Lexikon zur beruflichen Teilhabe

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Angaben zum Forschungsprojekt

Prädiktive Validierung von Therapiezielen am Frühberentungsrisiko 3 - 5 Jahre nach der Rehabilitation

Hintergrund:

Das Ziel der von den Rentenversicherungsträgern gewährten Rehabilitationsmaßnahmen kann negativ konkretisiert werden als Vermeidung oder zumindest zeitliche Verzögerung von Frühberentungen. Die Ausprägung dieses Kriteriums kann jedoch nicht direkt nach der Rehabilitationsmaßnahme, sondern erst weit in der Zukunft festgestellt werden. Um den Effekt von Rehabilitationsmaßnahmen dennoch zeitnah beurteilen zu können, werden als Erfolgskriterien die in der Rehabilitation mehr oder weniger konkretisierten und operationalisierten 'Therapieziele' herangezogen.

Fragestellung:

Bislang gibt es keine abgesicherten Erkenntnisse darüber, ob tatsächlich mit einem niedrigeren Frühberentungsrisiko gerechnet werden kann, wenn bei Therapiezielparametern substantielle Verbesserungen während einer Rehabilitationsmaßnahme erreicht werden konnten. In dem Projekt geht es darum, Zusammenhänge zwischen Therapiezielen der Rehabilitation und übergeordnetem Rehabilitationsziel empirisch zu ermitteln.

Studiendesign:

Die Studie ist als eine prospektive multizentrische Kohorten-Studie angelegt. Zur Beantwortung der Studienfragen werden die Therapiezielvariablen als Prädiktoren der Frühberentung an Rehabilitanden mit hauptsächlich muskuloskelettalen oder kardiovaskulären Erkrankungen sowohl arzt- als auch patientenseitig erhoben. Die Kohorte soll fünf Jahre lang in jährlichen Abständen mit einer postalischen Befragung hinsichtlich der Zielvariablen (z. B. Frühberentung, AU-Zeiten, Inanspruchnahme des medizinischen Versorgungssystems) verfolgt werden.

Ergebnisse:

Die Ergebnisse unserer Analyse bestätigen die Annahme über bestehende Unterschiede zwischen den Antragstellern auf vorzeitige Berentung und den Nichtantragstellern. Die Antragsteller weisen schlechtere Skalenwerte als ihre Mitrehabilitanden auf. Die Gruppe der Antragsteller verbessert sich im Allgemeinen zwar, weist aber insgesamt schwächere Therapieerfolge auf, so dass sich der Abstand zwischen Antragstellern und Nichtantragstellern bis zum Ende der Rehabilitationsmaßnahme vergrößert hat.

Eine Besonderheit stellen Patienten mit der Diagnose "Fibromyalgie" dar. Diese Kohorte weist ähnlich den Antragstellern deutlich schlechtere Werte auf als der Rest des Patientenkollektivs und hat prozentual den größten Anteil von Personen mit Antrag auf Frühberentung. Die Fibromyalgiepatienten bessern sich ungefähr gleich stark während des Rehabilitationsaufenthaltes wie ihre Mitrehabilitanden, so dass sich der Unterschied zwischen den Gruppen nicht verändert. Die "Charakteristik" oder das Belastungsprofil beider Gruppen bleibt größtenteils erhalten.

