Lexikon zur beruflichen Teilhabe

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Bibliographische Angaben zur Publikation

Telearbeit: Übersicht zum Rechtsgutachten 'Entwicklung der Telearbeit - arbeitsrechtliche Rahmenbedingungen': III. Ergebnisse des Rechtsgutachtens: G. Gewerkschaftsarbeit im Betrieb und Effizienz von Arbeitskämpfen

In Teil 1: Hilfestellungen zur praktischen Einführung von Telearbeitsplätzen für behinderte Menschen



Sammelwerk / Reihe:

Telearbeit für behinderte Menschen, Band 272


Autor/in:

Wedde, Peter


Herausgeber/in:

Bundesministerium für Arbeit und Sozialordnung (BMA)


Quelle:

Bonn: Eigenverlag, 2002


Jahr:

2002



Abstract:


Telearbeit wirft wegen der räumlichen Zergliederung des Betriebs für die gewerkschaftliche Tätigkeit eine Reihe von Problemen auf. Herausragend sind Fragen des Zugangs zum Betrieb und des persönlichen Kontakts zu dem Beschäftigten sowie der Veränderung der Effizienz von Arbeitskämpfen und der Streikfähigkeit.

Gewerkschaftliche Zugangsrechte zum Betrieb werden gem. § 2 Absatz 2 BetrVG beziehungsweise gem. § 2 Absatz 2 BPersVG zur Wahrnehmung kollektivrechtlicher Aufgaben begründet. Darüber hinaus leiten sie sich aus der durch Art. 9 Absatz 3 GG geschützten Betätigungsfreiheit der Verbände ab. Arbeitgebern wird durch diesen rechtlichen Rahmen die Verpflichtung auferlegt, gewerkschaftlichen Vertretern den Zugang zum gesamten Betrieb zu gewähren. Sie müssen deshalb auch für Telearbeit sicherstellen, dass entsprechende Zugangsmöglichkeiten zu allen Arbeitsplätzen bestehen.

Für häusliche Telearbeit sind vertragliche Vereinbarungen mit den Beschäftigten entsprechend auszugestalten. Letztlich bleibt es der freien Entscheidung der Beschäftigten überlassen, ob sie gewerkschaftliche Vertreter im Einzelfall in ihre Wohnungen lassen.

Gewerkschaften können von Arbeitgebern zur Wahrung ihrer kollektivrechtlichen Ansprüche die Übergabe der Anschriften aller Telearbeitnehmer verlangen. Die besonderen technischen Bedingungen der Telearbeit legen es nahe, den dir ekten Zugang zu betrieblichen Arbeitsplätzen durch Formen des elektronischen Kontakts zu ergänzen. Voraussetzung wäre, dass gewerkschaftliche Vertreter die Beschäftigten auch tatsächlich unter Wahrung des erforderlichen Vertrauensschutzes erreichen könnten.

Telearbeit verändert aufgrund der Loslösung der Arbeitsplätze von einer zentralen Betriebsstätte die Effizienz von Arbeitskämpfen auf unterschiedliche Weise. Mit zunehmendem Anteil elektronisch vernetzter Arbeitsplätze reduziert sich die Möglichkeit von Gewerkschaften, einen Betrieb im klassischen Sinne zu ' bestreiken'. Die Handlungsspielräume von Arbeitgebern verbessern sich in diesen Konstellationen hingegen, da Arbeit im Streikfall teilweise fortgeführt werden kann oder sich durch Nutzung elektronischer Kommunikationswege einfach verlagern lässt.

1. Handlungsbedarf und Lösungsmöglichkeiten a) Gesetzgeberischer Bereich Zur Begründung derartiger elektronischer Zugangsrechte für Gewerkschaften ist eine gesetzgeberische Anpassung der Zugangsberechtigung des § 2 Absatz 2 BetrVG erforderlich, durch die sowohl die Möglichkeit kollektiver Ansprache ganzer Belegschaften über elektronische Kommunikationssysteme als auch entsprechende Individualkommunikation begründet wird. Ob sich gewerkschaftliche Streikfähigkeit im heutigen Sinn aufrechterhalten lässt, ist zumindest für konventionelle Formen des Arbeitskampfs fraglich.

Neue Varianten wie etwa der 'elektronische Streik' durch Blockade von Kommunikationsnetzen oder Betriebsbesetzungen kollidieren mit den Vorgaben der einschlägigen Rechtsprechung, nach der derartige Formen unzulässige Kampfmittel wären. Es bleibt deshalb abzuwarten, wie Gerichte im konkreten Fall entscheiden werden, wenn konventionelle Streiks tatsächlich nicht mehr möglich sind und Gewerkschaften auf neue Varianten zurückgreifen. Gesetzgeberischer Handlungsbedarf zeichnet sich in dieser Frage derzeit nicht ab.

b) Individual- und kollektivrechtlicher Bereich Die meisten individual- und kollektivrechtlichen Probleme lassen sich bei Telearbeit in Tarifverträgen regeln. Auf dieser Ebene kann beispielsweise versucht werden, (elektronische) Zutrittsrechte zu allen Arbeitsplätzen in Tarifverträgen festzuschreiben.


Weitere Informationen:


Schlagworte:
Informationen in der ICF:


Mehr zum Thema:


Kapitelübersicht: Übersicht zum Rechtsgutachten




Dokumentart:


Sammelwerksbeitrag




Bezugsmöglichkeit:


Bundesministerium für Arbeit und Soziales (BMAS)
Homepage: https://www.bmas.de/DE/Service/Medien/Publikationen/publikat...

Um Literatur zu beziehen, wenden Sie sich bitte an Bibliotheken, die Herausgeber, den Verlag oder an den Buch- und Zeitschriftenhandel.



Referenznummer:

D0100


Informationsstand: 01.08.2002

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