Lexikon zur beruflichen Teilhabe

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Angaben zum Forschungsprojekt

Zukunftsstrategien für die Rehabilitation: Wirksamkeit und Qualitätsmanagement

Ziele:

Der Forschungsverbund will über den Aufbau und die Verstetigung von rehabilitationswissenschaftlichen Forschungsstrukturen in NRW zur Fundierung der wissenschaftlichen Basis der medizinischen Rehabilitation beitragen. Die Forschung erfolgt multiprofessionell und interdisziplinär sowie in Kooperation zwischen Hochschuleinrichtungen, Rehabilitationskliniken und den Kostenträgern der Rehabilitation. Durch diese Kooperation wird nicht nur vorhandene Forschungskompetenz genutzt und ausgebaut, sondern gleichzeitig die Umsetzung der Forschungsergebnisse in die Praxis befördert.

Inhaltliche Ausrichtung und Projektbereiche:
Eine wesentliche Forschungstradition des Verbundes, repräsentiert insbesondere durch seine beiden Leituniversitäten Bielefeld und Münster, sowie die beteiligten Rehabilitationseinrichtungen, besteht in klinischer Forschung bzw. Wirksamkeitsforschung und der Evaluation der Qualität der rehabilitativen Versorgung. Ein weiterer, für die Rehabilitationsforschung relevanter Schwerpunkt liegt in dem Bereich der Gesundheitssystemanalyse. Wirksamkeitsforschung, Evaluationsforschung und Systemanalyse tragen dazu bei, schrittweise Transparenz über die Effektivität von Leistungen und die Qualität der Versorgung zu gewinnen. Die inhaltliche Arbeit des Forschungsverbundes lässt sich daher den mit 'Prädiktoren und Wirksamkeit' sowie 'Rehasystem und Qualitätsmanagement' betitelten Projektbereichen zuordnen. Damit soll Forderungen Rechnung getragen werden, dass

- Maßnahmen der Rehabilitation auf der Basis eines Nachweises ihrer Wirksamkeit im Sinne einer 'evidence based medicine' erfolgen sollten,
- die Erbringung der Leistungen der Rehabilitation leistungs- und kostentransparent erfolgen sollte und die Leistungserbringer sich anerkannten Verfahren der Qualitätssicherung unterziehen.

Der Anspruch auf Patientenorientierung und Ganzheitlichkeit von Maßnahmen der Medizinischen Rehabilitation erfordert ein hohes Maß an komplexen und komplementären Leistungen, die nur in einem multiprofessionellen therapeutischen Team erbracht werden können. Medizinische und nicht-medizinische Leistungen müssen so angelegt sein, dass der Patient nicht nur als passiver Empfänger von Leistungen im Mittelpunkt steht, sondern vielmehr aktiv beteiligt ist. Dies soll insbesondere in den Kernprozessen der Rehabilitation, d. h. den interaktionsintensiven Prozessen der Leistungserstellung, wie z. B. Diagnostik und Therapieplanung, Beratung, Therapie und Schulung, geschehen. Moderne Konzepte der Qualitätssicherung setzen deshalb auf Ansätze, die versuchen, Aspekte von Struktur- und Prozessqualität zu verknüpfen in der Absicht, damit bessere Ergebnisse zu erzielen. Deshalb wird es für wichtig gehalten, dass nicht nur die Wirksamkeit von konkreten Maßnahmen der Rehabilitation Gegenstand der Forschung sein darf, sondern dass es ebenso bedeutsam ist, Rahmenbedingungen und Form einer geeigneten Umsetzung dieser Maßnahmen zum Gegenstand von Qualitätsforschung zu machen.

Die Forschungsthemen des Verbundes sind so zu vermitteln, dass sich hieraus konkrete Arbeitsfelder ableiten, die sich wiederum in den Einzelprojekten in konkrete Forschungsfragen, Hypothesen und Forschungsarbeiten umsetzen lassen. Gefördert durch eine themenorientierte Zuordnung der Projekte zu sog. Themenbereichen, wie z. B. 'Prädiktorenforschung', 'Rückkehr zur Arbeit' oder 'Information und Leistungstransparenz', wird eine stärkere inhaltliche Homogenität des Verbundes erreicht.

