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Lexikon zur beruflichen Teilhabe

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Bibliographische Angaben zur Publikation

Telearbeit: Berufsförderungswerk Michaelshoven: Wohnortnahe berufliche Rehabilitation für Frauen in Köln

In Teil 3: Selbstdarstellung von Projekten



Sammelwerk / Reihe:

Telearbeit für behinderte Menschen, Band 272


Autor/in:

k. A.


Herausgeber/in:

Bundesministerium für Arbeit und Sozialordnung (BMA)


Quelle:

Bonn: Eigenverlag, 2002


Jahr:

2002



Abstract:


Das Berufsförderungswerk (BFW) Michaelshoven ist ein Dienstleistungsunternehmen auf dem Gebiet der beruflichen Rehabilitation. Hier werden Erwachsene, die sich aus gesundheitlichen Gründen für eine neue Berufstätigkeit qualifizieren müssen, mit Hilfe moderner Ausbildungsmethoden und unter Berücksichtigung praxisorientierter Bildungsinhalte in ihrem neuen Beruf ausgebildet. Dafür bietet das Berufsförderungswerk ein komplexes und aufeinan-der abgestimmtes System von Rehabilitationsmaßnahmen, so zum Beispiel Berufsfindungs- und Arbeitserprobungsmaßnahmen, Trainingsmaßnahmen für spezielle Zielgruppen, Rehabilitationsvorbereitungslehrgänge, Lehrgänge in aner- kannten Ausbildungsberufen, die eine individuelle Ausbildungsplanung ermöglichen.

Darstellung des Projektes
Vom BFW Michaelshoven/Köln wird eine wohnortnahe berufliche Rehabilitationsmaßnahme zur Bürokauffrau speziell für Frauen angeboten. Der Lehrgang zielt unter anderem ab auf allein erziehende behinderte und nichtbehinderte Frauen, auf Frauen mit Kindern, auf Frauen mit pflegebedürftigen Angehörigen und auf Frauen, die aus anderen Gründen an einer ganztägigen Ausbildungsmaßnahme in einem Berufsförderungswerk nicht teilnehmen können. Die Ausbildung besteht aus dem Vorbereitungslehrgang (drei Monate) und der Hauptausbildung (24 Monate). In die Hauptausbildung sind jeweils zwei betriebliche Praktika integriert.

Die Ausbildung endet mit der Abschlussprüfung vor der Industrie- und Handelskammer zu Köln. Träger dieser Maßnahme ist das BFW Michaelshoven/Köln. Die Maßnahme wird durch das Arbeitsamt (AFG) gefördert. Das Ministerium für Arbeit, Gesundheit und Soziales gewährt eine institutionelle Förderung für Anschaffung und Installation der Personal Computer (70 Prozent der Gesamtkosten). Das Ministerium für die Gleichstellung von Frau und Mann sowie das Landesarbeitsamt NRW in Düsseldorf unterstützen und fördern diese Maßnahmen.

Lehrgänge in Mönchengladbach und in Köln
25 Frauen aus Mönchengladbach und Umgebung nehmen die Möglichkeit dieser Ausbildung zur Bürokauffrau wahr, die in einer Kooperation des BFW Michaelshoven/Köln mit einem privaten Bildungsträger in Mönchengladbach angeboten wird. Die Ausbildung begann am 18. März 1996 und wird voraussichtlich im Februar 1998 mit der Prüfung vor der IHK zu Mönchengladbach enden. Am 18. März 1997 begann ein zweiter Lehrgang in Köln, der sich - einschließlich einer dreimonatigen Rehabilitationsvorbereitung - über 27 Monate erstreckt und mit der Kaufmannsgehilfenprüfung vor der Industrie- und Handelskammer zu Köln im Mai/Juni 1999 enden wird. Aufbauend auf den Erfahrungen aus Mönchengladbach wurde das Ausbildungskonzept weiterentwickelt und im Sinne der Teilnehmerinnen qualitativ verbessert. Auch im Bereich der Technik werden in Köln neue Standards gesetzt. Die technische Ausstattung wird durch ein Videokonferenzsystem ergänzt.