Diejenigen Probanden, die keine weitere Rehabilitationsmaßnahme durchlaufen schneiden hinsichtlich des IRES-Gesamtwertes deutlich besser ab als solche, die in den Genuss von weiteren Maßnahmen gekommen sind. Dabei ist die Anzahl der weiteren Maßnahmen meist unerheblich für das angegebene Belastungsniveau.
Von den 65 möglichen Therapiezielen ist nur eine Handvoll bedeutsam. Hauptsächlich sind dies orthopädische Ziele (insgesamt 40% der Nennungen: Ver-besserung der Beweglichkeit, der Muskelkraft; Schmerz- und Gewichtsreduktion). Sozialmedizinische Parameter (Verbesserung des Informationsstandes, krankheitsgerechtes Verhalten, Techniken zur Stressbewältigung) tauchen ebenfalls auf, sind aber mit jeweils unter 10% weniger bedeutsam. Bezüglich der Therapiezielerreichung haben viele Parameter eine geringe Varianz und den Modalwert von 1. Bei bis zu 75% der Probanden gaben die Ärzte an, dass das Therapieziel gerade erreicht worden sei. Bemerkenswert ist die relativ geringe Übereinstimmung bei der Beurteilung des Rehabilitationserfolges zwischen Patientenangaben (Mittelwertdifferenzen der IRES-Dimensionen) und Arztangaben (Zielereichungsgrad). So erlaubt der Therapiezielerreichungsgrad keine Prognose über den Reha-Erfolg aus Patientensicht.

Bei rein deskriptiver Betrachtung erweist sich die bloße Nennung der Therapieziele Schmerz- und Gewichtsreduktion als negativ relevant für den Erwerbsstatus fünf Jahre nach der Rehabilitation. Es sind keine geschlechtsspezifischen Unterschiede zu beobachten. Bei der rein bivariaten Untersuchung (ohne Adjustierung) des Therapieerfolgs nach einzelnen Therapiezielen, erweisen sich die ‚klassischen' orthopädischen Therapieziele als signifikant (Schmerzreduktion, Lockerung der Muskulatur, Verbesserung der Muskelkraft und Verbesserung der Beweglichkeit).

Ein etwas anderes Bild ergeben die multivariaten Regressionsmodellen nach dem Proportional Hazard Modell von Cox. Auch hier zeigte sich, dass ein höheres Alter ein statistisch signifikanter Risikofaktor für eine Erwerbsunfähigkeit im Verlauf der Nachbeobachtung war. Eine günstige Selbsteinschätzung der Patienten zu Reha-Beginn bezüglich der körperlichen Funktionsfähigkeit und des Schmerzstatus war mit einem deutlich geringeren Risiko für eine Erwerbsunfähigkeit im Verlauf der Nachbeobachtung assoziiert.

Im Gegensatz zu den logistischen Regressionsmodellen war die Nennung von Therapiezielen durch den Arzt zu Reha-Beginn nicht assoziiert mit dem Risiko für eine Erwerbsunfähigkeit im Verlauf der Nachbeobachtung. Allerdings zeigte sich für die Therapieziele Schmerzreduktion und Verbesserung des Informationsstand (bei den MSK-Patienten für Schmerzreduktion und Erlernen von Strategien und Techniken zur Selbstkontrolle) ein signifikant erhöhtes Risiko für eine Erwerbsunfähigkeit im Verlauf der Nachbeobachtung bei den Patienten, bei denen der Arzt dieses Therapieziel zu Reha-Beginn genannt hat, deren Erreichungsgrad aber kleiner als 100% war.



Beginn:

01.01.2000


Abschluss:

31.01.2007


Art:

Verbundprojekt / Gefördertes Projekt / Studie


Kostenträger:


Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF)
Deutsches Zentrum für Luft- und Raumfahrt e. V. - DLR Projektträger des BMBF
Deutsche Rentenversicherung Bund



Weitere Informationen


Abstract

Short-term therapy success of in-patient rehabilitation in Germany and long-term risk of early retirement in patients with musculoskeletal diseases

Objective: To evaluate the prognostic value of various short-term rehabilitation outcome parameters on early retirement by means of a prospective cohort study.
After adjustment for sex, age and patient outcomes risk for early retirement was significantly increased for patients with only partial therapy success (HR 1.3-4.5). Patients with full therapy success were at the same risk like patients who did not have this therapy goal.
Conclusion: short-term therapy outcome might be of prognostic relevance of patients' long-term employment status.


Referenznummer:

R/FOFVB3C2


Informationsstand: 13.06.2018