Idealerweise sollen sich in einer thematischen Zusammenarbeit dieser Projekte Synergieeffekte erzeugen und die in den verschiedenen Forschungsprojekten erarbeiteten Ergebnisse in einen größeren Zusammenhang stellen und in die Praxis umsetzen lassen. Das Forschungsprogramm für die Förderphase II stellt eine Mischung aus - für den Verbund - neuen Fragestellungen sowie Weiterentwicklungen und Vertiefungen von Fragestellungen aus bereits laufenden Forschungsvorhaben dar.

Die Vielfalt der Themen spiegelt sich auch in den zur Anwendung kommenden Forschungsmethoden wider. Zusätzlich zu Querschnitt- und prospektiven Längsschnittstudien, zu Experteninterviews und dem Quellenstudium finden kontrollierte Studien, auch multizentrische Ansätze zur Absicherung der Stichprobengewinnung sowie gesundheitsökonomische Elemente Anwendung. In einigen Studien wird in einem gestuften Verfahren mit einem Mix aus qualitativen und quantitativen Methoden gearbeitet (Triangulation).

Projektbereiche in der II. Förderphase Projektbereich 'Prädiktoren und Wirksamkeit':
Hier sind insgesamt 4 Projekte aus den Bereichen Kardiologie (2), Orthopädie (1) sowie Gastroenterologie (1) zugeordnet. Alle diese Studien beschäftigen sich jeweils aus ihrer Perspektive und in ihrem Indikationsbereich entweder in einem kontrollierten Studiendesign mit der Frage nach der Wirksamkeit innovativer Elemente der Rehabilitationsbehandlung oder sie erforschen in einem prospektiven Längsschnitt Prädiktoren von Rehabilitationserfolg. Die Projekte bearbeiten ähnliche Probleme aus unterschiedlichen Perspektiven, sie lassen sich jedoch gemeinsamen Themenbereichen zuordnen, welche die interne Homogenität der Forschung steigern. Gleichzeitig existieren aber auch zwischen den Themenbereichen inhaltliche wie methodische Schnittmengen, die ebenfalls dazu beitragen, den Ertrag des Verbundes größer werden zu lassen, als es die Summe seiner Einzelprojekte erbringen könnte.

Projektbereich 'Rehasystem und Qualitätsmanagement':
Hier sind 4 Einzelprojekte eingebunden, von denen zwei sich primär Fragen der Systemoptimierung und die übrigen Projekte Aspekten von Qualitätsberichterstattung sowie der Aus-, Fort- und Weiterbildung in der Rehabilitation als zentrales Element von Qualitätsmanagement zuwenden. Grundsätzlich haben hier alle Projekte einen explorativen Charakter, was sich i.d.R. in einem Mix aus qualitativen und quantitativen Methoden der empirischen Forschung niederschlägt. Ausnahme bildet das Projekt zur Aus-, Fort- und Weiterbildung, das als quasiexperimentelle Vergleichsstudie zu Effekten des Ausbildungsangebots angelegt ist.

Des weiteren sind dem Verbund eine Reihe von rehabilitationswissenschaftlichen Forschungsprojekten assoziiert, die über andere Mittel finanziert sind.

Organisation und Struktur:
Der NRW-Forschungsverbund besteht aus den vier tragenden Universitäten Bielefeld, Bochum, Münster und Witten-
Herdecke, den drei im Lande vertretenden Rentenversicherungsträgern Bundesknappschaft, LVA Rheinprovinz und LVA Westfalen, sowie mehr als 30 in der Rehabilitationspraxis tätigen Rehabilitationskliniken. Finanzielle Unterstützung erhält der Forschungsverbund zudem über seinen Förderverein, die Gesellschaft für Rehabilitationsforschung NRW e. V. (GfR), der neben den Rentenversicherungsträgern die Wittgensteiner Kliniken-Allianz-Gruppe sowie die MZG-Gruppe, Bad Lippspringe angehören, und über den Verein für Rehabilitationsforschung Norderney e. V., der einige assoziierte Projekte finanziert.
Der Verbund wird geleitet von einem Sprecher und einem stellvertretenden Sprecher, unterstützt von einem 8-köpfigen Vorstand, in dem neben den wissenschaftlichen Vertretern auch die beteiligten Rentenversicherungsträger repräsentiert sind. Die Geschäftsstelle des Verbundes ist angesiedelt an der Universität Bielefeld, Fakultät für Gesundheitswissenschaften.

