Lexikon zur beruflichen Teilhabe

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Bibliographische Angaben zur Publikation

Telearbeit: Förderungsmöglichkeiten: Finanzielle Leistungen an Arbeitgeber

In Teil 1: Hilfestellungen zur praktischen Einführung von Telearbeitsplätzen für behinderte Menschen



Sammelwerk / Reihe:

Telearbeit für behinderte Menschen, Band 272


Autor/in:

k. A.


Herausgeber/in:

Bundesministerium für Arbeit und Sozialordnung (BMA)


Quelle:

Bonn: Eigenverlag, 2002


Jahr:

2002



Abstract:


Finanzielle Leistungen an Arbeitgeber zur beruflichen Eingliederung von Schwerbehinderten bestimmen sich nach den Umständen des Einzelfalls Beschäftigungspflicht Arbeitgeber mit mindestens 20 Arbeitsplätzen sind nach dem SGB IX dazu verpflichtet, Behinderte zu beschäftigen und bei der Einrichtung und Ausstattung von Arbeitsstätten dafür zu sorgen, dass die dauerhafte Beschäftigung von Behinderten möglich ist.

Die Pflichtquote zur Beschäftigung schwerbehinderter Menschen wurde mit dem SGB IX von 6 Prozent auf 5 Prozent gesenkt. Das dauerhafte Absenken der Pflichtquote ist aber an eine Bedingung geknüpft: Gelingt es nicht, Oktober 2002 die Arbeitslosigkeit schwerbehinderter Menschen um rund 50.000 zu senken, gilt ab 2003 wieder eine Pflichtquote von 6 Prozent.

Investitions- und Gehaltskostenzuschüsse
Bei der Erfüllung ihrer Beschäftigungspflicht können die Arbeitgeber (bei Erfüllung bestimmter Voraussetzungen) differenzierte Unterstützungsmöglichkeiten in Anspruch nehmen. Gewährt werden diese Unterstützungen in Form von Investitionshilfen zur Schaffung behinderungsgerechter Arbeits- und Ausbildungsplätze sowie als Lohn- und Gehaltskostenzuschüsse bei der Einstellung von Schwerbehinderten.

Finanzielle Unterstützung zur Einrichtung geeigneter Arbeitsplätze erhalten insbesondere Arbeitgeber, die die Pflichtquote zur Beschäftigung Behinderter erfüllt haben, denen die behindertengerechte Einrichtung von Arbeitsstätten auf Grund unverhältnismäßiger Aufwendungen nicht zuzumuten ist oder die neue Arbeits- oder Ausbildungsplätze für bestimmte Gruppen von Schwerbehinderten (wie zum Beispiel ältere Arbeitnehmer, längerfristig arbeitsuchende Schwerbehinderte) schaffen.

Lohn- und Gehaltskostenzuschüsse können - bei Vorliegen bestimmter Voraussetzungen - Arbeitgeber unter anderem in Form von Arbeitsentgeltzuschüssen (bis zu 80 Prozent der Bruttolohnkosten für maximal drei Jahre) als Eingliederungshilfen zur Einarbeitung am neuen Arbeitsplatz oder als Ausbildungszuschüsse erhalten. Grundsätzlich gilt, dass die finanziellen Hilfen zur beruflichen Eingliederung auch der Telearbeit offen stehen, wobei die im Flgenden genannten Besonderheiten zu beachten sind.

Finanzielle Hilfen an Arbeitgeber für unbefristete, sozialversicherungspflichtige Beschäftigungsverhältnisse
Die wichtigste Bedingung für die Gewährung von finanziellen Hilfen an Arbeitgeber ist, dass generell nur sozialversicherungspflichtige Arbeits- und Ausbildungsverhältnisse gefördert werden. Dabei soll es sich um unbefristete Arbeitsverhältnisse handeln.

Befristete Arbeitsverhältnisse können nur in Ausnahmefällen, zum Beispiel , wenn Aussichten auf ein zukünftiges, unbefristetes Arbeitsverhältnis besteht, gefördert werden. Für nicht sozialversicherungspflichtige Arbeitsverhältnisse erhalten Arbeitgeber also keine finanziellen Hilfen zur beruflichen Eingliederung Schwerbehinderter. Die Förderung von Teilzeitarbeitsverhältnissen ist ausdrücklich vorgesehen.

