Lexikon zur beruflichen Teilhabe

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Bibliographische Angaben zur Publikation

ERTOMIS-Assessment-Methode - EAM


Autor/in:

k. A.


Herausgeber/in:

ERTOMIS Bildungs- und Förderungs-GmbH


Quelle:

Wuppertal: Eigenverlag, 1988


Jahr:

1988



Abstract:


Ziel der ERTOMIS-Assessment-Methode (EAM) ist es, Schwerbehinderten und Leistungsgewandelten bei der Eingliederung und Wiedereingliederung in Arbeit zu helfen. Es wurde ein System geschaffen, durch das die Fähigkeiten Behinderter (Schwerbehinderter und Leistungsgewandelter) erfasst werden und die Anforderungen von Arbeiten, mit denen Behinderte beschäftigt werden sollen, nach den gleichen behindertengerechten und arbeitsrelevanten Kriterien bewertet werden können.

Der Vergleich des Fähigkeits- und des Anforderungsprofiles gibt eine Entscheidungshilfe, ob der Einsatz eines Behinderten an einem möglichen Arbeitsplatz ohne Überforderung wirtschaftlich effektiv und somit langfristig sicher ist. Für die erforderliche Bewertung sowohl der Fähigkeiten als auch der Anforderungen wurde in Zusammenarbeit zwischen Rehabilitationsmedizinern, Psychologen, Arbeitspädagogen und Betriebspraktikern ein Bewertungssystem erarbeitet.

Dieses System besteht aus 65 Kriterien, die Elementarfähigkeiten beziehungsweise Elementarfunktionen bezeichnen und sich in folgende Gruppen gliedern:

1) Obere und untere Gliedmaßen, Koordination ihrer Bewegungen, Kopf- und Rumpfbewegungen,
2) Grundhaltungen beziehungsweise Grundbewegungen,
3) Fähigkeiten der Sinnesorgane,
4) Psychische Fähigkeiten,
5) Sprechen und Schreiben als Mittel der Kommunikation,
6) Toleranz von Umgebungseinflüssen der Arbeit,
7) Sonstiges, zum Beispiel Führungsfähigkeit.

Der ERTOMIS-Kriteriensatz bezieht sich nicht auf die Ursache der Behinderung, sondern nur auf die Bewertung der Auswirkung von Beeinträchtigungen der Elementarfunktionen auf die Arbeitsfähigkeit beziehungsweise auf die Anforderung, die eine Arbeit an den Ausführenden stellt.

Die Fähigkeiten beziehungsweise Anforderungen werden in einer 5-stufigen Skala bewertet.

Zu den Items existieren Merkmalsdefinitionen und diagnostische Vorschläge.

Beispiel:

Das Merkmal 'Hören' im ERTOMIS-Verfahren

Hören: (Fähigkeit)

Definition:

Die Fähigkeit, Sprache, Geräusche und Töne (Sinusschwingungen) innerhalb eines umschriebenen Frequenzbereiches wahrnehmen und unterscheiden zu können. In einfachen audiometrischen Testverfahren kann die geringste Schallintensität, die erforderlich ist, um einen Sinneseindruck hervorzurufen, gemessen werden (Tonschwellenaudiometrie). Sie wird für verschiedene Tonfrequenzen bestimmt.

In zunehmendem Alter lässt die Empfindlichkeit des Gehörs physiologischerweise nach. Hiervon sind in besonderem Maße die höheren Frequenzen betroffen.

Bewertung:
Die Kenntnis des Tonschwellenaudiogramms sowie orientierende Überprüfung der Hörweite für Umgangssprache und Flüstersprache (aus 6-8 m Entfernung) sollte zur Bewertung der Hörfähigkeit aureichen.

Schwerhörigkeiten können mittels Hörgerät ausgeglichen werden. Schalleitungsschwerhörigkeiten lassen sich gut, Schallempfindungsschwerhörigkeiten zum Teil unzureichend kompensieren. Der erreichte Kompensationsgrad ist zu bewerten.

BwG 0:
Normalhörigkeit im Tonschwellenaudiogramm (Bis maximal 20 Prozent Hörminderung unterhalb des altersentsprechenden Normalwertes).

BwG 1-2:
bewerten ist die Einschränkung des Sprachverständnisses (s. Bemerkungen).

BwG 3:

Taubheit oder an Taubheit grenzende Schwerhörigkeit (Hörverlust in allen Frequenzbereichen über 80 Prozent).