Inhaltlich wird der Verbund begleitet durch einen wissenschaftlichen Beirat und eine Strategische Planungsgruppe, die sich aus Vertretern der Rehapraxis und der Rentenversicherungsträger sowie Vertretern aus Politik, Wirtschaft und sozialen Organisationen zusammensetzt. Ziel dieser Strategischen Planungsgruppe ist ein möglichst enger Praxisbezug der Forschung im NRW-Verbund. Wissenschaftlich erarbeitete Erkenntnisse sollen im Diskurs mit beteiligten Kostenträgern, Unternehmern, Vertretern der Gewerkschaften und anderen Entscheidungsträgern im Hinblick auf ihre Praxisumsetzbarkeit behandelt werden; aus diesem Kreise sollen zusätzliche befruchtende Ideen für Rehabilitationsforschung im NRW-Verbund entwickelt werden.

Zentrale Servicebereiche - Methodenberatung und Methodenabstimmung:
Der zentrale Servicebereich 'Methodenberatung und Methodenabstimmung' sieht eine qualifizierte Beratung der Verbundmitglieder in Fragen von Forschungsmethoden vor. Die Harmonisierung der Forschungsmethoden und des Forschungsdesigns zwischen den Einzelprojekten stellt ein weiteres wichtiges Arbeitsfeld dar. Schließlich ist die Schulung und Qualifizierung der Nachwuchswissenschaftler in rehabilitationswissenschaftlichen Forschungsmethoden, die projektübergreifende Evaluation sowie die psychometrische Optimierung der eingesetzten Verfahren Teil der Arbeit. Die methodische Beratung und Abstimmung erfolgt über die Methodenzentren Bielefeld (Epidemiologie, Forschungsdesign und medizinische Statistik) und Münster (Generische Methoden, projektübergreifende Datenauswertung).

Geschäftsstelle:
Die Arbeit der Geschäftsstelle des Verbundes ist weniger auf ein eigenes Forschungsergebnis als vielmehr auf die strukturelle Unterstützung und prozesshafte Begleitung der eigentlichen Forschungsprojekte des Verbundes und seiner Gremien gerichtet. Die Geschäftsstelle begleitet die Forschungsprojekte des Verbundes von der Antragstellung über die Darstellung/ Präsentation von Forschungsergebnissen bis zur Umsetzung/Verwertung dieser Ergebnisse. Insofern werden die im Rahmen des Forschungsverbundes anfallenden administrativen, kommunikativen und organisatorischen Aufgaben von der Geschäftsstelle in enger Zusammenarbeit mit den Sprechern und dem Vorstand entweder direkt erledigt oder koordiniert bzw. vermittelt.

Aktivitäten des Verbundes:
Der Forschungsverbund führt neben seinen laufenden, forschungsbezogenen Aktivitäten und den Jahrestagungen des Verbundes zusätzlich thematisch eingegrenzte Fachtagungen durch, um rehabilitationsspezifische Fragestellungen und Forschungsergebnisse vor einer größeren Öffentlichkeit zu präsentieren und mit Wissenschaftler/-innen und Praktiker/-innen verschiedener Fachrichtungen zu diskutieren. So wurde im September 2000 das Symposium 'Zukunft der Arbeit und Rehabilitation' in den Räumen der Deutschen Arbeitsschutzausstellung DASA in Dortmund durchgeführt, während am 22.02.2002 die Fachtagung 'Chronischer Rückenschmerz - multimodaler Therapieansatz zur Rehabilitation' im Universitätsklinikum Münster stattfindet.

