Lexikon zur beruflichen Teilhabe

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Angaben zum Forschungsprojekt

Prädiktion der misslungenen Krankheitsbewältigung und des Rehabilitationsbedarfs beim chronisch-komplexen Tinnitus

Diskussionsgegenstand:

Ein Charakteristikum des Krankheitsbildes des chronischen Tinnitus ist, dass ca. 70-80 % der Betroffenen gut mit den Beschwerden zurechtkommen, jedoch 20-30 % unter gleichartigen Beschwerden massive Folgen im psychosozialen Bereich beklagen. Die Ursachen hierfür sind in den persönlichen Bewältigungsmöglichkeiten und in 'konkurrierenden' Belastungen zu vermuten. Zur Klärung der Gründe der Dekompensation sind prospektive Untersuchungen spätestens vom Auftreten des Tinnitus an notwendig, welche bislang weltweit kaum unternommen wurden.

Ziele und Fragestellungen:

Ziel der Studie ist die Aufklärung der Bedingungen der misslungenen vs. der gelungenen Krankheitsbewältigung beim Tinnitus. Es ist beabsichtigt, aufgrund der Ergebnisse ein Screening- Instrument zur Abschätzung des Risikos einer Dekompensation bei akut erkrankten Patienten zu erstellen. Weiter werden Kostenschätzungen bezüglich der direkten, indirekten und volkswirtschaftlichen Kosten sowie deren Vergleich bei kompensiert und dekompensiert erkrankten Patienten durchgeführt.

Studiendesign:

In Kooperation mit der Poliklinik HNO der MHH und 5 weiteren, großen HNO-Praxen in und um Hannover werden insgesamt 250 akut erkrankte Tinnitus Patienten zeitnah zum Auftreten des Tinnitus audiometrisch und mittels Fragebogenerhebung untersucht. Nachuntersuchungen erfolgen 3 (t2), 12 (t3) und 24 (t4) Monate nach dem Erstuntersuchungszeitpunkt; zu t3 wird wieder ein Audiogramm und in einer Teilgruppe ein Interview durchgeführt. Zur Identifikation von Prädiktoren werden Gruppenvergleiche und Regressionsanalysen mit dem Kriterium der Dekompensation bzw. der Krankheitsfolgen durchgeführt.

Evaluationsdimensionen:
audiometrische Daten, Krankheitsfolgen des Tinnitus, Lebensqualität, psychosoziale Beeinträchtigungen, Persönlichkeitsdimensionen, Selbstwirksamkeitserleben und gesundheitsökonomisch relevante Variablen.

Erwartete Ergebnisse:

Das Verhältnis ungünstiger zu günstigen Verläufen kann erstmals unter kontrollierten Studienbedingungen gesichert werden. Es wird erwartet, dass Patienten mit ungünstigen Verläufen weniger parallele Belastungen haben, die mit dem Tinnitus um die gleichen Bewältigungsmöglichkeiten konkurrieren; weiterhin nehmen wir an, dass diese über weniger psychosoziale Ressourcen (Selbstwirksamkeit, Aktivitäten) verfügen. Aus den Ergebnissen werden sich Empfehlungen für die Zuweisungssteuerung und Interventionsplanung für die sekundäre und tertiäre Prävention ableiten.

Forschungsverbund niedersachsen/Bremen



Beginn:

01.11.2001


Abschluss:

31.10.2004


Art:

Verbundprojekt / Gefördertes Projekt / Studie


Kostenträger:


Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF)
Deutsches Zentrum für Luft- und Raumfahrt e. V. - DLR Projektträger des BMBF
Deutsche Rentenversicherung Bund



Weitere Informationen


Referenznummer:

R/FOFVB4B4


Informationsstand: 14.06.2018