Bemerkung:

Bewertung der Hörfähigkeit aufgrund der orientierenden Prüfung des Sprachgehöres:

Geringgradige Schwerhörigkeit (1): Hörweite für Umgangssprache 4-6 m;
Mittelgradige Schwerhörigkeit (1,5): Hörweite für Umgangssprache 1-4 m;
Hochgradige Schwerhörigkeit (2): Hörweite für Umgangssprache 0,25-1 m;
An Taubheit grenzende Schwerhörigkeit (3): Hörweite für Umgangssprache < 0,25 m.

Hören (Anforderung):

Definition:

Die Anforderung an den Hörsinn, Geräusche, Töne oder Klänge von unterschiedlicher Stärke zu hören und unterscheiden zu müssen.

Bewertung:

Zu bewerten ist der Umfang des Frequenzbereichs, die Höhe des Schalldrucks (laut - leise) und die Auswirkung dieser Faktoren auf das Arbeitsergebnis und die Arbeitssicherheit.

Beispiele:

BwG 0:
Tätigkeiten, bei denen der Hörsinn Einfluss auf die eigene Sicherheit und die anderer hat oder die Funktion des Arbeitsergebnis sicherstellt.

BwG 1-2:
Tätigkeiten, bei denen der Hörsinn nur zur Unterstützung anderer Sinneswahrnehmungen dient.

BwG 3:
Tätigkeiten, bei denen kein Hörsinn erforderlich ist oder durch andere Sinneswahrnehmungen ersetzt werden kann.

Weiterhin wird die Hörfähigkeit auch noch im Merkmal 'Richtungshören' sowie im Merkmal 'Lärm' berücksichtigt.

Kriterien, die im EAM-System für die Arbeitsanforderung und für die Fähigkeit des Behinderten untersucht werden (65):

Finger-Bewegungen einseitig
Finger-Bewegungen beidseitig
Hand-Bewegungen einseitig
Hand-Bewegungen beidseitig
Unterarm-Bewegungen einseitig
Unterarm-Bewegungen beidseitig

Oberarm-Bewegungen einseitig
Oberarm-Bewegungen beidseitig
Fuß-Bewegungen einseitig
Fuß-Bewegungen beidseitig
Unterschenkel-Bewegungen einseitig
Unterschenkel-Bewegungen beidseitig
Oberschenkel-Bewegungen beidseitig
Kopf-Bewegungen
Rumpf-Bewegungen
Bew.-Koordination d. ob. Gliedmaßen
Bew.-Koordination der unt. Gliedmaßen

Sitzen
Stehen
Hocken/Knien
Zwangshaltung
Gehen
Steigen
Heben
Tragen
Körperliche Dauerbelastung
Sehschärfe
Räumliches Sehen
Farbsehen
Blickfeld

Hören
Richtungshören
Riechen
Schmecken
Tasten einseitig
Tasten beidseitig
Gleichgewichtssinn
Antrieb
Leistungsbereitschaft
Aufmerksamkeit
Auffassung

Konzentration
Lernen/Merken
Vorstellung
Selbstständigkeit
Einfallsreichtum/Problemlösung
Teamarbeit
Kritische Kontrolle
Verantwortung
Belastung
Ausdauer

Reaktionsgeschwindigkeit
Arbeitstempo
Sprechen
Schreiben
Licht/Beleuchtung
Klima
Lärm
Gase/Dämpfe/Stäube Flüssigkeiten/Nässe
Mechanische Schwingungen

Luftdruckänderungen
Ionisierende Strahlung u.s. Einwirkungen
Führung

Das EAM-System ist auch in einer EDV-Version erhältlich.
Kostenlose Demoversionen können angefordert werden bei:

Ertomis Assessment Method (EAM)
Postfach 223208
57038 Siegen
Telefon: 0271/850 65/66


Weitere Informationen:


Schlagworte:
Informationen in der ICF:


Dokumentart:


Graue Literatur




Bezugsmöglichkeit:


ERTOMIS Bildungs- und Förderungs-GmbH
Mühlenweg 17-37
42275 Wuppertal

Um Literatur zu beziehen, wenden Sie sich bitte an Bibliotheken, die Herausgeber, den Verlag oder an den Buch- und Zeitschriftenhandel.



Referenznummer:

R/AF0001


Informationsstand: 04.04.1991

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