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Lexikon zur beruflichen Teilhabe

Erläuterungen und Definitionen zu mehr als 450 Begriffen. Von A wie Ausgleichsabgabe bis Z wie Zuschüsse.

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Bibliographische Angaben zur Publikation

Berufliche Qualifizierung Jugendlicher mit besonderem Förderbedarf

Benachteiligtenförderung



Sammelwerk / Reihe:

BMBF Publik


Autor/in:

Baumgratz-Gangl, Gisela; Beier, Dirk; Braun, Frank [u. a.]


Herausgeber/in:

Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF)


Quelle:

Bonn, Berlin: Eigenverlag, 2005, 2., überarbeitete Auflage, 317 Seiten: PDF


Jahr:

2005



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Link zu der Veröffentlichung (PDF | 2,52 MB)


Abstract:


Das Handbuch Berufliche Qualifizierung Jugendlicher mit besonderem Förderbedarf - Benachteiligtenförderung - knüpft an die im Jahr 2002 publizierte Auflage an. Diese wurde neu bearbeitet und aktualisiert. Im Auftrag des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF) wurde diese Überarbeitung vorgenommen vom Institut für berufliche Bildung, Arbeitsmarkt- und Sozialpolitik GmbH (INBAS).

Die Benachteiligtenförderung als sozialpädagogisch orientierte Berufsausbildung von Jugendlichen mit besonderem Förderbedarf ist mittlerweile 'erwachsen' geworden - im Jahr 2005 feiert sie ihren fünfundzwanzigsten Geburtstag. Maßgeblich beteiligt an der Entstehung und Weiterentwicklung des zugrunde liegenden Qualifizierungskonzeptes waren engagierte Praktikerinnen und Praktiker vor allem aus dem Bereich der Jugendhilfe. Sie hatten die Erfahrung gemacht, dass gerade in Zeiten knapper werdender Ausbildungsplätze zahlreiche Jugendliche ohne ein zielgruppengerechtes Förder- und Qualifizierungsprogramm keine Chance auf einen Ausbildungsabschluss hatten.

Das Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB) führte zahlreiche Modellversuche zur beruflichen Erstausbildung durch, evaluierte sie und brachte diese Erfahrungen in die konzeptionelle Gestaltung ein. 1980 begann das Benachteiligtenprogramm als Modellprogramm, angesiedelt beim Bundesministerium für Bildung und Wissenschaft (BMBW), mit zunächst rund 600 Ausbildungsplätzen in außerbetrieblichen Einrichtungen. 1982 wurden die ausbildungsbegleitenden Hilfen als zusätzliches Förderinstrument eingeführt. Zum 1. Januar 1988 bekam das Programm eine gesetzliche Grundlage. Es wurde ins Arbeitsförderungsgesetz (AFG) übernommen und dort im § 40c verankert. Förderungsrechtlich ist seitdem die Bundesagentur für Arbeit zuständig. 1998 wurde die Benachteiligtenförderung - diese Bezeichnung hatte sich durchgesetzt - in das Sozialgesetzbuch III (SGB III, §§ 235 und 240 bis 246) übernommen.

Für die inhaltliche Gestaltung und die Prozessbegleitung engagierte sich auch nach der Überführung in das Arbeitsförderungsrecht das Bundesministerium für Bildung und Wissenschaft (heute: Bundesministerium für Bildung und Forschung - BMBF). In den ersten Jahren konzentrierte sich die Prozessbegleitung auf die Instrumente zur Berufsausbildung benachteiligter Jugendlicher (Berufsausbildung in außerbetrieblichen Einrichtungen und ausbildungsbegleitende Hilfen). Mit dem Erscheinen der EMNID-Studie 'Daten und Fakten über Jugendliche ohne abgeschlossene Berufsausbildung' (BMBW 1991) erweiterte sich die Perspektive. Diese Studie zeigte in einer ersten Durchführung zu Beginn der 1990er Jahre, dass in jedem Altersjahrgang der alten Länder ein erschreckend hoher Anteil junger Menschen von rund 14 Prozent ohne Ausbildung blieb, und sie enthielt eine Reihe von differenzierten Hinweisen auf die Ursachen dieses bildungspolitischen Problems.

