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Lexikon zur beruflichen Teilhabe

Erläuterungen und Definitionen zu mehr als 450 Begriffen. Von A wie Ausgleichsabgabe bis Z wie Zuschüsse.

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Bibliographische Angaben zur Publikation

Telearbeit: Telearbeitsplatz für einen technischen Zeichner mit der Diagnose Autismus - gefördert von der Hauptfürsorgestelle

In Teil 2: Fallbeispiele



Sammelwerk / Reihe:

Telearbeit für behinderte Menschen, Band 272


Autor/in:

k. A.


Herausgeber/in:

Bundesministerium für Arbeit und Sozialordnung (BMA)


Quelle:

Bonn: Eigenverlag, 2002


Jahr:

2002



Abstract:


Das folgende Beispiel soll zeigen, wie mit der Nutzung neuer Technologien und dem konzentrierten Einsatz begleitender Hilfen durch die Hauptfürsorgestelle ein Telearbeitsplatz entstanden ist, auf dem ein junger Mann arbeitet, der von Geburt an signifikant behindert ist und deswegen latent dem Risiko ausgesetzt war, als Arbeitskraft ohne Marktwert abgestempelt zu werden.

Guy ist 27 Jahre alt und schwer autistisch behindert. Mit der Hilfe unendlich geduldiger Eltern und durch die Unterstützung einfühlsamer Fachkräfte gelang es ihm im Verlaufe seiner Entwicklung immer besser, sich zeitweise aus dem autistischen Kerker zu befreien und der Aneignung der äußeren Welt zuzuwenden. In einem Berufsbildungswerk konnte er den Beruf des technischen Zeichners erlernen, weil dort seine Bedürfnisse als autistischer Mensch konsequent berücksichtigt wurden. Versuche, einen ungeschützten Arbeitsplatz in einem normalen Betrieb zu finden, scheiterten zunächst.

Eine Tätigkeit im erlernten Beruf schien zu einem utopischen Ziel zu werden. Guy kann Begleiterscheinungen eines Arbeitsplatzes wie Unruhe, Geräusche und betriebsame Menschen nicht ertragen, er kapselt sich durch stereotype Bewegungen und eigentümliche Laute von seiner Umwelt ab. Trotzdem ist er heute als technischer Zeichner für einen metallverarbeitenden Betrieb tätig.

Sein Hauptarbeitsplatz ist fernab des Trubels einer Arbeitsstätte zu Hause installiert. Die Hauptfürsorgestelle** hat ein computergestütztes Zeichnungssystem (CAD) als Heimarbeitsplatz gefördert, welches per Modem mit den Rechnern und Maschinen des Produktionsbetriebes verbunden ist. Guy erstellt technische Zeichnungen von komplizierten Blechabwicklungen, die er über das Telefonnetz in die Produktionsabläufe des Betriebes einspeisen kann.

Auf seine Person hin maßgeschneiderte Schulungen für die speziellen Softwareanwendungen seines Arbeitgebers wurden von der Hauptfürsorgestelle organisiert und finanziert. Sie dienen neben seiner beruflichen und persönlichen Weiterentwicklung auch dem betriebswirtschaftlichen Zweck, dem Unternehmen eine bestens geschulte Arbeitskraft zur Verfügung zu stellen. Während wöchentlicher Besuche im Betrieb besprach Guy seine Zeichnungen mit den Arbeitskollegen und verschaffte sich in der Fertigungshalle einen sinnlichen Eindruck seiner nun zu Blech gewordenen digitalen Werke.

Ohne personelle Unterstützung wäre Guy zunächst in der hochverdichteten Kommunikationsituation beim Arbeitsbesuch in der Firma völlig überfordert gewesen. Deswegen wurde durch die Hauptfürsorgestelle ein Job Coach beauftragt, der Guy bei den Betriebskontakten begleitet und ihm in den Arbeitsgesprächen im Sinne unterstützter Kommunikation beisteht. Guy konnte trotz seiner schweren Behinderung mit dem Pfund einer technischen Insel-Begabung wuchern.

Durch die Einbindung in produktive Arbeit per Telearbeitsplatz hat sich Guy persönlich in einem nie erwarteten Maß fortentwickelt und soweit stabilisiert, dass für ihn auch ein Arbeitsplatz im Betrieb selbst eingerichtet werden konnte. Das technische System und die Arbeitsmittel wurden im Rahmen dieser Fortentwicklung gedoppelt. Der Technische Zeichner kann jetzt - abhängig von seiner Verfassung - abwechselnd zu Hause oder vor Ort im Betrieb arbeiten und damit haben sich seine sozialen Interaktionsmöglichkeiten erheblich verbessert.

Mit In-Kraft-Treten des SGB IX am 1. Juli 2001 wurden gemäß § 102 SGB X Hauptfürsorgestellen in Integrationsämter umbenannt


Weitere Informationen:


Schlagworte:
Informationen in der ICF:


Dokumentart:


Sammelwerksbeitrag




Bezugsmöglichkeit:


Bundesministerium für Arbeit und Soziales (BMAS)
Homepage: https://www.bmas.de/DE/Service/Medien/Publikationen/publikat...

Um Literatur zu beziehen, wenden Sie sich bitte an Bibliotheken, die Herausgeber, den Verlag oder an den Buch- und Zeitschriftenhandel.



Referenznummer:

D0060


Informationsstand: 01.08.2002

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