rehabilitationsbereich entwickelt und evaluiert.

Aufbau des Trainings

Im ersten Modul geht es zunächst um die Generierung individueller beruflicher Anliegen und Wünsche. Mithilfe von vielfältigen Bildern (Postkarten), die die Probanden zu Beginn auswählen, sollen positive somatische Marker aktiviert werden (Storch et al. 2003). Somatische Marker sind objektiv messbare körperliche Signale, die mit dem emotionalen Bewertungssystem zusammenhängen und die die neurobiologische Basis des Motivationssystems bilden (Damasio 2001). Ziel der angeleiteten Imaginationsübung ist die Verknüpfung wünschenswerter beruflicher Zielvisionen mit positiven Emotionen, um eine motivationale Bedürfnislage (Anreiz) zu schaffen, die zur Zielverfolgung beiträgt.

Im zweiten Modul geht es um die Zielanalyse. Hier werden konkrete Überlegungen zur Formulierung der jeweiligen individuellen Ziele angeregt und gemeinsam durchgearbeitet. Nach dem Rubikonmodell von Heckhausen sind die Phasen der Absichtsbildung und der Zielbindung die Grundlage für die Aktivierung der Motivation. Um das Commitment (Zielbindung) zu stärken, werden in diesem Modul Ziele so formuliert, dass sich die Wahrscheinlichkeit der Zielerreichung erhöht. Drei Kriterien für ein handlungswirksames Ziel sind nach Storch zum einen die positive Formulierung (Annäherungsziel), die hohe Kontrollierbarkeit (Selbstwirksamkeit) und die konkrete Formulierung des Ziels als Handlungsziel.

Im dritten Modul geht es um die Zieloperationalisierung, d. h. die einzelnen Schritte die notwendig sind, um das jeweilige Ziel zu erreichen. Basierend auf dem Motivational Structure Questionnaire (MSQ) von Cox und Klinger (1986), die ungünstige motivationale Strukturen von Alkoholabhängigen identifizierten, wurden einzelne Skalen zur Zieloperationalisierung entwickelt. Auf einer 10 stufigen Skala ordneten die Probanden ihre Ziele hinsichtlich diverser Skalen ein. Damit konnten Zielkonflikte identifiziert, bearbeitet und priorisiert werden.

Im vierten Modul geht es um die Ressourcenaktivierung und die konkrete Zielannäherungsplanung. Nach Grawe (1999) ist die Ressourcenaktivierung ein nachgewiesener Wirkfaktor des Veränderungsprozesses in der Psychotherapie. Das Ressourcenkonzept umfasst daher die bewusste und unbewusste Nutzung der vorhandenen Ressourcen. In diesem Modul ging es um die Bewusstmachung der eigenen vorhandenen Stärken, die im Rahmen der konkreten Zielannäherungsplanung (kleinschrittiges Vorgehen) genutzt werden konnte, um Vorhandenes und gut Funktionierendes optimal zu nutzen. Die Vermittlung von Transferstrategien (z. B. mentale Simulation), die Bildung von Patenschaften sowie die Ausgabe des Teilnehmerskriptes dienen der langfristigen Installierung des Gelernten in den Alltag.

Evaluation des Trainings

Patienten und Methode

In einem quasi-experimentellen Längsschnittdesign wurden 207 Rehabilitanden untersucht (111 Trainingsgruppe/ 96 Kontrollgruppe), wobei die Trainingsgruppe ergänzend zur herkömmlichen Reha-Behandlung an dem berufsbezogenen Training (ZAZO) teilnahm. Die Trainingsevaluation erfolgte mittels verschiedener Skalen zu t1 (Beginn), t2 (Ende des Trainings) und t3 im Follow-Up nach 4 Monaten. Eingesetzt wurden Ska-len zur Erfassung der beruflichen Motivation, des Wohlbefindens, des Reha-Status, der Selbstregulationskompetenzen und der subjektiven Erwerbsprognose. Erwartet wurden - als direkte Trainingseffekte - eine Förderung der Arbeitsmotivation und der subjektiv eingeschätzten Erwerbsprognose. Damit einhergehend sollten sich indirekte Effekte positiv auf das subjektive Wohlbefinden auswirken. Langfristig wird durch das Training eine verbesserte berufliche (Re-)Integration erwartet.

Ergebnisse

Die Teilnehmer der Trainingsgruppe zeigten auf einzelnen Skalen des Diagnostikinstrumentes für Arbeitsmotivation (DIAMO) signifikant höhere Werte (Neugiermotiv, Ein-stellung zur Arbeit, Anschlussmotiv) als die Kontrollgruppe. Vor allem auf der Skala zur Erfassung der subjektiven Prognose der Erwerbsfähigkeit, ein reliables Instrument und wichti-ger Prädiktor für die zukünftige berufliche Wiedereingliederung, zeigten sich deutliche Interaktionseffekte (p=0.004***). Das ZAZO Training führte zu einer Verbesserung der Arbeitsmotivation und der subjektiven Prognose der Erwerbsfähigkeit, die sich günstig auf die berufliche Orientierung auswirkt.

Diskussion

Erste Evaluationsergebnisse des ZAZO Trainings belegen dessen positiven Effekt auf die Arbeitsmotivation und die subjektive Erwerbsprognose. Ergebnisse der Trai-ningsevaluation belegen eine gute Akzeptanz bei den Teilnehmern (93,3% = eher zufrieden bis sehr zufrieden). Das Einbinden des Gruppentrainings in vorhandene Reha-Programme kann die berufliche (Re-)Integration begünstigen und damit langfristig zu einer Kostenreduktion bei den Rentenversicherungsträgern beitragen.



Beginn:

01.01.2006


Abschluss:

31.03.2009


Art:

Gefördertes Projekt


Kostenträger:


Gesellschaft für Rehabilitationswissenschaften Nordrhein-Westfalen e. V.



Weitere Informationen


Referenznummer:

R/FO3759


Informationsstand: 20.08.2019