Es wurde deutlich, dass das Instrumentarium der Benachteiligtenförderung allein zu kurz griff und längst nicht alle benachteiligten jungen Menschen erreichte beziehungsweise in ausreichendem Maße förderte.

Wirksame Hilfen, so die Schlussfolgerung, mussten an weiteren Stellen ansetzen:
- im vorberuflichen Bereich, das heißt in der Berufsorientierung und Berufsausbildungsvorbereitung,
- nach der Ausbildung, also beim Übergang in die Beschäftigung,
- im Bereich der Nachqualifizierung, um für junge Erwachsene ohne abgeschlossene Ausbildung Angebote zur nachträglichen Qualifizierung zu entwickeln und ihnen auf diesem Wege eine zweite Chance zur beruflichen Integration anzubieten.

Sollte die Benachteiligtenförderung ihre Wirksamkeit optimieren, musste sie zudem in ein entsprechendes Netzwerk von begleitenden Maßnahmen eingebettet werden, das den gesamten Übergang von der Schule in den Beruf umfasst. Schon in seinem 1994 veröffentlichten 'Handlungskonzept zur Qualifizierung von Jugendlichen, die bisher ohne abgeschlossene Berufsausbildung bleiben' (BMBW 1994) betonte das Bundesministerium für Bildung und Wissenschaft die Notwendigkeit eines solchen Netzwerkes.

Das Handlungskonzept enthielt eine Fülle von Maßnahmevorschlägen, welche die drei Bereiche
- Berufsausbildungsvorbereitung
- Berufsausbildung
- Nachqualifizierung qualitativ verbessern und zu einem wirksamen Gesamtkonzept zur Qualifizierung benachteiligter junger Menschen zusammenfassen sollten.

Es betonte besonders die Bedeutung der Kooperation mit weiteren Akteuren wie Schulen, Betrieben, Berufsberatung und kommunalen Ämtern sowie die Notwendigkeit der Zusammenarbeit in lokalen Verbundsystemen. Die Frage der Kooperation bei der beruflichen und sozialen Integration sozial- und bildungsbenachteiligter Jugendlicher und junger Erwachsener sowie weitere wichtige Aspekte der Weiterentwicklung des Fördersystems wurden in den Folgejahren durch unterschiedliche Akteure aufgenommen. Hier sei nur beispielhaft auf den Runderlass 42/ 96 der Bundesagentur für Arbeit, auf die Vorschläge der Bund-Länder-Kommission für Bildungsplanung und Forschungsförderung (BLK 1996) aus dem gleichen Jahr sowie auf die Empfehlungen der Arbeitsgruppe 'Aus- und Weiterbildung' im Bündnis für Arbeit, Ausbildung und Wettbewerbsfähigkeit aus den Jahren 1999 und 2000 verwiesen (Bündnis für Arbeit, Ausbildung und Wettbewerbsfähigkeit 1999; Arbeitsgruppe Aus- und Weiterbildung 2000).

Das Bundesministerium für Bildung und Forschung begleitete diese Entwicklung aktiv, unterstützte sie mit Projekten und Publikationen, bündelte die verschiedenen Entwicklungslinien, trieb deren Zusammenfassung in einem einheitlichen Konzept voran und legte schließlich Ende 2001 das Programm 'Kompetenzen fördern - Berufliche Qualifizierung für Zielgruppen mit besonderem Förderbedarf (BQF-Programm)' vor, welches u.a. das ehrgeizige Ziel verfolgt, neue Förderstrukturen in der Benachteiligtenförderung zu entwickeln. Schließlich ist seit dem Erscheinungsdatum der vorhergehenden Auflage dieses Handbuchs im Sommer 2002 eine Reihe weiterer Entwicklungen vor allem in der Arbeitsmarkt- und Berufsbildungspolitik zu verzeichnen, die - zum Teil tiefgreifende - Veränderungen im System der beruflichen Integrationsförderung zur Folge haben.