Bei bestimmten Behinderungen sind Teilzeitarbeitsverhältnisse die einzig mögliche Beschäftigungsform. Diesem Sachverhalt wird Rechnung getragen, indem Arbeitgeber Gehaltskostenzuschüsse und Investitionshilfen auch bei der Einrichtung von Teilzeitarbeitsplätzen erhalten. Auch bei alternierender Telearbeit besteht Anspruch auf finanzielle Hilfe an Arbeitgeber. Die Erbringung der Arbeitsleistungen an verschiedenen Arbeitsstätten (im Betrieb, zu Hause, im Telehaus) eines Arbeitgebers durch den sozialversicherungspflichtig beschäftigten, schwerbehinderten Telearbeiter beeinträchtigt nicht den Anspruch des Arbeitgebers auf finanzielle Hilfen zur beruflichen Eingliederung.

Auch bei Telearbeit im Rahmen des Heimarbeitsgesetzes besteht Anspruch auf finanzielle Hilfen zur beruflichen Eingliederung Schwerbehinderter Unter bestimmten Bedingungen fällt Telearbeit unter das Heimarbeitsgesetz. Auch in diesem Fall behalten die genannten Fördermöglichkeiten ihre Geltung, da Heimarbeiter ebenfalls Arbeitnehmer im Sinne des Arbeitsförderungs- gesetzes sind.

Bei alternierender Telearbeit: Finanzielle Hilfen an den Arbeitgeber zur Einrichtung des zweiten Telearbeitsplatzes sind möglich Die Investitionshilfen an Arbeitgeber zur Schaffung neuer Arbeits- und Ausbildungsplätze und zur behindertengerechten Einrichtung bereits vorhandener Arbeits- und Ausbildungs-plätze stehen grundsätzlich auch für die Einrichtung von Telearbeitsplätzen zur Verfügung. Dies gilt auch für die Investitionshilfen zur innerbetrieblicher Umsetzung für Schwerbehinderte, die im Fall drohender Kündigung für die Einrichtung neuer Arbeitsplätze gewährt werden. Diese Investitionshilfen werden auch für die im Rahmen alternierender Telearbeit erforderliche Einrichtung eines zweiten Telearbeitsplatzes (in der Wohnung des schwerbehinderten Telearbeiters oder im Telehaus) gewährt. Unterhaltskosten (Laufende Kosten) für den alternierenden/häuslichen Telearbeitsplatz sind nicht förderungsfähig.

Die Förderung laufender Unterhaltskosten (zum Beispiel Mietanteil für Arbeitszimmer, Nebenkosten wie Strom, Heizung etc., Versicherungen, Netzkosten), die üblicherweise mit der Einrichtung eines häuslichen Telearbeitsplatzes oder eines zweiten Telearbeitsplatzes im Telehaus entstehen, ist im Rahmen der Investitionshilfen (§ 15 SchwbAV) nur in seltenen Ausnahmen möglich. Bedingung für die Übernahme dieser Unterhaltskosten ist, dass diese durch die Behinderung des Telearbeiters entstehen und dass die Kosten für den Arbeitgeber nicht zumutbar sind. Bei der derzeitigen Bewilligungspraxis wird - auch auf Grund von Art und Höhe dieser Kosten - in der Regel die Zumutbarkeit für den Arbeitgeber unterstellt.

Keine Nachteile in Hinblick auf die Beschäftigungspflicht für den Auftraggeber bei Telearbeit im Rahmen des Heimarbeitsgesetzes Für den Auftraggeber ergeben sich in Hinblick auf die Beschäftigungspflicht keine Nachteile, wenn der beschäftigte Schwerbehinderte häusliche Telearbeit leistet. Nach SGB IX werden Schwerbehinderte, die in Heimarbeit tätig werden und in der Hauptsache für den gleichen Auftraggeber arbeiten, auf die Pflichtplätze dieses Auftraggebers angerechnet.


Weitere Informationen:


Schlagworte:
Informationen in der ICF:


Mehr zum Thema:


Kapitelübersicht: Förderungsmöglichkeiten




Dokumentart:


Sammelwerksbeitrag




Bezugsmöglichkeit:


Bundesministerium für Arbeit und Soziales (BMAS)
Homepage: https://www.bmas.de/DE/Service/Medien/Publikationen/publikat...

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Referenznummer:

D0030


Informationsstand: 01.08.2002

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