Lexikon zur beruflichen Teilhabe

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Bibliographische Angaben zur Publikation

Telearbeit: Lösungsberater für Körperbehinderte

In Teil 2: Fallbeispiele



Sammelwerk / Reihe:

Telearbeit für behinderte Menschen, Band 272


Autor/in:

k. A.


Herausgeber/in:

Bundesministerium für Arbeit und Sozialordnung (BMA)


Quelle:

Bonn: Eigenverlag, 2002


Jahr:

2002



Abstract:


Einer der Pioniere in der Telearbeit ist Thomas Baumeister (Name geändert), langjähriger Mitarbeiter eines Unternehmens für Informationssysteme. Von 1992 bis 1994 arbeitete Herr Baumeister, der aufgrund einer Conterganschädigung seine Arbeit ohne die Hilfe seiner Arme bewältigt, drei Tage wöchentlich vernetzt von zu Hause aus für die Computerfirma, bei der er auch heute noch angestellt ist. Der Spezialist nutzt seine Erfahrungen nun, um Arbeitsämter, Hauptfürsorgestellen und Berufsgenossenschaften bei der Einrichtung von Computerarbeitsplätzen für behinderte Menschen zu beraten.

1992 wurde ihm von seinem Vorgesetzten im Rahmen eines Pilotprojekts des Unternehmens Telearbeit auf freiwilliger Basis angeboten. Für die Anwendungsentwicklungen und Softwaretests, mit denen Herr Baumeister sich damals beschäftigte, war der Arbeitsort nicht relevant, und so gestaltete er ein Zimmer seiner Wohnung zu einem Arbeitsplatz um. Diese außerbetriebliche Arbeitsstätte wurde von Unternehmensseite mit Spezialschreibtisch, Theke und der notwendigen technischen Ausrüstung ausgestattet. Der Schreibtisch ist etwas niedriger, die Tastatur inklusive Maus steht auf dem Boden und wird mit den Füßen bedient. Ein spezielles Spracherkennungssystem ermöglicht es Herrn Baumeister mittlerweile zusätzlich, direkt in den Computer zu diktieren.

Für Herrn Baumeister bedeutete Telearbeit vor allem die Möglichkeit, seine Arbeitszeit unabhängig einzuteilen. Allerdings gab es Probleme in der technischen Umsetzung. Die Übertragungsgeschwindigkeit zum Großrechner der Firma war mit 9600 bit/sek viel zu langsam. Als Nachteil von Telearbeit empfand er weiterhin, dass er sich sein Mittagessen nun selbst zubereiten musste und nicht mehr die sehr gute Kantine des Unternehmens nutzen konnte. Besonders die auftretenden technischen Schwierigkeiten führten dann dazu, dass Herr Baumeister das Projekt aufgab. Dennoch würde er heute gern einen zweiten Versuch wagen.

Für viele der damaligen Probleme liegen jetzt Lösungen vor: ISDN- Anschlüsse mit 64.000 bit/sek. sind mittlerweile Standard, und damit besteht kaum ein Unterschied zwischen einem inner- und außerbetrieblichen Arbeitsplatz. Ein sozialer Hilfsdienst, der Essen auf Rädern anbietet, könnte dem Versorgungsproblem Abhilfe schaffen. Damit treten für Herrn Baumeister die Vorzüge seines Telearbeitsplatzes wieder mehr in den Vordergrund.

Neben der flexibleren Arbeitszeit hebt er besonders hervor, dass er als Telearbeiter nicht die in einem Unternehmen übliche Kleidung tragen musste. Durch seine Behinderung fällt es dem 35-Jährigen schwer, sich an- und auszuziehen. Besonders kompliziert wird dies, wenn er ein geknöpftes Hemd, eine Hose mit Reißverschluss und eine Krawatte tragen muss. Zu Hause arbeitend genoss Herr Baumeister das Privileg, einen Jogginganzug tragen zu können. Insgesamt ist Herr Baumeister überzeugt, dass er in der Zeit als Telearbeiter konzentrierter und effizienter arbeiten konnte - trotz damals mangelhafter Technik.

**Mit In-Kraft-Treten des SGB IX am 1. Juli 2001 wurden gemäß § 102 SGB X Hauptfürsorgestellen in Integrationsämter umbenannt


Weitere Informationen:


Schlagworte:
Informationen in der ICF:


Dokumentart:


Sammelwerksbeitrag




Bezugsmöglichkeit:


Bundesministerium für Arbeit und Soziales (BMAS)
Homepage: https://www.bmas.de/DE/Service/Medien/Publikationen/publikat...

Um Literatur zu beziehen, wenden Sie sich bitte an Bibliotheken, die Herausgeber, den Verlag oder an den Buch- und Zeitschriftenhandel.



Referenznummer:

D0057


Informationsstand: 01.08.2002

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