Sonstiges:
Der Verbund ist außerdem bemüht, auch die nicht zu seinen Mitgliedern zählenden Rehabilitationswissenschaftler/- innen in die Aktivitäten des Verbundes einzubeziehen. Ein erster Schritt in diese Richtung ist die Öffnung der Methodenschulungen für die Mitarbeiter/-innen der Kliniken der beteiligten Rentenversicherungsträger. Darüber hinaus sind die Jahrestagungen des Verbundes, auf denen aktuelle Forschungsergebnisse der Verbundprojekte vorgestellt und diskutiert werden, einem breiten Fachpublikum zugänglich. So erfolgte im Rahmen der Jahrestagung im November 2001 ein Symposium unter Beteiligung von Kostenträgern und Mitgliedern der Strategischen Planungsgruppe zur Frage der konkreten Umsetzung von Forschungsergebnissen der 1. Förderphase.

Projektübersicht
1. Förderphase:

Projekt Q1
Aus-, Fort-, und Weiterbildung in der Rehabilitation

Projekt Q3
Krankheitsmanagement für die Rehabilitation

Projekt Z
Methodenberatung und Methodenkoordination

Projekt PW2
Evaluation der frühen prädiktiven Wertigkeit neuroradiologischer, neurophysiologischer und klinischer Daten in der Rehabilitation nach cerebralen Insulten

Projekt PW4
Krankheitsverarbeitung und Prädiktoren für Inanspruchnahme und Wirksamkeit von zielorientierten Rehabilitationsmaßnahmen bei kardiologischen Patienten

Projekt PW5
Prädiktoren der Wirksamkeit medizinischer Rehabilitation von Patienten mit chronischen darmassoziierten Beschwerden unter Berücksichtigung von Zuganssteuerung und Effizienz

Projekt PW6
Geschlechtsspezifische Unterschiede in der kardiologischen Rehabilitation

Projekt SM2
Systemforschung in der medizinischen Rehabilitation: Eine Analyse von Versorgungsabläufen und ihrer Steuerung

Projekt SM4
Die Reduktion rehabilitationsrechtlicher Schnittstellenprobleme - Bausteine auf dem Weg zu einem einheitlichen Rehabilitationsrecht

Projekt SM5
Partizipationsstrukturen und Nutzung von Daten zur Patientenzufriedenheit für die klinikinterne Qualitätsoptimierung - ein Systemvergleich BRD - NL

Projekte der 2. Förderphase

Projekt G2
Methodenberatung, Methodenkoordination, Instrumentenentwicklung und projektübergreifende Evaluation

Projekt PWII/4
Zielorientierte Beratung zur Rückkehr zur Arbeit: Eine multizentrische, kontrollierte Interventionsstudie;ZOBRA

Projekt PWII/6
Screening auf Rehabilitationsbedarf - Effektiv und Ökonomisch?

Projekt PWII/8
Prävention und Therapie traumaassoziierter psychischer Störungen von Unfallopfern in der Rehabilitation

Projekt PWII/9
Subjektive Patientenkonzepte und Rehabilitationspraxis in der kardiologischen Rehabilitation: Eine geschlechtsspezifische Analyse von Kongruenzen/ Inkongruenzen und deren Auswirkungen auf Compliance und Rehabilitationserfolg;SPUR

Projekt RQII/1
Vergleich onkologischer Rehabilitationsmaßnahmen und
-strukturen in Ländern der Europäischen Gemeinschaft

Projekt RQII/3
Qualitätsberichterstattung in der Rehabilitation - Qualitätskonzepte von Patienten, Medizinern und Sozialmitarbeitern

Projekt RQII/4
Bedarfsorientierte Entwicklung, Integration und Evaluation psychosozialer Aus,- Fort- und Weiterbildung für die Rehabilitation

Projekt RQII/5
Reform und Perspektiven des Leistungsrechts im gegliederten Rehabilitationssystem - Eine Untersuchung zur Ausgestaltung der rehabilitationsrechtlichen Leistungskataloge unter besonderer Berücksichtigung verfassungsrechtlicher Maßgaben



Beginn:

01.01.1998


Abschluss:

31.12.2004


Art:

Forschungsverbund / Gefördertes Projekt


Kostenträger:


Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF)
Deutsches Zentrum für Luft- und Raumfahrt e. V. - DLR Projektträger des BMBF
Deutsche Rentenversicherung Bund



Weitere Informationen


Referenznummer:

R/FOFVB6


Informationsstand: 04.12.2019