Lexikon zur beruflichen Teilhabe

Erläuterungen und Definitionen zu mehr als 450 Begriffen. Von A wie Ausgleichsabgabe bis Z wie Zuschüsse.

in Literatur blättern

  • Detailansicht

Bibliographische Angaben zur Publikation

Berufsbiografische Beratung als Chance(ngleichheit) in der beruflichen Rehabilitation

Vortrag auf dem 28. Rehabilitationswissenschaftlichen Kolloquium vom 15. bis 17. April 2019 in Berlin



Sammelwerk / Reihe:

Rehabilitation - Shaping healthcare for the future


Autor/in:

Lange, Bianca; Ohlbrecht, Heike; Kuczyk, Susanne [u. a.]


Herausgeber/in:

Deutsche Rentenversicherung Bund (DRV Bund)


Quelle:

Berlin: Eigenverlag, 2019, Seite 236-248


Jahr:

2019



Link(s):


Link zu dem Beitrag im Tagungsband (PDF, 3,4 MB).


Abstract:


Frauen nehmen Leistungen zur Teilhabe am Arbeitsleben (LTA) deutlich weniger in Anspruch als Männer. Im Jahr 2016 wurden von insgesamt 156.117 abgeschlossenen LTA nur 55.090 der Leistungen von Frauen beansprucht (DRV 2018: 54). Mit knapp einem Drittel sind Frauen damit deutlich unterrepräsentiert, wodurch sich die Frage nach Möglichkeiten einer erhöhten Inanspruchnahme von LTA stellt - insbesondere unter Einbezug des Gender Mainstreaming Konzepts. Modelle wie das der wohnortnahen beruflichen Rehabilitation greifen die besonderen Bedürfnisse von Rehabilitandinnen, welche sich unter anderem durch die weiterhin bei Frauen liegende Zuständigkeit für die Kindererziehung und die Pflege von Angehörigen auszeichnen, zwar auf (Niehaus 1997), jedoch ist das Angebot von genderspezifischen Instrumenten und Maßnahmen derzeit nicht ausreichend.

Hier sind Angebote gefragt, die der geringen Absolventinnenquote von LTA-Maßnahmen unter Berücksichtigung von geschlechtsspezifischen Rollenanforderungen, dem genderspezifischen Umgang mit chronischen Erkrankungen wie auch den geschlechtsspezifischen Erwartungen an Erwerbsarbeit innerhalb einer Work-Life-Blending-Kultur (Mikfeld 2016), Rechnung tragen. Im Zuge der Innovationswerkstatt soll ein Instrument der berufsbiografischen Beratung, welches aus der sozialwissenschaftlichen Biografie- und Identitätsforschung hervorgeht, vorgestellt und sein Nutzen für die praktische berufsbiografische Anamnese und Beratung von Rehabilitandinnen und Rehabilitanden demonstriert werden.

Zur Veranschaulichung dienen Fallvignetten von Rehabilitandinnen aus einem aktuellen Forschungsprojekt zur betrieblichen Eingliederung (Ohlbrecht et al. 2018), die die Chancen einer berufsbiografischen Beratung aufzeigen. Die Fallvignetten ermöglichen im Sinne der Case Studies ein gemeinsames Arbeiten der Workshopteilnehmerinnen und -teilnehmer an den biografischen Prozessstrukturen. Mithilfe dieses Vorgehens können die jeweilige sozialstrukturelle Verortung der Rehabilitandinnen und ihre Einbindung in spezifische Milieus in die Planung des beruflichen Wiedereinstiegs miteinbezogen werden, wie auch gendersensible biografische Verlaufsmuster thematisiert werden.

Die soziale Situierung der Subjekte (Eribon 2017) mit ihrer schicht- und milieuspezifischen Verankerung bildet einen relevanten Rahmen für die Frage, auf welche beruflichen Tätigkeiten mit den damit verbundenen kollektiven Orientierungen sich die Betroffenen leichter beziehungsweise schwerer einzulassen vermögen - beziehungsweise wie diese auf das jeweilige Feld auch über die Berufstätigkeit hinaus vorbereitet werden sollten.

Fazit: In der Innovationswerkstatt sollen die Chancen eines berufsbiografischen Beratungsansatzes für die berufliche Rehabilitation diskutiert werden. Darüber hinaus gilt es eine Sensibilisierung für eine geschlechtergerechte Angebotsstruktur von LTA zu erzielen. Berufsbiografische Beratung kann den Leitzielen des Gender Mainstreamings, das heißt eine Verwirklichung/ gelebte Gleichstellung von Männern und Frauen unter Berücksichtigung der jeweiligen Lebenswirklichkeiten, durch ihr Potential habituelle und millieuspezifische Aspekte einer Biografie sichtbar zu machen, gerecht werden und eine Chance der Steigerung der Absolventinnenquoten von LTA-Maßnahmen bedeuten.


Weitere Informationen:


Schlagworte:
Informationen in der ICF:


Mehr zum Thema:


Sammelwerk '28. Rehabilitationswissenschaftliches Kolloquium: Rehabilitation - Shaping healthcare for the future'




Dokumentart:


Sammelwerksbeitrag / Forschungsergebnis / Online-Publikation




Bezugsmöglichkeit:


Deutsche Rentenversicherung Bund (DRV Bund)
Bereich Reha-Forschung > Reha-Kolloquium
Homepage: https://www.deutsche-rentenversicherung.de/DRV/DE/Experten/R...

Um Literatur zu beziehen, wenden Sie sich bitte an Bibliotheken, die Herausgeber, den Verlag oder an den Buch- und Zeitschriftenhandel.



Referenznummer:

R/NV129761


Informationsstand: 06.06.2019

in Literatur blättern