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Lexikon zur beruflichen Teilhabe

Erläuterungen und Definitionen zu mehr als 450 Begriffen. Von A wie Ausgleichsabgabe bis Z wie Zuschüsse.

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Bibliographische Angaben zur Publikation

Telearbeit: Modellversuch Virtuelles Berufsbildungswerk: Berufsbildungswerk Neckargmünd

In Teil 3: Selbstdarstellung von Projekten



Sammelwerk / Reihe:

Telearbeit für behinderte Menschen, Band 272


Autor/in:

k. A.


Herausgeber/in:

Bundesministerium für Arbeit und Sozialordnung (BMA)


Quelle:

Bonn: Eigenverlag, 2002


Jahr:

2002



Abstract:


Vorhaben:
Die Berufsbildungswerke Hannover und Neckargemünd führen in Zusammenarbeit mit der ets GmbH (Neue Medien/ Telelernen) seit dem 01.09. 00 für insgesamt 25 schwerst- und mehrfachbehinderte junge Menschen eine Ausbildung im Rahmen eines dreijährigen Modellversuchs via Telelernen zum/zur Bürokaufmann/frau - Schwerpunkt Telearbeit - durch.

Ausgangslage:

Seit es Berufsbildungswerke für behinderte Menschen gibt, zeigt sich immer wieder, dass Schwerstbehinderten der Zugang zu einer Erstausbildung in kaufmännischen Berufen in einem Berufsbildungswerk aus folgenden Gründen oft nicht möglich ist:
- Der notwendige Pflegeaufwand ist oft nicht zu realisieren
- Die behinderungsbedingten Einschränkungen und Auswirkungen lassen eine Gruppenausbildung nicht zu
- Die notwendige fachliche Individualisierung kann kostenmäßig nicht aufgefangen werden
- Der vertraute Wohnbereich will nicht verlassen werden
- Die Bezugspersonen in der Pflege wollen nicht gewechselt werden

Ziele:

Mit der Einführung von Telearbeit verändern sich Arbeitsorganisation und Unternehmensstrukturen. Dadurch eröffnen sich für schwerstkörperbehinderte Menschen zahlreiche neue Perspektiven. Telearbeit kann in vielen Fällen helfen, behinderungsbedingte Leistungseinschränkungen zu kompensieren. Arbeitszeiten und Arbeitspausen können flexibler gestaltet und Pflege individueller im häuslichen Umfeld organisiert werden. Das virtuelle Berufsbildungswerk legt die Ausbildungsschwerpunkte auf das Erlangen von Medienkompetenz und die Fähigkeit zur Telearbeit und schafft so die für diesen Arbeitsmarkt erforderlichen Voraussetzungen. Neben der Anzahl freiberuflicher Telearbeiter nimmt auch die Anzahl der Telearbeitsplätze in großen Unternehmen zu.

Im virtuellen Berufsbildungswerk wird zielgerichtet für diese Arbeitsplätze ausgebildet. Die derzeitigen Prognosen für den Telearbeitsmarkt sind vielversprechend.

Die neuesten uns bekannten Zahlen der Bundesanstalt für Arbeit -Stand 10/00 - sehen wie folgt aus:
- circa1.800.000 Telearbeiter in Deutschland - davon circa 1.000 Behinderte
- circa 180.000 arbeitslose Schwerstbehinderte
- circa 10 Prozent (circa 135.000) der deutschen Arbeitgeber bieten Telearbeit an
- circa 20 Prozent planen Telearbeitsplätze
- circa 40 Prozent bis 60 Prozent aller Arbeitsplätze in Industrienationen sind telearbeitstauglich

Rahmenbedingungen:
Eine wichtige Voraussetzung für das Telelearning ist die individuelle Steuerung von Ort, Zeit, Lernzielen, Lerntempo und Erfolgskontrollen. Der Ausbildungs- und der Rahmenlehrplan des Berufsbildes Bürokaufmann/frau ermöglichen ein fächerübergreifendes und handlungsorientiertes Lernen mit dem Ziel, Handlungskompetenzen zu erwerben, die Persönlichkeit zu fördern und eine berufliche Qualifizierung zu erhalten. Grundsätzlich wird das Berufsbild des/der Bürokaufmanns/ Bürokauffrau angestrebt, ein Abschluss nach § 48 BBiG (Bürokraft) ist aber im Einzelfall möglich.

Telelearning in Verbindung mit multimedialem Lernen begünstigt einen fächerübergreifenden und handlungsorientierten Rahmenlehrplan, denn Interaktives und multimediales Lernen steigert die Wissensaufnahme und erhöht die Motivation der Auszubildenden - und multimediales und vernetztes Lernen fördert die Schlüsselqualifikationen
- Kommunikationsfähigkeit,
- Teamfähigkeit,
- soziale Kompetenz,
- und Kreativität.

