Inhalt

Lexikon zur beruflichen Teilhabe

Erläuterungen und Definitionen zu mehr als 450 Begriffen. Von A wie Ausgleichsabgabe bis Z wie Zuschüsse.

in Literatur blättern

  • Detailansicht

Bibliographische Angaben zur Publikation

Sozialreport 2003 - Menschen mit Behinderungen

Daten und Fakten zur sozialen Lage von Menschen mit Behinderungen in Deutschland



Autor/in:

Haupt, Hanna; Liebscher, Reinhard; Winkler, Gunnar


Herausgeber/in:

Sozialwissenschaftliches Forschungszentrum Berlin-Brandenburg e.V. (SFZ)


Quelle:

Berlin: trafo, 2004, 242 Seiten: Zahlreiche Tabellen und Abbildungen, ISBN: 978-3-89626-482-4


Jahr:

2004



Abstract:


Der Bericht beruht auf einer Befragung zur sozialen Lage, Wertorientierung und Zufriedenheit von Menschen mit Behinderungen. Befragt wurden im Sommer 2003 rund 1100 behinderte Menschen in ost- und westdeutschen Bundesländern, davon 48 Prozent Frauen.

Die Ergebnisse der Studie zeigen, dass viele als Ungleichheit und Ungerechtigkeiten empfundenen Lebensverhältnisse von Menschen mit Behinderungen nicht allein und nicht vorrangig aus der Behinderung resultieren. Vielmehr spielen gesellschaftliche Ausgrenzung vom Arbeitsmarkt, Einkommensungleichheit oder fehlende Bildungschancen eine große Rolle.

Die Studie ergab, dass männliche behinderte Menschen häufig deutlich zufriedener als weibliche Befragte sind. Insbesondere jüngere Menschen bis 30 Jahre sowie Senioren ab 60 Jahre seien sehr zufrieden mit ihrem Leben. Weniger zufrieden seien die 40- bis 49-Jährigen. Das Familieneinkommen spiele bei der Zufriedenheit der Menschen eine besondere Rolle. Auch familiäre Bindungen wie Ehe und Partnerschaft wirkten sich stark auf die allgemeine Lebenszufriedenheit aus. 69 Prozent der Befragten gehen davon aus, dass Isolierung und Ausgrenzung von Menschen mit Behinderungen zukünftig weiter zunehmen werden.

Die Familie hat für Menschen mit Behinderungen nach Ergebnis der Studie einen besonderen Stellenwert für Integration und Zusammenleben. Für 72 Prozent der Befragten ist die Familie in ihrem Leben sehr wichtig. Hinsichtlich der Formen des Zusammenlebens seien bei behinderten Menschen - ebenso wie bei nicht behinderten Menschen - deutliche Geschlechts- und Altersunterschiede feststellbar: Während Frauen im höheren Alter vielfach alleinlebend seien (82 Prozent), treffe dies für Männer in wesentlich geringerem Maße zu (13 Prozent). 15 Prozent der Befragten gaben an, meistens alleine zu sein. Gerade mehrfach behinderte Befragte sind nach Angaben der Forscher oftmals von Isolierung und Vereinsamung betroffen.

Das durchschnittliche Nettoeinkommen der befragten behinderten Menschen beziffert die Studie 2003 mit 1219, 07 Euro. Behinderte Frauen müssen dabei durchschnittlich mit erheblich weniger Geld auskommen (960,88 Euro) als behinderte Männer (1442,84 Euro).

Es gebe bei den Befragten eine hohe Zufriedenheit mit ihrer Wohnsituation, stellten die Forscher fest (75 Prozent). Jedoch gaben nur 52 Prozent der Befragten an, dass die Wohnung ihren behinderungsbedingten Bedürfnissen entspreche.

Die Entwicklung von Hilfsangeboten für Menschen mit Behinderungen in den letzten fünf Jahren wird von den Befragten überwiegend als gleichbleibend bewertet. Die größte Verschlechterung werde bei der Arbeitsbeschaffung (66 Prozent), finanzieller Unterstützung (54 Prozent), bei Behindertenfahrdiensten (32 Prozent) und in der Pflege (32 Prozent) gesehen. Verbesserungen stellten die Befragten bei der Arbeit der Behindertenverbände (32 Prozent), der Selbsthilfegruppen (29 Prozent) sowie der Werk- und Wohnstätten für behinderte Menschen fest. Öffentliche Verwaltung, Sozial- und Gesundheitseinrichtungen, Bildungseinrichtungen, öffentliche Wege sowie der Öffentliche Personennahverkehr werden im Rückblick auf die vergangenen fünf Jahre von der Mehrheit der Befragten als unverändert beurteilt, was den Abbau von Barrieren für behinderte Menschen betrifft.

64 Prozent der Befragten gab an, Mitglied in einem Sozial- oder Wohlfahrtsverband zu sein. 46 Prozent sind in einem Behindertenverband organisiert. Weit abgeschlagen sind die Mitgliedschaft in einer Gewerkschaft (14 Prozent) sowie Parteien (11 Prozent). 36 Prozent der Befragten arbeitet ehrenamtlich in einem Behindertenverband. Dennoch lehnen 38 Prozent aller Befragten generell eine ehrenamtliche Arbeit ab. Als Hauptmotiv wird die eigene Behinderung angegeben, die eine ehrenamtliche Tätigkeit unmöglich mache (43 Prozent).

Immerhin 13 Prozent sind zudem der Meinung, nicht behinderte Menschen sollten diese Arbeit leisten. Die Befragten räumen den Wohlfahrts- und Sozialverbänden sowie den Behindertenverbänden die höchste Wirksamkeit für die Durchsetzung der Belange behinderter Menschen ein. Bezogen auf einzelne Institutionen, die unmittelbar Einfluss auf die Lebensbedingungen behinderter Menschen haben, gibt es unterschiedliche Wertschätzungen: Immerhin 59 Prozent der Befragten sind mit der Arbeit ihrer Krankenkasse zufrieden. 53 Prozent sagen das über ihren Rentenversicherungsträger. Rund die Hälfte der Befragten ist mit der Arbeit des Versorgungsamts zufrieden. Hohe Unzufriedenheit empfinden die Befragten bei der Arbeit des Medizinischen Diensts sowie dem Arbeitsamt.

Die Erwartungen an die Politik sind im Europäischen Jahr der Menschen mit Behinderungen offensichtlich sehr hoch: 73 Prozent der Befragten sind der Auffassung, dass die Bundesregierung etwas für behinderte Menschen tun soll, gefolgt von den Sozial-, Wohlfahrts- und Behindertenverbänden (54 Prozent). Mit Abstand folgen die Länderregierungen und kommunale Institutionen sowie die Familie.

(Gem. Rezension bei kobinet)


Weitere Informationen:


Schlagworte:
Informationen in der ICF:


Dokumentart:


Buch/Monografie / Forschungsergebnis




Bezugsmöglichkeit:


trafo Verlagsgruppe Dr. Wolfgang Weist
mit den Verlagen trafo Wissenschaftsverlag und trafo Literaturverlag
Homepage: http://www.trafoberlin.de

Um Literatur zu beziehen, wenden Sie sich bitte an Bibliotheken, die Herausgeber, den Verlag oder an den Buch- und Zeitschriftenhandel.



Referenznummer:

R/NV1602


Informationsstand: 13.04.2004

in Literatur blättern