Lexikon zur beruflichen Teilhabe

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Angaben zum Forschungsprojekt

Evaluation neuropsychologischer Trainingsprogramme nach intensivierter onkologischer Therapie (ENTOR): Kontrolliert-randomisierte Vergleichsstudie computergestützter versus konventioneller Trainingsprogramme

Hintergrund:

In den vergangenen Jahren ist eine zunehmende Forschungsaktivität zum Problemkreis therapiebedingter kognitiver Folgestörungen bei Tumorpatienten zu verzeichnen. Konzentrierte man sich zunächst auf die Evaluation der Effekte hämatopoetischer Stammzelltherapien (HSCT), so dokumentieren neuere Arbeiten auch die Möglichkeit neuropsychologischer Beeinträchtigungen durch konventionelle Chemotherapie (CHT) und andere therapeutische Strategien wie Immuntherapien oder antihormonelle Therapien. Aufgrund methodischer Schwächen und erschwerter Vergleichbarkeit der vorliegenden Befunde sind zentrale Fragen weiterhin ungeklärt. So liegen beispielsweise Prävalenzschätzungen für Brustkrebspatientinnen nach adjuvanter CHT in Abhängigkeit von eingesetzten Testinstrumenten und Klassifikationskriterien zwischen 18 und 75%. Wiederholt zeigten sich geringe Korrelationen zwischen den Ergebnissen neuropsychologischer Testdiagnostik und den Selbstaussagen betroffener Patienten, was den Einbezug psychosozialer Messinstrumente in ein differenziertes Studiendesign notwendig macht. Bislang liegen keine Daten zur Effektivität neuropsychologischer Rehabilitationsprogramme für Patienten mit nicht das ZNS betreffenden Neoplasien vor.

Ziele und Fragestellungen:

Die Studie untersuchte die kurz- und mittelfristigen Effekte von zwei spezifischen neuropsychologischen Interventionen gegenüber einer Kontrollgruppe (KG) ohne spezifisches Treatment im Rahmen einer stationären onkologischen Rehbailitationseinrichtung.

Studiendesign:

Im Rahmen eines teilweise kontrolliert-randomisierten Studiendesigns wurden Patienten aus zwei Zielgruppen ( Mammakarzinompatientinnen nach adjuvanter CHT; PatientInnen mit malignen Systemerkrankungen nach HSCT) durch ein spezifisches Screening für neuropsychologische Beeinträchtigung untersucht und bei Vorliegen entsprechender Defizite einer von zwei Interventionsbedingungen (ergotherapeutisch geleitetes Gruppentraining, computergestütztes Einzeltraining) oder der KG ohne spezifisches Treatment zugewiesen (N=191) und zu drei Messzeitpunkten (t1: Klinikaufnahme; t2: Ende der stationären Rehabilitation; t3: ambulante Katamnese nach 6 Monaten) untersucht. Evaluationsmaße waren neuropsychologische Leistungsparameter mit Schwerpunkt auf Aufmerksamkeit und Gedächtnis, die subjektive Einschätzung der kognitiven Leistungsfähigkeit im Alltag, psychische Befindlichkeit, Lebensqualität, somatische Krankheitsvariablen, sowie soziodemographische Daten.

Ergebnisse:

Auf der Basis unseres neuropsychologischen Screenings, das wir bei insgesamt 452 Patienten durchführten, fanden wir zum Aufnahmezeitpunkt hohe Prävalenzraten für kognitive Defizite in beiden Zielgruppen ( Mammakarzinompatientinnen: 47,1%; HSCT-Patienten: 61,1%). Als spezifische Risikofaktoren für Mammakarzinompatientinnen erwiesen sich CHT nach dem CMF-Protokoll und zusätzliche adjuvante antihormonelle Therapie. Risikofaktoren für HSCT-Patienten waren allogene Transplantation, sowie weibliches Geschlecht. In der Untersuchung der Verläufe für die drei Behandlungsgruppen ließen sich keine signifikanten Effekte der beiden Interventionsformen nachweisen. Wir sahen eine ausgeprägte allgemeine Tendenz zu Leistungssteigerungen über alle neuropsychologischen Zielparameter hinweg, insbesondere im Zeitraum T1-T2. Zwischen T2 und T3 schwächte sich dieser Verbesserungstrend deutlich ab. Wir fanden zum letzten Messzeitpunkt eine relevante Teilgruppe von Patienten mit nachweisbaren langfristig persistierenden neurokognitiven Einschränkungen. Als vorsichtige Prävalenzschätzungen für die beiden Zielgruppen unserer Studie würden wir Quoten von ca. 10% für die Mammakarzinompatientinnen nach adjuvanter CHT und ca. 16% für die HSCT-Patienten angeben. Wie schon andere Forschungsgruppen vor uns fanden wir durchgängig nur geringe Korrelationen zwischen den Resultaten der neuropsychologischen Testverfahren und der subjektiven Selbsteinschätzung der alltagsbezogenen geistig-mentalen Leistungsfähigkeit. Insgesamt ergeben sich aus den Selbsteinschätzungen eher höhere Prävalenzraten als die von uns oben angegeben. Die differenzierte Untersuchung des langfristigen Verlaufs solcher Defizite, die Identifikation potentieller Risikofaktoren, die Implikationen dieser therapiebedingten Störungen für die berufliche und soziale Rehabilitation, sowie die Entwicklung effektiver Therapiestrategien für die Subgruppe der langfristig beeinträchtigten Patienten stellen wichtige Perspektiven für zukünftige Forschung dar.

Forschungsverbund Freiburg



Beginn:

15.11.2001


Abschluss:

31.12.2004


Art:

Verbundprojekt / Gefördertes Projekt / Studie


Kostenträger:


Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF)

Deutsche Rentenversicherung Bund



Weitere Informationen


Abstract

Evaluation of neuropsychological training programmes following intensified oncological therapy: a controlled randomised comparative study of computer-aided training versus conventional programmes

Background:
Although the neurotoxicity of many antineoplastic substances has been known for long, only little empirical investigation was carried out regarding neuropsychologic deficits following oncological therapies. While initially research was concentrated mainly on patients having undergone high-dose chemotherapies, recent studies now also reveal and document the possibility of neuropsychologic impairments arising with 'conventional' chemotherapies. Often empirical studies show little correlation between the results of formal neuropsychological testing and the patients' subjective perception; this necessitates the integration of psychosocial measuring instruments into a differentiated study design. Up to date, there is no single study on the efficiency of neuropsychological rehabilitation programmes for patients with neoplasies not affecting the CNS.

Objectives and topics:
This study is designed to investigate the short- and medium-term effects of two specific neuropsychological interventions against a control group without any specific treatment. In addition to a differentiated comparison of the two trainings with regard to their effects on the level of neuropsychologic functions, correlations with various psychosocial parameters will also be investigated.

Design of the Study:
Within the framework of a controlled and randomised study, patients from two target groups (breast cancer patients after adjuvant chemotherapy and patients with malignant system diseases after haematopoetic stem cell therapy) are examined for neuropsychologic impairment by means of a special screening; in case of existence of deficits they are assigned to one of the two intervention groups (group training led by a specialized occupational therapist or computer-aided single training) or to the control group without any specific treatment (N=210).
Dates of measurement: t1 = hospitalisation; t2 = end of rehabilitation phase; t3 = 6 months after end of rehabilitation.

Evaluation is carried out using neuropsychological parameters focussing on processes of attention, memory, the patients' subjective assessment of their cognitive performance in everyday life, psychic state, life quality, coping with the disease, somatic disease variables and relevant sociodemographical data.


Referenznummer:

R/FOFVB3D9


Informationsstand: 14.06.2018