Durchführung der Ausbildung:
Während der Teleausbildung arbeiten die Auszubildenden zu Hause an ihrem PC und werden in regelmäßigen Abständen vor Ort durch die zuständigen Telecoaches betreut und unterstützt. Das Telelernen ist als hybrides System konzipiert: Lernmaterialien und Software bleiben lokal installiert (CD-ROM). Anmeldung und Verwaltung der Lernprozesse erfolgen wie die tutorielle Betreuung per Telekommunikation über das Internet. Die Lernplattform ermöglicht den Auszubildenden und Tutoren sowohl asynchrone als auch synchrone Kommunikation.

Im Rahmen der asynchronen Kommunikation können E-Mails, Forenbeiträge und News versendet werden. Ebenso kann synchron kommuniziert werden, d.h. es können Konferenzen mit einem oder mehreren Teilnehmern durchgeführt werden. Es ist in einer Konferenz möglich, Dateien gemeinsam schriftlich zu bearbeiten, mit Hilfe eines Whiteboards (Funktionen einer Tafel) oder mit Hilfe des Chatrooms. Dies wird in der Regel per Audiokonferenz unterstützt. Es ist aber auch möglich, mit einer Webcam einen Videochat durchzuführen. Der Vorteil dieser Kommunikation ist, dass sich Auszubildende und Tutor auch sehen können.

Zu Beginn der Ausbildung wird in Abstimmung mit dem zuständigen Arbeitsamt ein Besuch des Auszubildenden durch den Telecoach durchgeführt. Ziel ist es, das häusliches Umfeld kennenzulernen und die Bezugspersonen in die Ausbildung miteinzubeziehen. Mit diesem Besuch soll auch ermittelt werden, ob die Qualifizierungsziele auch ohne Präsenzphasen erreichbar sind. Die notwendigen Vor-Ort-Besuche werden nach Absprache mit dem Teilnehmer durchgeführt.

Ausbildungsablauf
- Vermittlung von Lern- und Arbeitstechniken
- Umgang mit PC
- PC-Standard-Software, Internet etc.
- Kaufmännische Grundbildung
- Kaufmännische Inhalte nach Berufsbild
- Spezialisierung Telearbeit
- Auftragsproduktion
- Dazwischen Kontrolle des Lernerfolges durch Lernzielkontrollen, Zwischen- und Abschlussprüfung
- Praxisersetzender Lernort ist ein Lernbüro und eine Übungsfirma (Hannover)
- Ein virtueller Praktikumseinsatz in Unternehmen ist ab dem 2. Ausbildungsjahr vorgesehen

Technische Ausstattung:
Als Grundausstattung erhält der Teilnehmer einen Multimedia-PC einschließlich Headset und Webcam und Drucker. Ebenfalls werden vom Berufsbildungswerk die Gebühren des ISDN-Anschlusses und einer Flatrate übernommen.

Zwischenbericht:
Derzeit werden 25 Auszubildende im Projekt ausgebildet, davon 11 im Bereich Süddeutschland durch das BBW Neckargemünd und 14 im Bereich Norddeutschland durch das BBW Hannover. Die Altersstruktur reicht von 17-41 Jahren. Das Durchschnittsalter beträgt circa 22 Jahre. 7 Auszubildende sind Frauen, 18 Auszubildende sind Männer. Die Bandbreite der Schulabschlüsse bewegt sich vom Hauptschulabschluss bis zum Abitur, es überwiegt jedoch der Realschulabschluss. Die vorherrschenden Behinderungen sind Muskelerkrankungen, gefolgt von Querschnittslähmungen. Die überwiegende Anzahl der Auszubildenden wohnt bei den Eltern und wird auch von ihnen versorgt und gepflegt.

Wissenschaftliche Begleitung:
Während der dreijährigen Ausbildung wird dieses Projekt durch die Universität - Gesamthochschule Paderborn, Lehr- und Forschungseinheit Wirtschaftspädagogik - wissenschaftlich begleitet.

Finanzierung:

Die Ausbildungskosten werden vom Arbeitsamt getragen. Das Projekt wird vom Bundesministerium für Arbeit und Sozialordnung gefördert.

Ihre Ansprechpartner:

BBW Hannover des Annastiftes e.V.
Bereich Nord
- Johannes Grade
grade@annastift.de
Telefon: 0511/860 34 70

- Dirk Armbrust
bbw. armbrust@t-online.de
Telefon: 0511/860 36 51 oder 0179/357 11 68

- Axel Neumann
bbw. neumann@t-online.de
Telefon: 0511/860 35 24

BBW Neckargemünd gGmbH
Bereich Süd
- Angelika Grundler-Grob
angelika.grob@bbw.srh.de
Telefon: 06223/89 28 68


Weitere Informationen:


Schlagworte:
Informationen in der ICF:


Mehr zum Thema:


Berufsbildungswerk Neckargemünd | REHADAT-Angebote und Adressen




Dokumentart:


Sammelwerksbeitrag




Bezugsmöglichkeit:


Bundesministerium für Arbeit und Soziales (BMAS)
Homepage: https://www.bmas.de/DE/Service/Medien/Publikationen/publikat...

Um Literatur zu beziehen, wenden Sie sich bitte an Bibliotheken, die Herausgeber, den Verlag oder an den Buch- und Zeitschriftenhandel.



Referenznummer:

D0128


Informationsstand: 01.08.2002

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