Lexikon zur beruflichen Teilhabe

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Angaben zum Forschungsprojekt

Berufliche Belastungserprobung als integrierter Bestandteil der psychosomatischen Rehabilitation - Evaluation im Rahmen eines randomisierten Kontrollgruppendesigns: Indikationen, Prädiktoren, Wirksamkeit. Teilprojekt: Tiefenpsychologischer Ansatz

Projektziele:

Ziel des Forschungsvorhabens ist die Evaluation der Effektivität und Effizienz der integrierten Beruflichen Belastungserprobung im Rahmen eines tiefenpsychologischen (Bad Neustadt) und eines verhaltenstherapeutischen (Klinik Roseneck) Ansatzes. Die Hauptfragestellungen lauten:
(1) Welchen Einfluss hat die Berufliche Belastungserprobung (BE) auf die Erhaltung und Wiederherstellung der Arbeitsfähigkeit, Rückkehr ins Erwerbsleben und berufsbezogene Motivation?
(2) Für welche Patienten ist die BE indiziert?
(3) Was sind Prädiktoren für die erfolgreiche Rückkehr ins Erwerbsleben?
Übereinstimmendes Forschungsdesign und Messverfahren in beiden Teilprojekten ermöglichen die therapieschulenübergreifende Prüfung des Behandlungskonzepts und den Transfer zu anderen Kliniken mit unterschiedlichen therapeutischen Ausrichtungen.

Studiendesign:

Es handelt sich um eine prospektive, randomisierte Studie. In beiden Kliniken werden jeweils 100 Patienten, die die gemeinsamen Screeningkriterien für die BE-Teilnahme erfüllen, der Interventions- und der Kontrollgruppe zugewiesen. Die Befragung erfolgt zur Aufnahme, vor Entlassung und 3 und 12 Monate nach Entlassung mit den projektübergreifenden Skalen des Bayerischen Forschungsverbundes. Zusätzlich werden spezifische Meßverfahren zu beruflichen Belastungen und Einstellungen erhoben. Selbsteinschätzungen der Leistungsfähigkeit werden zur Mitte und zum Ende der BE mit den Beurteilungen der betrieblichen Vorgesetzten an der Praktikumsstelle verglichen.

Erste Ergebnisse:

In der Psychosomatischen Klinik Bad Neustadt (Tiefenpsychologischer Ansatz) erfüllten 329 von insgesamt 1590 gescreenten Patienten die Einschlusskriterien und wurden randomisiert der Interventions- bzw. Kontrollgruppe zugewiesen. Entsprechend den Hypothesen berichteten Teilnehmer der Interventionsgruppe bei Entlassung positivere berufsbezogene Einstellungen, die in den bislang vorliegenden Katamnesedaten nicht stabil bleiben. Wie vorhergesagt bestand bei BE-Teilnehmern vergleichen mit Nichtteilnehmern bei Entlassung kein Unterschied bzgl. anderer Behandlungsbeschwerden. Teilnehmer an der BE entwickelten im Verlauf des Praktikums ein positiveres Selbstbild und schätzten ihr Arbeitsverhalten sowie sozialkommunikative Fähigkeiten realistischer ein. Sie näherten sich damit dem insgesamt positiveren Fremdurteil durch den Anleiter an. BE-Teilnehmer wurden am Ende der Behandlung häufiger in berufsbezogene Rehamaßnahmen vermittelt.

Aus den bisherigen Ergebnissen der 3-Monats-Befragung wissen wir, dass zu diesem Zeitpunkt nur ein Teil der Patienten in das Erwerbsleben zurückgekehrt ist. Ein Teil der ehemaligen Patienten war sehr darüber enttäuscht, trotz intensiver Bemühungen keine geeignete Arbeitsstelle zu finden oder nicht dauerhaft seinen Arbeitsplatz ausfüllen zu können, andere äußerten sich erleichtert, nicht mehr arbeiten zu müssen. Nach 12 Monaten zeigten sich jedoch erste positive Befunde hinsichtlich der beruflichen Wiedereingliederung. Betrachtet man die Veränderung der Beschäftigung zwischen der Aufnahme in die Klinik und der 12-Monats-Katamnese, so ist folgendes zu beobachten:
Der Anteil der Berufstätigen hat v. a. bei den BE-Teilnehmern zugenommen, während der Anteil der Arbeitslosen abgenommen hat. Bei den Patienten der Kontrollgruppe bzw. denjenigen, die nicht an der BE teilgenommen haben, zeigt sich dieser Trend nicht, es findet sogar ein leichter Rückgang in der Beschäftigung, verglichen mit dem Zeitpunkt der Aufnahme in die Klinik, statt. Nach Klinikentlassung ergaben sich in der 12-Monats-Katamnese weitere bedeutsame Unterschiede zwischen Interventions- und Kontrollgruppe. Es war zu beobachten, dass die BE-Teilnehmer seltener und kürzer arbeitsunfähig waren als die Patienten der anderen beiden Untersuchungsgruppen.

Es lässt sich also zum aktuellen Zeitpunkt zusammenfassen:

* Teilnehmer an der Belastungserprobung berichteten am Ende der Behandlung positivere berufliche Einstellungen und Prognosen für die Wiederaufnahme der Tätigkeit
* 3 Monate nach Entlassung zeigten sich noch keine Unterschiede hinsichtlich der beruflichen Wiedereingliederung in den Untersuchungsgruppen
* 12 Monate nach Entlassung war eine Zunahme der Beschäftigung bei den Teilnehmern an der BE und eine Abnahme in der Kontrollgruppe sowie bei den Verweigerern/ Abbrechern der BE zu beobachten.
12 Monate nach Entlassung war die Arbeitsunfähigkeitsdauer in der Gruppe der BE-Teilnehmer am niedrigsten.

Projekt C1b:
Die Belastungserprobung im Rahmen eines verhaltenstherapeutischen Behandlungssettings

Forschungsverbund Bayern



Beginn:

01.10.1998


Abschluss:

31.12.2001


Art:

Verbundprojekt / Gefördertes Projekt / Studie


Kostenträger:


Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF)
Deutsches Zentrum für Luft- und Raumfahrt e. V. - DLR Projektträger des BMBF
Deutsche Rentenversicherung Bund



Weitere Informationen


Abstract

Work-Related Training as an Integrated Component of Psychosomatic Rehabilitation - A Randomized Controlled Trial: Indication, Predictors of Outcome, Effectiveness

Unresolved work-related stresses contribute significantly to psychosomatic disorders. Especially patients with prolonged sick leaves need additional therapeutic measures in order to promote vocational reinteration. We provide patients with practical job-related experiences under realistic conditions (i.e. in companies in the region). Work-related stresses can be observed under naturalistic conditions and feedback from patients and supervisors enables therapists to work on these issues. Therapeutic insights can be tested at the workplace. Diagnostic accuracy can be improved. These propositions are tested systematically in a randomized controlled trial in a psychodynamic treatment setting and compared to a behavioral setting (in a multicenter study).


Referenznummer:

R/FOFVB1C1a


Informationsstand: 20.08.2019