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Lexikon zur beruflichen Teilhabe

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Angaben zum Forschungsprojekt

Autonome Dysregulation bei Patienten mit Angst-Panik- und Somatoformen Störungen: Effekte eines aeroben Trainings

Forschungsinhalt:
In dem Forschungsprojekt wurde anhand einer randomisierten, kontrollierten Studie untersucht, ob bei den klinisch besonders problematischen Gruppen von Patienten mit einer Angst- oder somatoformen Erkrankung, die sich durch eine Dysfunktion der autonomen kardiovaskulären Regulation auszeichnen, durch ein systematisches aerobes Trainingsprogramm eine Normalisierung dieser Regulationsstörung zu erzielen ist. Dies in der Erwartung, dadurch auch den Rehabilitationserfolg dieser Patientenpopulation zu steigern. Gleichzeitig wurde an der Teilgruppe von Patienten ohne autonome Dysfunktion der Einfluss des Trainings auf die autonome Regulation überprüft. Als diagnostisches Verfahren zur Prüfung der autonomen kardiovaskulären Regulation kam die Analyse der Herzratenvariabilität mit spektralanalytischen Verfahren zur Anwendung, das sich in einer Vielzahl von methodisch orientierten Studien als valides, nicht invasives Maß erwiesen hat.

Methodik:

Es wurden Patienten mit Angststörungen (ICD10: F40, F41) und mit Somatoformen Störungsbildern (ICD10: F45) einbezogen. Mit Hilfe einer Screening-Untersuchung im Labor (Ruhe und mentale Belastungsvorgabe) wurden Patienten zu T1 mit defizitärer autonomer kardiovaskulärer Regulation und solche mit besser erhaltener Regulation (medianhalbiert anhand der Baroreflex-Sensitivität) identifiziert. Jeweils die Hälfte jeder Gruppe ( beeinträchtigt und unbeeinträchtigt) wurde per Zufall einem von zwei Behandlungssträngen zugeteilt. Zwei Gruppen wurden entsprechend dem standardisierten Behandlungsvorgehen unserer Klinik für diese Patienten behandelt (Kontrollgruppe mit (KGLow) und ohne autonome Dysregulation (KGNorm)). Die beiden anderen Subgruppen erhielten zusätzlich zum Standardangebot ein kontinuierliches, die aerobe Fitness steigerndes Ausdauertraining angeboten (Experimentalgruppe mit (EGLow) und ohne Dysregulation (EGNorm)). Zum Abschluss der stationären Behandlungsphase fand bei allen Gruppen erneut im Labor die Überprüfung des autonomen Regulationsstatus statt (T2). Eine dritte Erhebung (T3) schloss sich nach 6 Monaten an. In der Zwischenzeit haben die Patienten der Experimentalgruppe weiter selbständig trainiert. Eine ausführliche Befragung (FFKA), sowie monatliche telefonische Kontakte, erlaubten die Abschätzung der absolvierten körperlichen Aktivität. Parameter der Befindlichkeit und affektive Veränderungen wurden mit etablierten Fragebogen erhoben.

Ergebnisse:

Insgesamt wurden 139 Patienten zu T1, 127 zu T2 und 89 zu T3 einbezogen (Drop out von T1 nach T3 = 36%). Die 89 Patienten mit vollständigem Datensatz werden zur Auswertung herangezogen. 50 Patienten gehören zur Experimentalgruppe (27 Low (20 weiblich); 23 Norm (18 w)) und 39 zur Kontrollgruppe (19 Low (14 w); 20 Norm (16 w)). 65% (EG: 68%; KG: 62%) der Patienten weisen eine Angststörung auf, 35% (EG: 32%; KG: 38%) eine Somatisierungsstörung. Die Teilnahme an der Trainingsgruppe (EG) führte zu einer signifikanten Steigerung der körperlichen Leistungsfähigkeit, der Gesamtaktivität sowie, erwartungsgemäß, der sportlichen Betätigung. Diese hielt auch noch zum Katamnesezeitpunkt T3 an, obwohl ca. 50% der Patienten der EG ihr anfängliches Trainingspensum nicht gehalten haben. Die positiven Effekte des aeroben Trainings auf die autonome Regulation fielen nicht so stark aus wie erwartet. Dennoch korrelierte der Zuwachs der Baroreflex-Sensitivität für die Gesamtgruppe signifikant mit dem Zuwachs an sportlicher Aktivität. Die Veränderungen waren jedoch auf die Patienten mit unbeeinträchtigter Regulationslage beschränkt. Bei stark beeinträchtigter Regulation konnten mit der gewählten Intervention keine Verbesserungen mehr erreicht werden. Die Herzratenvariabilität zeigte sich bei der Experimentalgruppe vergrößert. Die Reaktivität der Baroreflex-Sensitivität auf mentale Belastung wird infolge des anaeroben Ausdauertrainings in der Tendenz reduziert. Auf der Ebene psychologischer Effekte wurden vor allem Angst-, aber auch Depressionswerte in der trainierten Gruppe positiv beeinflusst. Ferner ergab sich eine Steigerung der subjektiv empfundenen Vitalität und der körperlichen Schmerzen und eine Verringerung empfundener Beschwerden. Die positiven Veränderungen waren wiederum bei den autonomen unbeeinträchtigten Patienten stärker ausgeprägt.

Forschungsverbund Freiburg



Beginn:

15.11.2002


Abschluss:

15.02.2004


Art:

Gefördertes Projekt / Studie


Kostenträger:


Bundesministerium für Bildung und Forschung - BMBF
Deutsche Rentenversicherung Bund



Weitere Informationen


Abstract

Autonomic dysregulation in anxiety and somatization disorder: effects of an aerobic exercise training

A substantial number (15-20%) of patients with anxiety and somatization disorders show dysfunctions of the autonomic nervous system.
The main focus of our study is on direct benefits of aerobic exercise in impaired autonomic cardiovascular regulation and on its reactivity to a mental challenge within those patient groups.
The study is conducted on anxiety and somatization disorder in patients of our Psychosomatic Hospital. They are randomly assigned to groups that recieve either standard treatment (control group) or additionally take part in an exercise training (experimental group: heart rate oriented jogging 3 times a week for 30 min).
For statistical evaluation the two groups were further subdivided at the median of BRS (6.8 ms/mmHg) into a control group with (CG-Dys, n=17) and one without autonomic dysfunction (CG-Norm, n=21) and correspondingly into one experimental group with (EG-Dys, n=18) and one without dysfunction (EG-Norm, n=15).

Participants are tested immediately after recruitment (T1), after 4 weeks (T2) and after 6 months (T3). An autonomic function test captures relevant changes in autonomic control and its reactivity (heart rate variability and baroreflex-sensitivity derived non invasiveley from spectral analysis of heart rate and blood pressure), an ergonomic test establishes aerobic fitness, and the level of acivity is assessed by a questionnaire.

The analysis of the yet available data of T1 and T2 show that the baroreflex-sensitivity, parasympathetic tone, diastolic blood pressure and heart rate were altered by the training as a diminished response to the mental challenge procedure in the subgroup of patients without autonomic dysfunction. This group is obviously better able to counter the challenging task demands


Referenznummer:

R/FOFVB3D8


Informationsstand: 29.11.2019