Lexikon zur beruflichen Teilhabe

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Bibliographische Angaben zur Publikation

Die Wirkungsweise des Schwerbehindertengesetzes: Vollzugsdefizite und Verbesserungsvorschläge

Forschungsvorhaben im Auftrag des Bundesministeriums für Arbeit und Sozialordnung



Sammelwerk / Reihe:

Forschungsberichte des Bundesministeriums für Arbeit und Sozialordnung, Band F230


Autor/in:

Sadowski, Dieter; Böck, Ruth; Brühl, Norbert [u. a.]


Herausgeber/in:

Bundesministerium für Arbeit und Sozialordnung (BMA)


Quelle:

Bonn: Eigenverlag, 1993, 222 Seiten


Jahr:

1993



Abstract:


Durch das Schwerbehindertengesetz sind alle öffentlichen und privaten Arbeitgeber (>15 Beschäftigte) verpflichtet, die berufliche Eingliederung Schwerbehinderter zu fördern. 1990 lag der Anteil Schwerbehinderter an den Beschäftigten deutlich unter der gesetzlich vorgeschriebenen Quote von 6 Prozent. Die jahresdurchschnittliche Arbeitslosenquote lag 1990 mehr als 4 Prozent über der allgemeinen Arbeitslosenquote. Über die vermittelten Schwerbehinderten errechnete sich somit eine Wiedereingliederungschance von circa 25 Prozent gegenüber circa 126 Prozent bei sonstigen Arbeitslosen. Hierbei ist zu beachten, dass es erhebliche regionale Unterschiede gibt. Diese hängen hauptsächlich mit der unterschiedlichen Struktur der Arbeitskräftenachfrage und der daraus resultierenden unterschiedlichen Dynamik regionaler Arbeitsmärkte zusammen.

Durch die Studie wird deutlich, dass die auf der Ebene der Arbeitsamtbezirke feststellbaren Unterschiede vorrangig aus der regionalen Betriebs- und Branchenstruktur resultieren, was für die Arbeitsverwaltung kaum zu erfassen ist. Besonders das Potenzial der Kleinbetriebe, bei denen die Arbeitsverwaltung bisher keine Versuche unternommen hat, Schwerbehinderte zu vermitteln, ist immer noch sehr groß. Vermutlich könnten die Vermittlungszahlen hier durch spezifische Beratungsangebote durchaus gesteigert werden.

Der Studie liegt eine dreistufige Vorgehensweise zugrunde.

Im ersten Schritt wurde versucht, die betrieblichen Faktoren der Beschäftigung beziehungsweise Nichtbeschäftigung Schwerbehinderter herauszufinden. Im zweiten Schritt wurde die Analyseebene gewechselt - und zwar von der Unternehmensebene zur Ebene der Arbeitsamtbezirke. Dies ermöglichte eine Einsicht in den Einfluss der regionalen Betriebs- und Branchenstruktur und den der Arbeitsverwaltung. Der letzte Schritt beschäftigte sich mit der Frage, wie die Arbeitsverwaltung ihre Möglichkeiten bei der Umsetzung des Schwerbehindertengesetzes besser nutzen kann.

Nach dem SchwbG hat der Arbeitgeber drei verschiedene Handlungsmöglichkeiten: interne Rekrutierung, externe Rekrutierung oder Zahlung einer Ausgleichsabgabe. Je nach den spezifischen betrieblichen Merkmalen streuen die Kosten der Nichtbeschäftigung Schwerbehinderter sowie die Kosten interner und externer Rekrutierung, so dass die jeweiligen Anteile auch je nach Betriebsgröße und -art schwanken.

Um sich einen Überblick über die Bedeutung der Gründe für eine Weiterbeschäftigung oder Neueinstellung zu verschaffen, wurden mehrere multivariate Regressionsanalysen durchgeführt. Daraus resultierte, dass die Beschäftigung Schwerbehinderter sozusagen als 'Nebenprodukt' betriebsspezifischer Kosten- und Ertragskonstellationen hervorgehen.

Im Weiteren beschäftigt sich die Studie mit den begrenzten Handlungsmöglichkeiten der Arbeitsverwaltung. Hier wäre eine Intensivierung der Außendienst- und Beratungstätigkeit - vor allem in Kleinbetrieben - geboten, da dort oftmals Unwissenheit über die Möglichkeiten in diesem Bereich herrscht.

Abschließend gibt die Studie arbeitsmarktpolitische Empfehlungen, die folgende Punkte umfassen: Erhöhung der Ausgleichsabgabe und Reduktion der Pflichtquote, Erweiterung der Vermittlungsbemühungen auf Kleinbetriebe, Dienstleistungen statt Subventionen, stärkere Beteiligung betrieblicher Interessenvertretungen und verstärkte Qualifizierung Schwerbehinderter.


Weitere Informationen:


Schlagworte:
Informationen in der ICF:


Dokumentart:


Buch/Monografie / Forschungsergebnis




Bezugsmöglichkeit:


Bundesministerium für Arbeit und Soziales (BMAS)
Homepage: https://www.bmas.de/DE/Service/Medien/Publikationen/publikat...

Um Literatur zu beziehen, wenden Sie sich bitte an Bibliotheken, die Herausgeber, den Verlag oder an den Buch- und Zeitschriftenhandel.



Referenznummer:

R/FB0039


Informationsstand: 14.04.1994

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