Grundlegende Ideen des Projektes
Die Maßnahme richtet sich an Frauen, deren persönliche Situation eine ganztägige Ausbildung nicht zulässt. Um den Teilnehmerinnen die Möglichkeit zu geben, selbstbestimmt zu lernen und auch in Heimarbeit tätig sein zu können, wird ihnen die Möglichkeit gegeben, ihre Ausbildung an den Nachmittagen selbst zu gestalten. In diesem Zusammenhang wird den Teilnehmerinnen während der Ausbildung ein PC zur Verfügung gestellt, ein Modem und die erforderliche Ausstattung in Form eines Videokonferenzsystems. Der kontinuierliche Kontakt zum Ausbildungsort ist derzeit noch mittels einer Hot-Line, ab Anfang 1998 mit einem Mail-Box- System gewährleistet.

Zielsetzung des Projektes
Integration und Reintegration behinderter und nichtbehinderter Frauen in den Arbeitsmarkt durch eine frauenspezifische Ausbildung zur Bürokauffrau.

Konzepte für die Realisierung

Handlungsorientierte Ausbildung
Didaktische Grundlage der Ausbildungskonzeption sind die Grundsätze der Handlungsorientierung und Teilnehmerzentrierung. Das Ziel des Lehrganges ist die Herstellung der beruflichen Handlungsfähigkeit der Teilnehmerinnen. Dies bedeutet, dass gleichrangig zu den Fachinhalten Schlüsselqualifikationen (Methoden-, Individual- und Sozialkompetenz) vermittelt und gefördert werden.

Frauenspezifische Ausbildungszeiten
Die Ausbildungszeiten sind von montags bis freitags 8.30 Uhr bis 13.30 Uhr im BFW Michaelshoven und berücksichtigen die spezifische Lebenssituation von Frauen, denen eine ganztägige Anwesenheit im BFW nicht möglich ist. An den Nachmittagen werden die Lerninhalte im Rahmen der Handlungsorientierten Praxis selbstständig und zu Hause erarbeitet.

Informations- und Kommunikationstechniken
Für die Dauer ihrer Ausbildung erhalten die Teilnehmerinnen einen PC, der in ihrer Wohnung installiert und mit entsprechender kaufmännischer Software und einem Videokonferenzsystem eingerichtet wird. Mit dieser technischen Ausstattung haben die Teilnehmerinnen die Möglichkeit, mit Ausbilderinnen im BFW oder auch mit anderen Lehrgangsteilnehmerinnen über Bild, Ton und Daten zu kommunizieren. Die Vor- und Nachbereitung des Lernstoffes kann dadurch aktiv und individuell von den Ausbilderinnen begleitet und unterstützt werden.

Interdisziplinäre Teamarbeit
Begleitet und betreut wird der Lehrgang von einem interdisziplinären Team. Das Team besteht aus den Ausbilderinnen, einer Sozialarbeiterin und einer Psychologin. Die Teilnehmerinnen werden durch dieses Team individuell fachlich und sozial-psychologisch begleitet und eine ganzheitliche Förderung ist sichergestellt. Die Teamsitzung findet wöchentlich statt und ist fest in den Stundenplan integriert. Für Fragen der Kinderbetreuung stehen bestimmte Mitarbeiterinnen des Teams zur Verfügung. Im Vorfeld der Maßnahme besteht ein Beratungsangebot, in dem die Kinderbetreuung während der Ausbildungszeiten - gemeinsam mit den Frauen - organisiert wird.

