Lexikon zur beruflichen Teilhabe

Erläuterungen und Definitionen zu mehr als 450 Begriffen. Von A wie Ausgleichsabgabe bis Z wie Zuschüsse.

in Literatur blättern

  • Detailansicht

Bibliographische Angaben zur Publikation

Der Individuelle Förder- und Integrationsplan als ein Instrument des Empowerments - defizit- und ressourcenorientierte Förderung mit dem IFP

Vortrag auf dem Fünfzehnten Rehabilitationswissenschaftlichen Kolloquium vom 13. bis 15. März 2006 in Bayreuth



Autor/in:

Lay, Waltraud; Müller-Fahrnow, Werner; Radoschewski, Friedrich Michael


Herausgeber/in:

Deutsche Rentenversicherung Bund (DRV Bund)


Quelle:

Deutsche Rentenversicherung, 2006, Sonderausgabe, Seite 81-83, Bad Homburg v. d. H.: wdv Gesellschaft für Medien und Kommunikation


Jahr:

2006



Abstract:


Hintergrund:

Mit der Verabschiedung des SGB IX hat sich im Bereich der Behindertenpolitik und Rehabilitation ein Paradigmenwechsel vollzogen: Die Förderung der Teilhabe und der Selbstbestimmung von behinderten oder von Behinderung bedrohten Menschen werden nicht nur als Ziel von Leistungen zur Teilhabe betrachtet, sondern sollen auch integrativer Bestandteil von Leistungen sein. Dies soll sowohl für den privaten, als auch den beruflichen Bereich des Lebens förderbedürftiger Personen zutreffen. Im Konzept des Empowerment ist somit die Unterstützung der Rehabilitanden zur (Wieder)Aneignung von Selbstbestimmung und -gestaltung über die Umstände des eigenen Lebens wesentliches Qualitätsmerkmal, und zwar auch im Bereich der Leistungen zur Teilhabe am Arbeitsleben. Mit Hilfe von Individuellen Förder- und Integrationsplänen (IFP) soll das indivduell orientierte, ganzheitlich und handlungsorientiert angesetzte Konzept umgesetzt werden.

Ziele und Fragestellungen:

Im Rahmen des Projektes 'Evaluation des Individuellen Förder- und Integrationsplanes' wurde der IFP im Hinblick auf seinen Beitrag zum Empowerment der Rehabilitanden untersucht und bewertet, mit dem Ziel, aus den gewonnenen Erfahrungen seitens der Nutzer Konsequenzen für eine Optimierung des IFP als Konzept und Instrument abzuleiten.

Methodik und Studiendesign:

Mittels einer Analyse der Dokumentenstruktur sowie insgesamt 22 qualitativen Experteninterviews wurde untersucht, welchen Beitrag der IFP in seiner konkreten Umsetzung zur Stärkung der Selbstverantwortung und Handlungsfähigkeit der Rehabilitanden leistet beziehungsweise leisten kann. Wesentliche Indikatoren für eine Empowerment-Funktion waren hier unter anderem die Herstellung von Transparenz für die Rehabilitanden, die konzeptionelle Berücksichtigung und Stärkung der Ressourcen der Rehabilitanden sowie ihr aktiver Einbezug in die Prozessplanung und das Prozessmanagement. Befragt wurden Akteure aus den Bereichen der Kostenträger und der BFW sowie Rehabilitanden.

Ergebnisse:

Das IFP-Dokument berücksichtigt zwar in seiner Grundstruktur individuelle Stärken und Schwächen der Teilnehmer, bietet jedoch bislang eine nur gering systematisierte Hilfestellung zu einer Ressourcenanalyse der Rehabilitanden durch eine zu starke Fokussierung auf eine defizitorientierte Definition von Förderbedarf. Der Einbezug des Rehabilitanden in die Maßnahmesteuerung ist durch die notwendige Unterschrift unter die Komponenten des IFP formal gewährleistet. In der Praxis dient der Förderplan vor allem als Feed-back-Instrument, mit dem eine höhere Verbindlichkeit in der Interaktion zwischen Reha-Team und Rehabilitand erreicht werden kann. Unter dem Aspekt der Mitgestaltung der Rehabilitanden zeigen sich deutliche Unterschiede zwischen den Berufsförderungswerken, zwischen Ausbildungsgängen sowie im Hinblick auf Selbstmanagement-Potenziale der Rehabilitanden.

Diskussion, Schlussfolgerungen und Ausblick:

Mit der Einführung des IFP wurde die Transparenz des Bildungs- und Förderprozesses für die Rehabilitanden verbessert und damit eine Voraussetzung für ihre aktive Beteiligung und Mitgestaltung geschaffen. Damit hat sich auch die Verbindlichkeit getroffener Vereinbarungen erhöht. Die Wirksamkeit in Bezug auf ein Empowerment der Rehabilitanden und letztlich auf eine handlungsorientierte berufliche Rehabilitation bleibt jedoch ausgesprochen begrenzt, solange die aktive Beteiligung der Rehabilitanden nicht konstitutives Merkmal des Förderprozesses ist und die Erfassung und Stärkung der Ressourcen als individuelle Potenziale zur Bewältigung der Herausforderungen im Integrationsprozess nicht systematisch umgesetzt und evaluiert wird. Eine verbindliche sowohl defizit- als auch stärkenorientierte Definition von Förderbedarf sowie die systematische Integration von Indikatoren für Empowerment in die Individuelle Förder- und Integrationsplanung können dazu beitragen, den IFP als Instrument der Qualitätssicherung zu optimieren.


Weitere Informationen:


Schlagworte:
Informationen in der ICF:


Mehr zum Thema:


Sammelwerk '15. Rehabilitationswissenschaftliches Kolloquium: Rehabilitation und Arbeitswelt - Herausforderungen und Strategien'




Dokumentart:


Zeitschriftenbeitrag / Forschungsergebnis




Bezugsmöglichkeit:


Deutsche Rentenversicherung
Homepage: https://www.deutsche-rentenversicherung.de/DRV/DE/Ueber-uns-...

Um Literatur zu beziehen, wenden Sie sich bitte an Bibliotheken, die Herausgeber, den Verlag oder an den Buch- und Zeitschriftenhandel.



Referenznummer:

R/GL1372x35


Informationsstand: 06.06.2006

in Literatur blättern