Mit der Überarbeitung und Aktualisierung dieses Handbuchs wird versucht, diesen Prozess der Weiterentwicklung der Benachteiligtenförderung in den vergangenen Jahren in groben Zügen nachzuvollziehen und einen Ausblick auf zukünftige Perspektiven und mögliche Entwicklungslinien zu geben. Der Band enthält somit eine aktualisierte Darstellung eines neuen Segmentes im deutschen Bildungssystem, das sich mittlerweile als Regelbestandteil dieses Systems etabliert hat. Dennoch ist es - im Schnittfeld unterschiedlicher, sowohl kooperierender als auch konkurrierender Institutionen liegend - weiterhin in einem Prozess der Entwicklung und Ausdifferenzierung begriffen. Die qualitative Entwicklung der Benachteiligtenförderung lebte und lebt dabei vom Engagement zahlreicher Menschen, die sich für diese Idee und ihre Umsetzung einsetzten und weiterhin einsetzen.

Ziel dieses Entwicklungsprozesses ist der Aufbau eines wirksamen, flexiblen, zeitgemäßen und dauerhaften Angebots zur sozialen und beruflichen Integration jener Personengruppen, die aus unterschiedlichen Gründen ohne besondere Förderung im Übergang zwischen Schule und Beruf von Scheitern und beruflicher Ausgrenzung bedroht wären. Ob ihre weitere Zukunft eher von Gefährdungen oder von Chancen geprägt sein wird, hängt neben dem Engagement der Beteiligten nicht zuletzt von bildungs- und finanzpolitischen Entscheidungen ab.

Die gesamte Bandbreite der beruflichen Qualifizierung benachteiligter Jugendlicher ist Gegenstand dieser Veröffentlichung, die als eine Art Grundlagenband die bisher gemachten Erfahrungen zusammenfassen und Informationen über alle Bereiche der beruflichen Qualifizierung zur Verfügung stellen soll. In diesem Sinne wendet sich die Publikation an Praktiker und Praktikerinnen aus den Einrichtungen ebenso wie an eine interessierte Öffentlichkeit. Diesem Adressatenkreis sollen Konzepte und die Förderphilosophie der Qualifizierung benachteiligter Jugendlicher nahe gebracht, die unterschiedlichen Maßnahmeformen vorgestellt und vor allem Hinweise auf die methodisch-didaktische Umsetzung des Konzeptes geliefert werden. Dabei ist keine Publikation entstanden, die nur vollständig und chronologisch zu lesen ist.

Der Begriff 'Handbuch' wurde vielmehr gewählt, um zu verdeutlichen, dass eine Vielzahl von Themen und Beiträgen enthalten ist, die (auch) selektiv gelesen und genutzt werden können. In diesem Sinne wurden an sehr vielen Stellen Querverweise auf andere Kapitel und Textabschnitte eingefügt. Diese können inhaltliche und thematische Zusammenhänge auch für Leser und Leserinnen erschließen, die 'quer' in die Lektüre einsteigen.

Die überarbeitete Fassung des Handbuchs basiert auf den vorhergehenden Ausgaben. An der Überarbeitung und Erweiterung wirkte wiederum eine Vielzahl von Autorinnen und Autoren mit - eine Auflistung aller Beteiligten, denen an dieser Stelle noch einmal ausdrücklich gedankt wird, ist im Anhang zu finden. Die Projektleitung lag bei Joachim Winter, der die redaktionelle Arbeit gemeinsam mit Karin Manneke leistete. Organisatorische und technische Unterstützung lieferten Sonja Sinsch und Oliver Lauberger. Monika Faulstich erledigte vielfältige Recherchen, für eine verlässliche Fehlerkorrektur sorgten Rosemarie Landsiedel und Silvia Wiesmann. Viele der in diesem Band vorgestellten Ergebnisse und Lösungsansätze haben engagierte und kreative Ausbildungsteams und leitende Fachkräfte in der täglichen Praxis entwickelt und erprobt. Auch ihnen danken wir herzlich.

[Gemäß Einleitung]


Weitere Informationen:


Schlagworte:
Informationen in der ICF:


Dokumentart:


Sammelwerk / Graue Literatur / Praxishilfe/Ratgeber / Online-Publikation




Bezugsmöglichkeit:


Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF)
Publikationsversand der Bundesregierung
Homepage: https://www.bundesregierung.de/breg-de/service/publikationen
Homepage: https://www.bildungsketten.de/

Um Literatur zu beziehen, wenden Sie sich bitte an Bibliotheken, die Herausgeber, den Verlag oder an den Buch- und Zeitschriftenhandel.



Referenznummer:

R/NV0921


Informationsstand: 16.01.2006

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