Erfahrungsbericht
Die Motivation der Teilnehmerinnen zur Ausbildung war nach übereinstimmender Meinung des gesamten Lehrgangsteams anfänglich überaus hoch. Die erste Phase der Euphorie im Rahmen der Rehabilitationsvorbereitung hat sich dann gelegt und musste durch motivationsfördernde Maßnahmen im Lehrgang kompensiert werden. Als positiv zu bewerten ist die Bereitschaft der Frauen, sich auf die neue Situation einzulassen und sich durch ihre Eigeninitiative mit einzubringen. Dies betrifft zum Beispiel das Engagement bei der Unterbringung von Kindern für die Zeit, innerhalb derer sich die Frauen in der Bildungseinrichtung befinden. Anders als ursprünglich angenommen, war hier nur in wenigen Fällen eine Unterstützung durch die Sozialarbeiterin vonnöten.

Dass trotz unterschiedlicher beruflicher Laufbahnen und Bildungsniveaus die Stimmung und Atmosphäre im Lehrgang gut ist, ist auf die Tatsache zurückzuführen, dass sich in den gegebenen Lebenssituationen der Frauen doch große Parallelitäten aufweisen lassen. Ähnliche Sorgen und Probleme tragen zu einer Art Zusammengehörigkeitsgefühl bei. Es ist festzuhalten, dass die Frauen sich gegenseitig mit Respekt, Toleranz, Solidarität und Verständnis begegnen.

Im Laufe der Hauptmaßnahme haben sich diese Verhaltensweisen relativiert. Konflikte und Probleme werden jedoch im Rahmen des Jour fix angesprochen, diskutiert und aufgearbeitet. 14 Frauen sind allein erziehend, leben getrennt, vollziehen die Scheidung und/oder tragen Auseinandersetzungen bezüglich Sorgerecht und Unterhaltsleistungen aus. Obwohl die derzeitige Situation für diese Frauen unangenehm und belastend ist, konzentrieren sie sich auf ihre Ausbildung, die häufig als Meilenstein in Richtung auf eine bessere Zukunft realisiert wird.

Es ist davon auszugehen, dass die Frauen bereits vor Beginn der Maßnahme den intensiven Wunsch hatten, auch außerhalb familiärer Verpflichtungen ein Betätigungsfeld zu finden, in dem sie sich weiterentwickeln konnten. So wächst bei den Teilnehmerinnen das Bewusstsein, dieses Modellprojekt als persönliche Chance für sich zu begreifen und zu nutzen.

Anfänglich bestehende Ängste vor Überforderung: Kann ich das Ausbildungsziel überhaupt erreichen? haben sich schon im Laufe der Feststellungsmaßnahme merklich reduziert. Positiv aufgenommen wird von den Frauen die handlungsorientierte Methodik und Didaktik der Maßnahme. Dies kommt der von den Frauen in den meisten Fällen auch vorher im täglichen Lebensvollzug geforderten Selbstständigkeit entgegen und baut sie noch weiter auf.

Zur notwendigen Voraussetzung wird die Selbstständigkeit und Eigenverantwortlichkeit für die handlungsorientierte Praxis. Bei fast allen Frauen wird Begeisterung über den PC in der häuslichen Umgebung geäußert und die Möglichkei t, sich über eine Hot-Line beraten zu lassen. Der Umgang mit dem Mail-Box-System wurde bereits im EDV-Lernbereich hinreichend trainiert und kann sofort nach Installation des Systems von den Frauen angewendet werden.


Weitere Informationen:


Schlagworte:
Informationen in der ICF:


Mehr zum Thema:


Berufsförderungswerk Köln | REHADAT-Angebote und Adressen




Dokumentart:


Sammelwerksbeitrag / Forschungsergebnis




Bezugsmöglichkeit:


Bundesministerium für Arbeit und Soziales (BMAS)
Homepage: https://www.bmas.de/DE/Service/Medien/Publikationen/publikat...

Um Literatur zu beziehen, wenden Sie sich bitte an Bibliotheken, die Herausgeber, den Verlag oder an den Buch- und Zeitschriftenhandel.



Referenznummer:

D0069


Informationsstand: 01.08.2002

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