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Lexikon zur beruflichen Teilhabe

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Bibliographische Angaben zur Publikation

Arbeitsbezogene Verhaltens- und Erlebensmuster bei Tinnituspatienten - Eine ressourcenorientierte Betrachtungsweise

Vortrag auf dem Fünfzehnten Rehabilitationswissenschaftlichen Kolloquium vom 13. bis 15. März 2006 in Bayreuth



Autor/in:

Golombek, Jürgen; Gött, D.


Herausgeber/in:

Deutsche Rentenversicherung Bund (DRV Bund)


Quelle:

Deutsche Rentenversicherung, 2006, Sonderausgabe, Seite 464-466, Bad Homburg v. d. H.: wdv Gesellschaft für Medien und Kommunikation


Jahr:

2006



Abstract:


Tinnitus ist eine der am häufigsten gestellten Diagnosen in HNO-ärztlichen Praxen. 35-45 Prozent aller Erwachsenen erleben Tinnitus zu irgendeinem Zeitpunkt ihres Lebens, wobei acht Prozent der Betroffenen sich durch das Geräusch belästigt fühlen und Folgestörungen entwickeln, die zu einer Gefährdung der Arbeitsfähigkeit führen können.

Der Beitrag beschäftigt sich mit der salutogenetischen Sichtweise auf den Tinnitus. Die Art und Interaktion zwischen dem Betroffenen und dem Tinnitus bestimmt die die Wahrnehmung von Tinnitus entscheidend. Wird der Tinnitus als Bedrohung bewertet und werden fehlende Bewältigungsstrategien antizipiert, so entsteht physiologischer sowie emotionaler Stress. Therapeutisches Ziel ist es, Ressourcen und Bewältigungsmechanismen des Patienten zu fördern und zu stärken.

Wesentliches Rehabilitationsziel ist die berufliche Wiedereingliederung. In der Studie wurden die persönlichen Ressourcen und Bewältigungsstrategien im beruflichen Kontext sowie der Zusammenhang zwischen dem persönlichen Umgang mit Arbeitsanforderungen und dem individuellen Krankheitsgeschehen untersucht.

Insgesamt nahmen 349 Tinnituspatienten teil, die sich 2002/ 2003 zur stationären Rehabilitation in der Heinrich-Heine-Klinik in Potsdam/Neu Fahrland befanden. Im Rahmen der Untersuchung sollte eine differenzierte Betrachtung des Belastungserlebens bei Tinnituspatienten vorgenommen werden und überprüft werden, welche gesundheitsgefährdenden Risikomuster Tinnituspatienten im arbeitsbezogenen Verhalten und Erleben aufweisen und ob ein Zusammenhang zwischen Therapie und berufsbezogenen Risikomustern gibt.

Mit Hilfe des Tinnitusfragebogens und der Symptom Checklist-90-Revised wurden zum einen die tinnitusspezifischen sowie weitere Begleitsymptome erfasst. Um arbeitsbezogene Verhaltens- und Erlebensmuster abzubilden, wurde der AVEM eingesetzt. Ein Prä-Post-Vergleich während der stationären Behandlung sowie eine 1-Jahreskatamnese liegen der Datenerfassung zugrunde. Um auf deskriptiver Ebene die Persönlichkeit von Tinnituspatienten zu erfassen, wurde zusätzlich der FPI eingesetzt.

Im Ergebnis zeigt sich eine hohe psychische und somatische Belastung. Tinntiuspatienten weisen ein hohes Maß an Risikomustern im Umgang mit beruflichen Anforderungen auf. Sie scheinen zudem keine oder maladaptive Bewältigungsstrategien im Umgang mit Arbeitsanforderungen zu haben. Betrachtet man den Therapieverlauf, werden nur kurzfristige Behandlungserfolge sichtbar. Es zeigt sich ein schwacher Zusammenhang zwischen arbeitsbezogenen Verhaltens- und Erlebensmustern und Therapieerfolg. Es konnte eine Zunahme gesundheitsförderlicher Muster, jedoch nicht die Abnahme risikohafter Muster festgestellt werden.

Die Untersuchung macht deutlich, wie wichtig es bei der Behandlung von Tinnitus ist, sich nicht nur auf Beeinträchtigung und Beschwerde zu konzentrieren, sondern nach fehlenden oder gesundheitsgefährdenden Ressourcen und Bewältigungsstilen zu fragen und vorhandene Schutzfaktoren zu stärken und fördern.


Weitere Informationen:


Schlagworte:
Informationen in der ICF:


Mehr zum Thema:


Sammelwerk '15. Rehabilitationswissenschaftliches Kolloquium: Rehabilitation und Arbeitswelt - Herausforderungen und Strategien' | REHADAT-Literatur




Dokumentart:


Zeitschriftenbeitrag / Forschungsergebnis




Bezugsmöglichkeit:


Deutsche Rentenversicherung
Homepage: https://www.deutsche-rentenversicherung.de/DRV/DE/Ueber-uns-...

Um Literatur zu beziehen, wenden Sie sich bitte an Bibliotheken, die Herausgeber, den Verlag oder an den Buch- und Zeitschriftenhandel.



Referenznummer:

R/GL1372x68


Informationsstand: 19.06.2006

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